Thorsten Steffens (Autor)
01. Oma, Ouzo und andere Katastrophen
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Piper
Broschur
VÖ: 28. November 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 224 Seiten
Größe: 12 cm x 18,7 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-50885-8
ISBN eBook: 978-3-377-90250-4
Mit seinem Roman Oma Ouzo und andere Katastrophen entwirft Thorsten Steffens eine turbulente Komödie über Familienbande, kulturelle Identität und das unerwartete Eindringen der Vergangenheit in ein sorgfältig geordnetes Leben. Der Roman verbindet humorvolle Überzeichnung mit einer klassischen Familiengeschichte, in der sich Selbstbild und Herkunft unweigerlich begegnen.
Im Mittelpunkt steht Philipp, ein erfolgreicher Unternehmer Anfang dreißig, der ein scheinbar perfektes Leben führt, eine stilvolle Wohnung, beruflicher Erfolg und die Freiheit eines ungebundenen Single-Daseins. Diese Ordnung gerät jedoch schlagartig ins Wanken, als eines Tages eine ältere Frau vor seiner Tür steht und behauptet, seine totgeglaubte Großmutter zu sein. Die temperamentvolle Toula eröffnet ihm nicht nur, dass er griechische Wurzeln hat, sondern zieht kurzerhand bei ihm ein. Mit ihrer redseligen Art, ihren unkonventionellen Ansichten und ihrem festen Plan, ihren Enkel endlich zu verheiraten, bringt sie Philipps strukturierten Alltag vollständig durcheinander.
Der Roman lebt vor allem von seiner zentralen Konstellation, dem Aufeinandertreffen zweier Lebenswelten. Auf der einen Seite steht Philipp, der seine Existenz rational organisiert und beruflich erfolgreich ist, auf der anderen Seite Toula, deren temperamentvolle Persönlichkeit und traditionelle Vorstellungen das geordnete Leben ihres Enkels konsequent infrage stellen. Aus dieser Gegenüberstellung entwickelt Steffens zahlreiche komische Situationen, die häufig auf kulturellen Missverständnissen, familiären Erwartungen und generationellen Differenzen beruhen.
Stilistisch setzt der Autor auf eine leicht zugängliche Erzählweise. Die Handlung schreitet zügig voran, viele Szenen sind bewusst pointiert gestaltet und zielen auf humoristische Effekte. Besonders die Figur der Großmutter fungiert als erzählerischer Motor. Sie provoziert Konflikte, kommentiert unverblümt das Leben ihres Enkels und sorgt durch ihre unerschütterliche Entschlossenheit für eine Reihe absurder Situationen.
Oma Ouzo und andere Katastrophen präsentiert sich als unterhaltsame Familienkomödie mit hoher erzählerischer Dynamik. Der Roman überzeugt vor allem durch seinen humorvollen Ton, lebendige Dialoge und die schillernde Figur der Großmutter Toula. Literarisch anspruchsvoll im engeren Sinne ist der Text zwar nicht, doch bietet er eine kurzweilige, pointenreiche Lektüre, die das Chaos familiärer Beziehungen mit ironischem Blick betrachtet.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Thorsten Steffens, geboren 1974, studierte Germanistik und Anglistik an der Universität zu Köln. Im Sommer 2009 schrieb er seinen ersten Roman „Klugscheißer Royale“, der mit etwas Verzögerung nach neun Jahren (im August 2018) im Piper Verlag erschien. Inzwischen dauern Veröffentlichungen zum Glück nicht mehr ganz so lange: Mittlerweile sind mit „Klugscheißer Deluxe“ und „Klugscheißer Supreme“ zwei Fortsetzungsromane erschienen. Im Herbst 2023 folgte die romantische Liebeskomödie „Ein Hund für zwei“. Neuen Lesestoff gibt es Ende 2025 mit dem lustigen Familienroman „Oma, Ouzo und andere Katastrophen“.
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch bis 10.4.2026 !
Rüdiger Bertram (Autor), Mateo Dineen (Illustrator)
02. NINAS MONSTER - Falsch geliefert
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Tulipan
VÖ: 25. Februar 2026 (1. Auflage)
Gebundenes Buch, Pappband
Umfang: 144 Seiten
Größe: 15,5 x 21,0 cm
Alter: ab 8 Jahren
ISBN Buch: 978-3-86429-676-5
Mit NINAS MONSTER – FALSCH GELIEFERT legen Rüdiger Bertram und Mateo Dineen ein humorvolles Kinderbuch vor, das sich souverän im Spannungsfeld zwischen Alltagsrealismus und fantasievoller Überzeichnung bewegt. Die Erzählung greift ein zentrales Motiv der Kinderliteratur, die Begegnung mit dem vermeintlich Unheimlichen, auf und transformiert es in eine Geschichte über Wahrnehmung, Verantwortung und das kreative Potenzial kindlicher Vorstellungskraft.
Im Zentrum steht Nina, die sich ein furchteinflößendes Monster erhofft, um sich gegen Hänseleien zu behaupten. Über eine Monsteragentur bestellt sie ein besonders abschreckendes Exemplar, doch geliefert wird versehentlich ein schüchternes, ängstliches Wesen. Aus der anfänglichen Enttäuschung entwickelt sich eine unerwartete Freundschaft, in der sich die Zuschreibungen von Stärke und Schwäche verschieben. Die humorvoll erzählte Handlung verhandelt Fragen der Selbstbehauptung, der Empathie und des Umgangs mit eigenen Ängsten und verbindet komische Situationen mit einer klar konturierten Botschaft über Akzeptanz und Mut.
Die Ausgangssituation entfaltet eine doppelte Lesbarkeit. Sie fungiert einerseits als komödiantischer Motor, andererseits als erzählerischer Rahmen für die Auseinandersetzung mit Angst und Fremdheit. Bertrams Sprache bleibt bewusst klar und zugänglich, ohne in Simplifizierung zu verfallen. Dialoge strukturieren den Text dynamisch, treiben die Handlung voran und eröffnen zugleich Raum für pointierte Situationskomik. Besonders überzeugend ist die Balance zwischen kindlicher Perspektive und narrativer Ironie, die auch erwachsene Mitlesende subtil adressiert.
Dineens Illustrationen erweisen sich als integraler Bestandteil der Erzählstrategie. Sie erweitern den Text nicht nur visuell, sondern kommentieren ihn eigenständig. Charakterdesign und Bildkomposition folgen einer reduzierten Farbdramaturgie, die emotionale Zustände präzise markiert. Die Bildsequenzen rhythmisieren den Leseprozess und verstärken die komischen Momente, ohne die narrative Spannung zu unterlaufen. Hervorzuheben ist die produktive Wechselwirkung zwischen Text und Bild, aus der zentrale Bedeutungen erst im Zusammenspiel beider Ebenen hervorgehen.
Thematisch überzeugt das Buch durch seine niedrigschwellige, zugleich wirkungsvolle Auseinandersetzung mit dem Umgang mit dem Unbekannten. Das „Monster“ fungiert weniger als Bedrohung denn als Projektionsfläche kindlicher Deutungsversuche. Emotionale Kompetenzen werden nicht didaktisch ausgestellt, sondern in humorvoll zugespitzten Szenarien erfahrbar gemacht.
Insgesamt präsentiert sich das Werk als formal stimmig konzipiertes Kinderbuch, das Humor, visuelle Dynamik und thematische Zugänglichkeit überzeugend verbindet. Die enge Verzahnung von Text und Illustration erzeugt ein kohärentes ästhetisches Konzept, das gleichermaßen unterhaltend wie reflexionsanregend wirkt. Damit empfiehlt sich der Band sowohl für den Vorlesekontext als auch für die selbstständige Lektüre und stellt einen beachtenswerten Beitrag zur aktuellen deutschsprachigen Kinderliteratur dar.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Rüdiger Bertram wurde 1967 in Ratingen geboren und arbeitete nach seinem Studium (Geschichte, Volkswirtschaft und Germanistik) zunächst als freier Journalist. Heute schreibt er Drehbücher und hat zahlreiche erfolgreiche Bücher für Kinder veröffentlicht. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Köln.
Der Illustrator:
Mateo Dineen, 1972 in San Mateo/Kalifornien geboren, studierte Illustration an der Academy of Art University in San Francisco. Seit 2004 lebt er als freischaffender Künstler in Berlin. Bekannt wurde er durch seine Monster-Gemälde im Comic-Stil.
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch bis 8.4.2026 !
Mag. Georg Hamann (Autor)
03. Bertha von Suttner auf Reisen
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Amalthea
VÖ: 25. September 2025 (1. Auflage)
mit zahlreichen Abbildungen, durchgehend vierfarbig
Umfang: 224 Seiten
Alter: ab 12 Jahren
ISBN Buch: 978-3-99050-290-7
ISBN eBook: 978-3-90344-151-4
Georg Hamanns BERTHA VON SUTTNER AUF REISEN entzieht sich bewusst der Form des klassischen Lebensporträts. Statt einer chronologisch angelegten Biografie wählt der Autor Bewegung als zentrales erzählerisches Prinzip. Die Protagonistin erscheint nicht als historische Figur, sondern als eine Frau in permanenter Transitzone, in Pensionen und Eisenbahnabteilen, auf Podien und zwischen Kontinenten, stets mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit unterwegs für den Frieden.
Dieser Mobilität nähert sich Hamann mit einem ausgeprägten Sinn für Materialität und Detail. Fotografien, Postkarten, Notizen und Reiseimpressionen sind präzise ausgewählt und komponiert, ohne den Gestus eines musealen Arrangements anzunehmen. Die Dokumente fügen sich zu einem „wandernden Archiv“, das Suttners Leben nicht linear ordnet, sondern entlang atmosphärischer Verdichtungen entfaltet. In diesen Passagen entfaltet der Band seine größte Stärke. Er macht sichtbar, dass das Reisen für Suttner weit mehr war als eine organisatorische Notwendigkeit. Das Unterwegssein wird als Denk- und Resonanzraum lesbar, in dem sich ihre pazifistischen Überzeugungen schärfen und politisches Handeln formt.
Besonders überzeugend ist Hamanns Fähigkeit, Nähe zu erzeugen, ohne biografische Verkürzungen vorzunehmen. Die Annäherung bleibt kontrolliert, gewinnt jedoch immer wieder eine beinahe private Intensität. Zwischen internationalen Friedenskongressen und großen Vorträgen treten unscheinbare Momente des Alltags hervor, Erschöpfung nach langen Fahrten, beiläufige Begegnungen, kurze Beobachtungen am Rand. Gerade diese leisen Töne verleihen der historischen Figur Kontur und Wärme.
Gleichzeitig bleibt der Band nicht ohne Einschränkungen. Der konsequente Fokus auf das Motiv des Reisens eröffnet eine originelle Perspektive, verengt jedoch den Blick. Eine systematische Darstellung von Suttners intellektueller Entwicklung oder ihres literarischen Werks wird nur angedeutet. Manche Zusammenhänge bleiben skizzenhaft, manche Linien werden nicht weiterverfolgt, weil sie dem konzeptuellen Rahmen des Buches widersprechen. Diese Fragmentierung ist als ästhetisches Verfahren plausibel, kann jedoch Leserinnen und Leser irritieren, die nach stärkerer orientierender Gesamtschau suchen.
Dennoch gelingt Hamann ein Werk, das ästhetisch überzeugt und biografisch anregt. BERTHA VON SUTTNER AUF REISEN zeigt, wie politisches Engagement aus Bewegung, Begegnung und Offenheit hervorgeht. Die historische Figur wird erfahrbar, indem ihr jene Dynamik zurückgegeben wird, die in traditionellen Biografien häufig zugunsten geschlossener Erzählungen geglättet wird.
So entsteht ein einprägsames, fein komponiertes Porträt, nicht umfassend, aber eindringlich. Ein Band, der gerade durch seine poetisch aufgeladene Perspektive einen neuen Zugang zu einer der zentralen Stimmen des Pazifismus eröffnet.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Mag. Georg Hamann, geboren in Wien, ist als freischaffender Autor und Historiker seit 20 Jahren auf die Wiener Stadtgeschichte spezialisiert sowie seit Langem in der Erwachsenenbildung tätig.
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch bis 3.4.2026 !
Gisèle Pelicot (Autorin), Judith Perrignon (Mitautorin), Patricia Klobusiczky (Übersetzerin)
04. Eine Hymne an das Leben
Die Scham muss die Seite wechseln - Die offizielle Autobiografie der Frau, die das Schweigen brach
Verlag: Piper
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 17. Februar 2026 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 256 Seiten
Größe: 13,8 cm x 22 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-07435-3
ISBN eBook: 978-3-492-61200-5
Das Buch EINE HYMNE AN DAS LEBEN versteht sich als literarisches Zeugnis radikaler Verletzbarkeit und zugleich als eindringliche Verteidigung menschlicher Würde. In einer Gegenwart, in der persönliche Erfahrung zunehmend als politischer und kultureller Resonanzraum fungiert, entfaltet der Text seine Wirkung weniger über eine konventionelle Handlung als über die beharrliche Arbeit am Sinn. Erinnerung wird zur erzählerischen Form, Sprache zur Überlebensstrategie.
Im Zentrum des Buches steht die autobiografisch geprägte Auseinandersetzung der Autorin mit einer Erfahrung sexualisierter Gewalt und deren langfristigen Folgen. Ausgehend von fragmentarischen Erinnerungen rekonstruiert sie die biografischen und emotionalen Bruchlinien, die ein solches Ereignis hinterlässt, Scham, Sprachlosigkeit und gesellschaftliche Verdrängung stehen neben dem mühsamen Prozess der Selbstermächtigung. Die Erzählerin tastet sich durch Szenen aus Kindheit, Jugend und späterem Leben, reflektiert familiäre Konstellationen und gesellschaftliche Reaktionen und fragt immer wieder nach den Möglichkeiten, traumatische Erfahrung in Sprache zu überführen, ohne sie zu trivialisieren oder zu dramatisieren.
Stilistisch setzt die Autorin auf eine reduzierte, kontrollierte Prosa. Pathos wird konsequent vermieden, ohne dass die emotionale Intensität der geschilderten Erfahrungen verloren ginge. Gerade diese asketische Tonlage erzeugt eine produktive Spannung: Wo autobiografische Narrative häufig zur Dramatisierung tendieren, vertraut der Text auf die Evidenz des Erlebten. Besonders eindrücklich sind jene Passagen, in denen Wahrnehmung und Reflexion ineinandergreifen und ein dichtes Gewebe aus Körpererinnerung, Scham, Widerstand und Selbstbehauptung entsteht.
Inhaltlich bewegt sich das Buch an der Schnittstelle von individueller Erfahrung und kollektiver Verantwortung. Schreiben erscheint hier als Akt der Sichtbarmachung, nicht im Sinne eines spektakulären Bekenntnisses, sondern als insistierende Forderung nach Anerkennung. Das Private wird politisch, ohne in programmatische Thesen zu verfallen. Die ethische Dimension des Textes liegt in seiner Haltung. Er fordert Aufmerksamkeit, ohne sie zu instrumentalisieren, und verweigert die bequeme Dramaturgie von Schuldzuweisung und Erlösung.
Formal bemerkenswert ist die Strukturierung über Erinnerungsinseln statt über eine lineare Chronologie. Kurze Kapitel, die wie lose montierte Szenen wirken, erzeugen eine Rhythmik des Annäherns und Zurückweichens. Erinnerung erscheint dabei als Arbeit am Unabgeschlossenen. Wiederkehrende Motive, Stille, Blick, Körper, fungieren als semantische Anker und verleihen dem Text Kohärenz, ohne seine Offenheit zu beschneiden.
Die programmatische Setzung des Titels bleibt dabei nicht frei von Ambivalenzen. Die Beschwörung einer „Hymne“ an das Leben steht in einem produktiven, mitunter auch irritierenden Kontrast zur Nüchternheit der Darstellung. Gerade dort, wo der Text zur Generalisierung tendiert, droht die individuelle Erfahrung in eine universelle Lebensbejahung überführt zu werden, die nicht immer vollständig begründet erscheint.
Diese Spannung lässt sich jedoch auch als bewusste poetische Strategie lesen, als Versuch, aus fragmentarischer Erinnerung eine Form von Sinn zu gewinnen.
Besondere Resonanz erhält das Buch im kulturgesellschaftlichen Kontext der jüngsten Debatten über Zeugenschaft, Gewalt und Öffentlichkeit in Frankreich, insbesondere im Umfeld der Diskussionen in der südfranzösischen Kulturstadt Avignon. In diesem Umfeld versteht sich der Text auch als Beitrag zu einer breiteren Reflexion über Empathie, Verantwortung und die gesellschaftlichen Bedingungen des Zuhörens.
So überzeugt EINE HYMNE AN DAS LEBEN letztlich als literarisch reflektiertes Zeugnis, das die Möglichkeiten und Grenzen autobiografischen Schreibens auslotet. Seine Stärke liegt in der Präzision der Wahrnehmung und in der ethischen Ernsthaftigkeit, mit der Erfahrung in Sprache überführt wird.
Am Ende entsteht kein abgeschlossenes Narrativ der Bewältigung, sondern ein literarischer Raum, in dem Erfahrung, Sprache und Verantwortung miteinander in Spannung bleiben.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
„Die Scham muss die Seite wechseln“
Mit diesen Worten veränderte Gisèle Pelicot 2024 die Welt. Sie verzichtete im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter auf Anonymität – und wurde zur Stimme von Millionen. Ihr Mut löste internationale Debatten aus, brachte Gesetze ins Wanken und gab Betroffenen weltweit neue Kraft.
Gisèle Pelicot wurde vom TIME Magazine zur bedeutendsten Frau des Jahres 2024 gewählt.
Der musicalcocktail verlost 3x das Buch bis 1.4.2026 !
Andreas Englisch (Autor)
05. Das Vermächtnis von Papst Franziskus
Verlag: C.Bertelsmann
eBook (epub)
VÖ: 1. März 2023 (1. Auflage)
ebenfalls als Hardcover und Audio erhältlich
Umfang: 368 Seiten
mit Farbbildteil
Größe: 13,5 x 21,5 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-570-10514-6
ISBN eBook (epub): 978-3-641-30479-9
Der Vatikan ist für Außenstehende oft ein schwer zugängliches Machtzentrum, ein Ort der Rituale, der Intrigen und der leisen, aber tiefgreifenden Umbrüche. Einer, der dort seit Jahrzehnten hinter die Kulissen blickt, ist Andreas Englisch. Mit „Das Vermächtnis von Papst Franziskus“ legt er nun ein Buch vor, das als persönliches Resümee eines Pontifikats, der so vieles anders gemacht hat und dabei die katholische Kirche bis ins Mark erschütterte.
Andreas Englisch will nicht erklären, sondern erzählen, einordnen und bewerten. Und genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Im Zentrum steht eine Figur, die polarisiert wie kaum ein Kirchenoberhaupt zuvor, Papst Franziskus, der argentinische Jesuit, der sich weigert, in päpstlichen Palästen zu wohnen und stattdessen die Nähe zu den Menschen sucht. Englisch zeigt Franziskus als Mann mit Mission und diese Mission heißt Rückkehr zum Evangelium, zu Einfachheit, Barmherzigkeit und Menschlichkeit. Es ist das Bild eines Papstes, der keine Angst hat, mit Traditionen zu brechen und genau deshalb so heftig bekämpft wird.
Das Buch lebt von der Nähe des Autors zur Figur Franziskus. Englisch hat den Papst mehrfach persönlich getroffen, er kennt die Abläufe in der Kurie, die Ränkespiele hinter verschlossenen Türen, die Gesichter des Widerstands. Seine Erzählungen sind lebendig, gut recherchiert und gespickt mit Anekdoten, die den Leser tief in das Herz des Vatikans blicken lassen.
Er schreibt flüssig, pointiert, eingängig. Man merkt, dass hier ein Profi am Werk ist, der weiß, wie man komplexe Themen für ein breites Publikum aufbereitet. Theologische Begriffe werden vermieden oder erklärt, der Ton bleibt durchgehend zugänglich.
„Das Vermächtnis von Papst Franziskus“ ist ein lesenswertes, mitreißend geschriebenes Buch über einen Papst, der den katholischen Kosmos verändert hat und das nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Andreas Englisch gelingt es, Franziskus als Mensch, als Machtfaktor und als spirituelle Leitfigur zu zeigen.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Andreas Englisch lebt seit fast vierzig Jahren in Rom und gilt als einer der bestinformierten Journalisten im Vatikan. Seit der Amtszeit von Johannes Paul II. trifft er alle amtierenden Päpste regelmäßig und begleitet sie auf ihren Reisen. Die Wahl und den Amtsantritt von Leo XIV. hat er aus der Nähe begleitet und für große Medien kommentiert. Als Vatikanexperte und Italienkenner ist er ein gefragter Talkshowgast und Interviewpartner, seine Bücher sind Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter »Franziskus – Zeichen der Hoffnung« (2013), »Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg« (2015), »Der Pakt gegen den Papst. Franziskus und seine Feinde im Vatikan« (2020) sowie »Das Vermächtnis von Papst Franziskus» (2023). Zudem begeistert Andreas Englisch als kenntnisreicher Reiseführer durch Rom. Die Geschichte und Geschichten der Ewigen Stadt hat er in seinen Bestsellern »Mein Rom. Die Geheimnisse der Ewigen Stadt« (2018), »Mein geheimes Rom. Die verborgenen Orte der Ewigen Stadt« (2021) und »Alle Wege führen nach Rom« aufgeschrieben. Regelmäßig gibt Andreas Englisch Einblicke in die Welt des Vatikans in seinen Artikeln für »Die Zeit« sowie in seinem Podcast »Vatikangeflüster«.
Das Buch beim C.Bertelsmann-Verlag
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch bis 25.3.2026 !
Papst Franziskus (Autor)
06. LEBEN. Meine Geschichte in der Geschichte
Verlag: HarperCollins
eBook (epub)
VÖ: 19. März 2024 (1. Auflage)
ebenfalls Hardcover und Audio erhältlich
Umfang: 272 Seiten
Größe: 20,5 x 12,5 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-365-00763-1
ISBN eBook (epub): 978-3-749-90763-2
»Die Geschichte unseres Lebens nachzulesen ist wichtig, um uns zu erinnern und denjenigen etwas weiterzugeben, die uns zuhören. Um aber lernen zu leben, müssen wir lernen zu lieben. Das sollten wir nicht vergessen!«
- Papst Franziskus -
Mit „Leben. Meine Geschichte in der Geschichte“ legte Papst Franziskus eine Autobiografie vor, die in mehrfacher Hinsicht ein Novum darstellt, erstmals nahm ein amtierender Pontifex in dieser Form Rechenschaft über sein eigenes Leben ab. Entstanden im Dialog mit dem Journalisten Fabio Marchese Ragona, entfaltet sich ein Text, der gleichermaßen persönlich wie politisch ausgerichtet ist.
Das gewählte Gesprächsformat prägt die Lektüre entscheidend. Franziskus tritt nicht als distanzierter Autor auf, sondern als Erzähler, der den Leser unmittelbar anspricht. Dadurch entsteht Nähe, die Lebensstationen erscheinen jedoch weniger als kontinuierlicher Entwicklungsprozess, sondern vielmehr als lose verbundene Episoden entlang historischer Wegmarken vom Zweiten Weltkrieg über die Militärdiktatur in Argentinien bis zu den globalen Erschütterungen des 11. September und schließlich der eigenen Wahl zum Papst.
Auffällig ist die Spannung zwischen Offenheit und Selbstinszenierung. Franziskus zeigt sich in Anekdoten humorvoll und volksnah, berichtet von Kindheitserinnerungen, von Fußballspielen oder Begegnungen in Buenos Aires. Zugleich wahrt er an kritischen Stellen eine spürbare Zurückhaltung, ein Balanceakt zwischen persönlicher Offenbarung und institutioneller Rolle.
In theologischer Hinsicht bleibt das Buch bewusst im Modus der Impulse. Franziskus bezieht klare Positionen für Frieden, gegen soziale Ungleichheit und für den Schutz der Schöpfung. Eine systematische Durchdringung oder argumentative Schärfe sucht man jedoch vergeblich. Das Werk versteht sich nicht als dogmatische Abhandlung, sondern als erzählerisches Zeugnis, darin liegt seine Stärke, zugleich aber auch seine Grenze.
Stilistisch überzeugt das Buch durch Schlichtheit. Franziskus verwendet eine Sprache, die sich an Alltagskommunikation orientiert, nicht an der Diktion der Kurie. Für ein Fachpublikum stellt sich allerdings die Frage, ob diese Zugänglichkeit nicht zugleich eine Vereinfachung bedeutet. Die dialogische Form hat zweifellos populärliterarischen Reiz, erschwert jedoch eine präzise Analyse der Inhalte.
„Leben. Meine Geschichte in der Geschichte“ präsentiert sich weniger als schonungslose Lebensbilanz denn als moralische Standortbestimmung des Papstes innerhalb der Weltgeschichte. Für die kultur- und theologiegeschichtliche Debatte bleibt das Werk dennoch relevant, als Dokument päpstlicher Selbstinszenierung, das Nähe sucht und gerade dadurch neue Fragen aufwirft.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
JORGE MARIO BERGOGLIO wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien, als Sohn italienischer Einwanderer geboren. 1969 wurde er zum Priester des Jesuitenordens, der Gesellschaft Jesu, geweiht. Nach seiner Ernennung zum Weihbischof 1992 wurde er 1998 zum Erzbischof von Buenos Aires und 2001 zum Kardinal ernannt. Im März 2013 wurde er zum Papst, zum 266. Oberhaupt der Katholischen Kirche, gewählt. Papst Franziskus starb am 21. April 2025.
Das Buch beim HarperCollins-Verlag
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch bis 25.3.2026 !
Michael Meier (Autor)
07. Der Papst der Enttäuschungen
Warum Franziskus kein Reformer ist
Verlag: Herder
Gebunden mit Schutzumschlag
VÖ: 2024 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 208 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-451-39716-5
ISBN eBook (epub): 978-3-451-83970-2
Zwischen Charisma und Stillstand
Michael Meier seziert das Pontifikat von Papst Franziskus
Der Schweizer Theologe und langjährige Beobachter der katholischen Weltkirche Michael Meier legt mit DER PAPST DER ENTTÄUSCHUNGEN eine prägnante und streitbare Analyse des Pontifikats von Papst Franziskus vor. Sein Befund fällt eindeutig aus. Trotz der hohen Erwartungen an einen „Reformpapst“ erweist sich Franziskus in zentralen Fragen als Bewahrer, einer, der den Habitus des Hirten kultiviert, ohne das institutionelle Fundament der Kirche nachhaltig zu verändern.
Meier porträtiert Franziskus als charismatischen Kommunikator, dessen Botschaft von Barmherzigkeit und Inklusion das öffentliche Bild der Kirche erneuert, nach innen jedoch kaum strukturelle Reformen bewirkt. Ob Frauenordination, Pflichtzölibat oder Sexualmoral, der Autor konstatiert eine bemerkenswerte Beharrungskraft. Grundlage seiner Analyse sind päpstliche Lehrschreiben, öffentliche Reden und Interviews, ergänzt durch präzise Beobachtungen vatikanischer Machtmechanismen. Methodisch versteht sich Meiers Buch weniger als theologischer Kommentar, sondern als kirchenpolitische Bestandsaufnahme.
Besonders eindrucksvoll ist Meiers Fähigkeit, einzelne Gesten und Entscheidungen in einen größeren historischen und kirchenrechtlichen Kontext einzuordnen. Er zeigt, wie Franziskus Reformrhetorik einsetzt, ohne den dogmatischen Kern anzutasten, und entlarvt diese Gratwanderung als strategisches Gleichgewicht zwischen liberalen Hoffnungen und konservativen Kräften. Der Ton bleibt dabei frei von überflüssiger Polemik und ist geprägt von journalistischer Präzision.
Allerdings bleibt die spirituelle Dimension des Pontifikats wenig beleuchtet. Franziskus pastorale Präsenz, seine Fähigkeit zu spontaner Nähe und die daraus erwachsende Wirkung auf Gläubige werden nur am Rande thematisiert. Wer den Papst in seiner religiösen Tiefe erfassen möchte, findet hier das institutionelle Gerüst, nicht jedoch die spirituelle Innenperspektive.
DER PAPST DER ENTTÄUSCHUNGEN ist kein Abgesang, sondern eine ernüchternde Standortbestimmung. Meier nimmt Franziskus ernst und misst ihn an den Maßstäben, die dieser selbst gesetzt hat. Das Buch ist unverzichtbar für alle, die jenseits wohlmeinender Öffentlichkeitsarbeit ein klares Bild der politischen Realitäten im Vatikan gewinnen wollen, ein Werk, das gerade durch seine illusionslose Haltung einen wertvollen Beitrag zur aktuellen Debatte über die Zukunft der Kirche leistet.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Michael Meier (geboren 1955 in Zürich) hat in Zürich Germanistik, später in Rom und Freiburg im Uechtland Theologie studiert und mit dem Lizentiat abgeschlossen. 33 Jahre lang war er Kirchen- und Religionsexperte bei der größten Schweizer Tageszeitung „Tages-Anzeiger“. Er hat die Pontifikate von Johannes Paul II. bis zu Franziskus hautnah begleitet und kommentiert. Heute ist er noch freiberuflich journalistisch tätig. Unter anderem hat er den Zürcher Journalistenpreis für das Gesamtwerk erhalten sowie aus den Händen von Hans Küng den Herbert-Haag Preis für Freiheit in der Kirche.
Stefan von Kempis (Autor)
08. Weißer Rauch und falsche Mönche
Eine andere Geschichte der Papstwahl
Verlag: Herder
Gebunden mit Schutzumschlag
VÖ: 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub), eBook (pdf) erhältlich
Umfang: 320 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-451-39704-2
ISBN eBook (epub): 978-3-451-83627-5
ISBN eBook (pdf): 978-3-451-83909-2
Sie wählen und wählen, ohne Ergebnis. Monatelang ziehen die Kardinäle feierlich in die Kirche, um einen neuen Papst zu bestimmen – vergeblich. Irgendwann sperren genervte Katholiken die Kardinäle im Innern eines Papstpalastes ein, setzen sie auf Wasser und Brot, und siehe da, binnen kurzer Zeit können sie sich auf einen neuen Papst einigen. So geschehen 1271 im mittelitalienischen Städtchen Viterbo.
Warum wählen nur alte, zölibatäre Männer den Papst? Kann auch ein einfacher Dorfpfarrer zum Oberhaupt der Kirche aufsteigen? Weshalb kommunizieren die Wähler aus der Sixtinischen Kapelle per Rauchzeichen mit der Außenwelt? (Verlagsinfo)
Mit WEISSER RAUCH UND FALSCHE MÖNCHE legt der Vatikanjournalist Stefan von Kempis ein fundiertes und zugleich lebendig geschriebenes Sachbuch vor. Im Mittelpunkt steht einer der geheimnisvollsten und traditionsreichsten Vorgänge der römisch-katholischen Kirche, die Wahl eines Papstes.
Von Kempis gelingt es, das meist nur durch das Signal des „weißen Rauchs“ bekannte Ritual in seinen historischen, theologischen und politischen Dimensionen anschaulich darzustellen. Mit Blick auf Jahrhunderte kirchlicher Machtkämpfe, Reformen und Skandale spart er weder an Kuriositäten noch an kritischen Fragen, stets gut recherchiert und verständlich aufbereitet.
Besonders eindrucksvoll ist, wie der Autor klassische Kirchenhistorie mit moderner Medienrealität verknüpft. Die Verwandlung der Papstwahl vom sakralen Mysterium zum globalen Medienspektakel wird präzise, aber unaufgeregt geschildert. Wenn der weiße Rauch zum „Symbol im Nebel von Erwartungen“ wird, trifft das den Kern einer Kirche, die zwischen Tradition und Wandel steht.
Die klare, zugängliche Sprache macht auch komplexe innerkirchliche Strukturen verständlich, ohne in Vereinfachung oder Jargon zu verfallen. Von Kempis’ langjährige journalistische Erfahrung zeigt sich im erzählerischen Stil, keine trockene Abhandlung, sondern eine spannungsreiche, gut strukturierte Darstellung mit Anekdoten und fundierter Quellenarbeit.
Die thematische Bandbreite reicht von den Anfängen der Papstwahl im frühen Christentum bis hin zur Wahl Papst Franziskus’ und den aktuellen Herausforderungen der Kirche, dabei berichtet er nicht nur, sondern ordnet auch ein.
WEISSER RAUCH UND FALSCHE MÖNCHE ist ein leicht verständliches Sachbuch zur Geschichte und Gegenwart der Papstwahl, informativ für Laien, bereichernd für kirchlich Interessierte. Ein überzeugender Beitrag zur populären Kirchengeschichte.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Stefan von Kempis, geb. 1970 in Bonn, leitet die deutschsprachige Abteilung bei "Vatican News" und Radio Vatikan. Er studierte in Bonn, Freiburg und Paris Geschichte und Theologie sowie in Rom und Kairo Islamwissenschaften. Er ist Autor zahlreicher Bücher über Benedikt XVI. und Papst Franziskus und lebt in Rom.
Simon Ammer (Autor)
09. Auf dem Gipfel ist Ruh'
Kriminalroman
Verlag: Droemer HC
Klappbroschur
VÖ: 2. Mai 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 304 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-426-44855-7
ISBN eBook: 978-3-426-44856-4
Oberst Benedikt Kordesch ermittelt, Band 2
Mit seinem Kriminalroman um den eigenwilligen Ermittler Oberst Benedikt Kordesch beweist Simon Ammer, dass der österreichische Regionalkrimi mehr sein kann als malerische Landschaftsbeschreibungen und Dialekthumor. AUF DEM GIPFEL IST RUH´ verbindet klassische Spannung mit einer feinen Beobachtung gesellschaftlicher Machtstrukturen und das in einem Setting, das von vordergründiger Idylle und latenter Bedrohung gleichermaßen geprägt ist.
Im Mittelpunkt steht der rätselhafte Tod des mächtigen Medienmoguls Bernhard Kolin, Herausgeber einer der einflussreichsten Boulevardzeitungen des Landes. Kurz darauf stirbt auch seine Mutter, beide durch das Gift des „Blauen Eisenhuts“. Schon diese Wahl des Mordmittels verleiht dem Roman eine besondere Note. Der Eisenhut, zugleich Heilpflanze und tödliche Gefahr, wird zum Symbol für die Ambivalenz von Macht und Einfluss.
Der Schauplatz, ein abgelegenes Ferienhotel im oberösterreichischen Bergland, wirkt zunächst wie eine friedvolle Rückzugsoase. Doch je tiefer Kordesch in das Netz aus Familiengeheimnissen, finanziellen Interessen und medialen Intrigen vordringt, desto deutlicher wird, dass diese Stille trügerisch ist. Ammer gelingt es, die Natur nicht nur als Kulisse einzusetzen, sondern sie in die psychologische Dimension der Handlung einzubinden. Die majestätische Ruhe der Berge kontrastiert scharf mit den giftigen Konflikten der Figuren.
Oberst Benedikt Kordesch ist eine erfrischend untypische Ermittlerfigur. Er ist kein makelloser Held, sondern ein Mann mit Eigenheiten und Schwächen, reisemüde, eher leise im Ton und in seinen Ängsten oft verletzlich. Diese Ambivalenz macht ihn glaubwürdig und sympathisch, ohne ihn zu idealisieren.
Die übrigen Figuren, allen voran die Mitglieder der Familie Kolin, sind sorgfältig ausgestaltet, auch wenn einige Nebencharaktere eher schemenhaft bleiben. Gerade die Familie überzeugt durch ihre innere Dynamik, alte Rivalitäten, erdrückende Erwartungen und ein Machtkampf, der weit über das Private hinausreicht.
Ammer setzt auf eine klassische Krimistruktur, ohne ins Altmodische zu verfallen. Der Roman entfaltet sich ruhig, fast gemächlich, bevor er im letzten Drittel spürbar an Tempo gewinnt. Diese bewusste Erzählökonomie erzeugt eine besondere Spannung. Die Leser werden nicht mit permanenten Cliffhangern überrollt, sondern Schritt für Schritt tiefer in den Fall hineingezogen.
Gleichzeitig gelingt es Ammer, aktuelle Themen einzubinden, vor allem die Macht der Medien und die Frage, wie öffentliche Meinung gelenkt wird. Kolins Zeitungsimperium fungiert dabei als Spiegel gesellschaftlicher Mechanismen, ohne dass der Roman in politische Polemik abrutscht. Diese gesellschaftliche Dimension verleiht der Geschichte Relevanz.
Stilistisch überzeugt Ammer durch eine klare, unaufdringliche Sprache, die Raum für Atmosphäre lässt. Er verzichtet auf überbordende Beschreibungen und setzt stattdessen auf präzise Bilder. Die Landschaft wird so nicht zum bloßen Postkartenmotiv, sondern zum Teil des Erzählflusses.
Besonders stark sind die Dialoge, pointiert, oft mit trockenem Humor gewürzt und immer nah an der Figur. Der Autor versteht es, regionale Eigenheiten einzubringen, ohne ins Folkloristische abzugleiten.
Simon Ammer verbindet psychologisch fein gezeichnete Figuren mit einem klugen Blick auf gesellschaftliche Machtmechanismen. Der Roman zeigt, wie sich Regionalkrimi und Gesellschaftsroman produktiv ergänzen können.
Für Leser bietet das Werk interessante Ansatzpunkte, die gelungene Integration eines landschaftlich klar verorteten Settings, die Thematisierung medialer Einflussnahme und eine Ermittlerfigur, die bewusst gegen gängige Stereotype arbeitet.
Nicht jeder dramaturgische Kniff sitzt perfekt, und einige Figuren bleiben eher im Hintergrund. Doch das mindert nicht den Gesamteindruck. Ammer etabliert sich mit diesem Band als Stimme, die den deutschsprachigen Krimi um eine reflektierte, zeitgemäße Perspektive bereichert.
Für alle, die im Kriminalroman nicht nur Spannung, sondern auch gesellschaftliche Resonanz suchen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Simon Ammer ist ein Pseudonym des österreichischen Schriftstellers Daniel Wisser. Er hat bisher sieben Romane geschrieben und zahlreiche Preise erhalten, u.a. den Österreichischen Buchpreis. Bekannt geworden ist er als ebenso scharfer wie humorvoller Beobachter der österreichischen Gesellschaft und der Regionen des Landes.
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
Dimitré Dinev (Autor)
10. ZEIT DER MUTIGEN
Roman
Verlag: Kein & Aber
Hardcover
VÖ: 8. September 2025 (1. Auflage)
Umfang: 1.152 Seiten
Größe: 12,5 x 19 cm
ISBN Buch: 978-3-0369-5079-2
ISBN eBook: 978-3-0369-9679-0
Als das Dienstmädchen Eva am Vorabend des Ersten Weltkriegs ihrem Leben in der Donau ein Ende setzen möchte, wird sie stattdessen in die Arme des jungen Infanterieleutnants Alois Kozusnik gespült. Statt ihres Lebens verliert sie ihre Unschuld. Es ist der Startpunkt einer epischen Geschichte, die sich aus drei großen Erzählsträngen zusammensetzt und sich bis in die heutige Zeit fortspinnt. Was macht den Menschen aus? Wie durchlebt und übersteht er Jahre der Unterdrückung und Gewalt? Wie schafft er es immer wieder, Kraft zu schöpfen, zu hoffen und zu lieben? (Verlagsinfo)
Dimitré Dinevs neuer Roman ZEIT DER MUTIGEN beeindruckt zunächst durch seine schiere Dimension. Auf mehr als 1.100 Seiten entwirft er ein Panorama aus Welt und Familiengeschichte, ein erzählerisches Monument, dem jedoch nicht immer die notwendige innere Ausgewogenheit gelingt.
Das Buch setzt auf große historische Gesten und begleitet mehrere Generationen durch politische Brüche und gesellschaftliche Transformationen. Statt eines konsequent geführten Spannungsbogens entsteht ein Geflecht aus Episoden, die lose ineinandergreifen. Dinev entfaltet zweifellos beeindruckende erzählerische Energie, doch diese führt gelegentlich zu ausufernden Szenen und zu einem Übergewicht von Nebenpfaden, unter denen der Kern der Erzählung zu verschwinden droht.
Die stilistische Vielfalt des Romans reicht von lyrisch aufgeladenen Passagen über schonungslosen Realismus bis hin zu pointiert gesetzten ironischen Momenten. Diese Wechsel erzeugen interessante Reibungen, verlangen dem Text jedoch ein hohes Maß an Übergangsdisziplin ab. Nicht immer gelingt sie. Manches wirkt überbordend ausgestaltet, sodass der Blick stärker auf die gestalterische Virtuosität des Autors als auf die Figuren selbst gelenkt wird. Die atmosphärische Dichte ist eindrucksvoll, kann aber in ihrer Üppigkeit den emotionalen Kern zuweilen überlagern.
Dinevs Figuren tragen die ganze Wucht des 20. Jahrhunderts in sich, Gewalt, Entwurzelung, politische Verwerfungen. Viele ihrer Geschichten treffen unmittelbar. Das Schicksal wird häufig monumentalisiert, während die psychologische Durchdringung nicht immer die Tiefe erreicht, die das erzählerische Setting nahelegt. Einzelne Wendungen folgen eher dramaturgischen Anforderungen als einer organischen inneren Entwicklung.
Erkennbar ist Dinevs Ziel, historische Prozesse erzählerisch greifbar zu machen. Doch die Fülle an politischen Ereignissen bleibt häufig atmosphärische Kulisse, ohne analytisch durchdrungen zu werden. Der Roman will epochenübergreifend erzählen, berührt dabei aber erstaunlich selten die strukturellen Fragen, die sein Thema eigentlich einfordert.
ZEIT DER MUTIGEN ist ein Werk von erheblichem Ehrgeiz und unbestreitbarer erzählerischer Kraft. Es bietet eindrückliche Bilder und Momente literarischer Wucht, ringt jedoch zugleich mit seiner eigenen Opulenz. Eine Erzählung, die viel anstrebt, manches eindrucksvoll erreicht und dennoch gelegentlich unter dem Gewicht ihrer Ambitionen ins Schwanken gerät.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Dimitré Dinev wurde 1968 in Bulgarien geboren. Im Jahr 1990 kam er als Flüchtling nach Österreich, wo er studierte und seitdem in deutscher Sprache Drehbücher, Erzählungen und Essays veröffentlichte. Seine Theaterstücke wurden u. a. am Burgtheater inszeniert. Der literarische Durchbruch gelang ihm 2003 mit seinem Familienroman »Engelszungen«, der europaweit mit großem Interesse aufgenommen wurde. Dimitré Dinev lebt in Wien.
Das Buch beim UEBERREUTER-Verlag
Simon Schwarz (Autor),
Ursel Nendzig (Co-Autorin)
11. SIMON SCHWARZ -
Geht´s noch?
Betrachtungen eines Überforderten
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag GmbH
Hardcover
VÖ: Oktober 2025 (1. Auflage)
Umfang: 200 Seiten
zahlreiche Fotos aus dem Privatarchiv
Größe: 14,6 x 22 cm
ISBN Buch: 978-3-8000-7916-2
Das Publikum liebt Simon Schwarz als Schauspieler und Kabarettisten. Jetzt zeigt er sich von einer neuen Seite: als Mensch mit Haltung – humorvoll, offen und selbstkritisch. Mit persönlichen Erinnerungen, Geschichten aus seiner Kindheit und seinem Leben mit ADHS verwebt er sein Engagement für Umwelt und Zusammenhalt zu einem eindrucksvollen Ganzen. (Verlagsinfo)
Geht’s noch? ist das erste Buch des bekannten Schauspielers und Kabarettisten Simon Schwarz und zugleich eine bewusste Erweiterung seiner öffentlichen Rolle. Man begegnet ihm hier als Autor, der sich persönlich exponiert und Haltung nicht lediglich behauptet, sondern kritisch reflektiert. Gemeinsam mit Ursel Nendzig legt Schwarz ein Buch vor, das Engagement, Selbstbefragung und erzählerische Offenheit überzeugend miteinander verbindet.
Zentral ist der autobiografische Zugriff. Mit spürbarer Ehrlichkeit blickt Schwarz auf seine Kindheit und Jugend zurück und schildert ein Aufwachsen, das maßgeblich vom unermüdlichen Engagement seiner Mutter für Umwelt und Gerechtigkeit geprägt war. Diese biografische Verankerung verleiht dem Buch emotionale Tiefe und bewahrt ökologische wie gesellschaftliche Fragestellungen davor, abstrakt zu bleiben. Sie erscheinen vielmehr als Teil einer persönlichen Geschichte, die Widersprüche und Brüche bewusst nicht ausspart.
Besonders hervorzuheben ist der offene Umgang mit dem eigenen Leben mit ADHS. Schwarz beschreibt präzise, wie diese Erfahrung seinen Alltag und sein Denken beeinflusst, ohne Pathos und ohne Selbstmitleid, dafür mit großer Klarheit. Gerade hier liegt eine zentrale Stärke des Buches, Engagement wird nicht als moralische Überlegenheit inszeniert, sondern als anspruchsvoller Prozess, der Anstrengung verlangt und immer wieder scheitert. Schwarz verschweigt nicht, dass er selbst häufig an seine Grenzen stößt und den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Diese Selbstkritik verleiht seiner Haltung Glaubwürdigkeit.
Formal arbeitet der Band mit kurzen Textformen, persönlichen Erinnerungen und dialogischen Passagen, in denen sich die Stimme von Ursel Nendzig als strukturierendes und zuspitzendes Gegenüber deutlich bemerkbar macht. Beobachtungen wechseln mit nachdenklichen Passagen, ohne dass der Ton jemals belehrend würde. Geht’s noch? setzt nicht auf moralischen Druck, sondern auf Einladung zur Selbstreflexion und zum gemeinsamen Handeln.
Die zahlreichen privaten Fotografien aus dem Familienarchiv verstärken diesen Eindruck. Sie fungieren nicht bloß als illustratives Beiwerk, sondern unterstreichen den persönlichen Charakter des Buches und verankern die Texte in einer konkreten Lebenswelt. Dadurch entsteht eine Nähe, die im gegenwärtigen Sachbuchmarkt keineswegs selbstverständlich ist.
Insgesamt ist Geht’s noch? ein engagiertes, mutiges Debüt, das aus persönlicher Erfahrung schöpft, ohne sich in Selbstbespiegelung zu verlieren. Simon Schwarz präsentiert sich als Autor, der Zweifel zulässt und Verantwortung nicht delegiert. Das Buch macht Mut, selbst aktiv zu werden, nicht, weil es einfache Lösungen anbietet, sondern weil es zeigt, dass Haltung dort beginnt, wo man bereit ist, die eigenen Widersprüche auszuhalten.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Simon Schwarz, geboren 1971 in Wien, gehört zu Österreichs bekanntesten Schauspielern. Nach Stationen am Theater und in diversen Film- und Fernsehproduktionen erlangte Schwarz 1998 mit dem Film »Die Siebtelbauern« größere Bekanntheit. Für diesen Film gewann er den Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsdarsteller.
Seit 2013 spielt er eine Hauptrolle in den Verfilmungen der »Franz-Eberhofer-Krimis«.
Im Jänner 2024 feierte er mit dem Programm »Das Restaurant« gemeinsam mit Manuel Rubey seine Kabarettpremiere.
Die Co-Autorin:
Ursel Nendzig, geboren 1980 in Bad Urach, Deutschland, lebt seit ihrer Kindheit in Wien. Sie ist Absolventin der Zeitenspiegel-Reportageschule und arbeitet als freie Redakteurin und Autorin für diverse Magazine. Als Co-Autorin hat sie bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht.
Das Buch beim UEBERREUTER-Verlag
Interview mit Simon Schwarz zum Buch
Monika Pessler (Autorin),
Edmund Engelman (Fotos)
12. SIGMUND FREUD.
Wien IX. Berggasse 19
Verlag: Brandstätter
Hardcover
VÖ: 24. Juni 2024 (1. Auflage)
Umfang: 160 Seiten
mit einzigartigen Bilder von Edmund Engelman
Größe: 22 x 27 cm
ISBN Buch: 978-3-85033-882-0
ISBN eBook: 978-3-7106-0920-6
auch auf Englisch erhältlich
Edmund Engelmanns SIGMUND FREUD. Wien IX, Berggasse 19 ist ein außergewöhnlich geschlossenes Zeitdokument über die letzten Monate des Psychoanalytikers in seiner Wiener Wohnung und Praxis. Die Publikation gewinnt ihre Spannung aus einer klaren Zweiteilung, den 1938 entstandenen Fotografien, aufgenommen unmittelbar vor Freuds erzwungenem Abschied aus Österreich und den später formulierten Erinnerungen Engelmanns, die den Bildern einen präzisen historischen wie persönlichen Resonanzraum eröffnen.
Ihre besondere Kraft entfaltet die Ausgabe weniger durch biografische Deutung als durch die akribische Aufmerksamkeit für einen Ort, der längst den Status eines modernen Mythos besitzt. Engelmann verweigert jede heroische Überhöhung und richtet seinen Blick auf Räume, Routinen und jene leisen Übergänge eines Alltags, der bereits unter dem Druck politischer Bedrohung steht. Die Berggasse 19 erscheint dabei als verdichteter Gedächtnisraum, in dem Objekte, die Couch, die Büsten, die Bibliothek gleichsam zu stummen Zeugen einer intellektuellen Epoche werden.
Engelmanns Haltung bleibt von einer bemerkenswert zurückgenommenen Präzision geprägt. Seine Anmerkungen vermeiden pathetische Gesten und entwerfen stattdessen das Bild eines Mannes, der trotz Krankheit und Verfolgung eine nüchterne, fast stoische Arbeitskonzentration wahrt. Die Fotografien verstärken diese Eindrücke. Sie zeigen Freud in der Balance zwischen körperlicher Verletzlichkeit und geistiger Präsenz und halten zugleich eine Praxis fest, die kurz vor ihrer endgültigen Schließung steht.
Der Band besitzt doppelten Wert. Einerseits bietet er ein seltenes visuelles Archiv einer psychoanalytischen Arbeitsumgebung unmittelbar vor ihrer Auflösung. Andererseits reflektiert er die tektonischen Verschiebungen einer Stadt, deren kultureller Organismus in diesen Monaten unwiederbringlich erschüttert wurde. Auf diese Weise entsteht ein fein komponiertes Gefüge aus Bild und Erinnerung, das den dokumentarischen Anspruch übersteigt und eine nachhaltige atmosphärische Dichte erreicht.
Das Werk nimmt eine eigenständige, zwischen Dokumentation und persönlicher Annäherung oszillierende Position ein. Es gehört nicht zur akademischen Literatur im engeren Sinn, ist jedoch unverzichtbar für ein vertieftes Verständnis jener letzten Wiener Monate, in denen die Berggasse 19 ein letztes Mal ihren vollen historischen Nachhall entfaltet.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Monika Pessler ist seit 2014 Direktorin des Sigmund Freud Museums. Sie studierte Kunstgeschichte in Graz und absolvierte die Ausbildung zur Museums- und Ausstellungs-kuratorin. Tätigkeiten an der Kärntner Landesgalerie (heutiges MMKK), für das zeitgenössische Kunstfestival „steirischer herbst“ und im Atelier des Künstlers Peter Kogler. 2003 übernahm Monika Pessler die Direktion der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung.
Der Fotograf:
Edmund Engelman wurde 1907 in Wien geboren. Im Mai 1938 machte er, nachdem Freud die Ausreise¬genehmigung nach England erhalten hatte, dokumentarische Aufnahmen von Freuds Wohnung und Praxis in der Berggasse 19, aber auch von Freud selbst, seiner Frau und seiner Tochter – ohne Blitzlicht und Scheinwerfer, damit das Fotografieren unbemerkt blieb. 1939 musste auch Engelman emigrieren. Er ging nach New York, wo er 2000 verstarb.
Das Buch beim BRANDSTÄTTER-Verlag
Rebecca F. Kuang (Autorin),
Jasmin Humburg (Übersetzerin)
13. YELLOWFACE
Verlag: Bastei Lübbe (Eichborn)
Taschenbuch
VÖ: 30. Mai 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als Buch (Hardcover), eBook und Hörbuch erhältlich
Umfang: 384 Seiten
ISBN Buch: 978-3-8479-0214-0
Zwischen Aneignung und Authentizität
Mit YELLOWFACE legt R.F. Kuang einen Roman vor, der die Mechanismen des internationalen Literaturbetriebs präzise seziert und zugleich eine vielschichtige Reflexion über Autorschaft, kulturelle Identität und Machtverhältnisse entfaltet.
Im Zentrum steht die weiße Autorin June Hayward, deren eigene Karriere ins Stocken geraten ist. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Freundin und Kollegin Athena Liu nimmt sie deren unveröffentlichtes Manuskript an sich, einen Roman über Heldentaten chinesischer Arbeiter im Ersten Weltkrieg. Unter Junes Namen veröffentlicht, wird das Buch zum Bestseller. Kuang nutzt diese Konstellation, um die zentralen Fragen nach der Grenze zwischen Inspiration und Aneignung, nach Besitz von Geschichten und nach der Legitimation von Stimmen im Literaturbetrieb zu behandeln.
Die Erzählung bleibt konsequent in Junes Perspektive und entwickelt daraus eine komplexe psychologische Studie. Kuang zeichnet ihre Ich-Erzählerin weder als eindeutige Täterin noch als Opfer, sondern als ambivalente Figur, deren Selbstrechtfertigungen und innere Widersprüche das Spannungsfeld der Handlung ausloten. Der Roman vermeidet moralische Eindeutigkeiten und richtet den Blick auf das Zusammenspiel individueller Verantwortung und struktureller Dynamiken des Literaturmarktes.
Formal überzeugt YELLOWFACE durch eine klare, direkte Sprache und einen Tonfall, der zwischen Satire und dokumentarischer Genauigkeit oszilliert. Social-Media-Threads, fiktive Pressetexte und andere mediale Einschübe verstärken die Nähe zur Realität und verankern den Text im Diskurs gegenwärtiger Literaturproduktion.
Kuang entwirft eine präzise Beobachtung. Sie erzählt eine packende Geschichte und legt zugleich die Bedingungen offen, unter denen Stimmen im Literaturbetrieb gehört, vermarktet oder verdrängt werden. Dass der Roman keine einfachen Antworten bietet, ist seine Stärke. YELLOWFACE öffnet den Diskurs und hält ihn in produktiver Schwebe.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Rebecca F. Kuang ist NEW-YORK-TIMES-Bestsellerautorin und wurde bereits vielfach für ihr Werk ausgezeichnet. Seit sie im Alter von 21 Jahren ihren ersten Roman schrieb, hat sie neben fünf weiteren Romanen ebenfalls zwei Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihr Roman BABEL war ein weltweiter Erfolg, gewann zahlreiche Preise, unter anderem den Nebula, den Blackwell's Books of the Year und den Locus Award. Sie ist nicht nur in der TIME100 und der Forbes-Liste „30 Under 30" vertreten, sondern auch gleich zweifache Preisträgerin des British Book Awards. Zuletzt wurde sie neben dem Goodreads Choice Award und dem Amazon Books Best Book of the Year Award mit dem Indie Book Award ausgezeichnet. Rebecca F. Kuang ist Marshall-Stipendiatin, Übersetzerin und hat einen Philologie-Master in Chinastudien der Universität Cambridge und einen Soziologie-Master in zeitgenössischen Chinastudien der Universität Oxford. Zurzeit promoviert sie in Yale in ostasiatischen Sprachen und Literatur.
Das Buch beim BASTEI LÜBBE/EICHBORN-Verlag
Christian Brandstätter (Hrsg.),
Thomas Weidenholzer (Begleittexte)
14. SALZBURG - Die Bildbiografie
Verlag: Brandstätter
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 7. Oktober 2024 (1. Auflage)
Umfang: 304 Seiten
Prachtband mit Hunderten vielfach unveröffentlichten Fotografien
Größe: 24 x 30 cm
ISBN Buch: 978-3-7106-0764-6
Mit SALZBURG – die Bildbiografie legt Herausgeber Christian Brandstätter einen opulenten Bildband vor, der weit über eine ästhetische Bestandsaufnahme hinausgeht und sich als visuelle Stadtgeschichte versteht. Maßgeblich zur inhaltlichen Tiefenschärfe des Werkes tragen die begleitenden Texte des Historikers Thomas Weidenholzer bei, die das umfangreiche, oftmals unbekannte historische Bildmaterial aus den letzten 170 Jahren präzise, differenziert und analytisch kontextualisieren.
Weidenholzers Beiträge zeichnen sich durch sprachliche Klarheit aus. Er vermeidet sowohl pathetische Überhöhungen als auch die bloße Aneinanderreihung historischer Fakten und entwickelt stattdessen pointierte Miniaturen zur Stadtgeschichte und den fünf Gauen Flachgau, Tennengau, Pinzgau, Pongau und Lungau, die komplexen Zusammenhänge verdichten, ohne sie zu simplifizieren.
Die Chronologie des Bandes, von den Anfängen der Fotografie bis in die Gegenwart wird dabei ausdrücklich nicht als lineare Fortschrittserzählung angelegt. Vielmehr arbeitet Weidenholzer mit Brüchen, Spannungen und Ambivalenzen. Salzburg erscheint als barocke Repräsentationsstadt ebenso wie als nationalsozialistisch instrumentalisierter Raum, als touristisch vermarktete Bühne, aber auch als Ort des Alltags, des Widerstands und sozialer Realität. Diese bewusst hergestellte Mehrstimmigkeit bewahrt den Band vor nostalgischer Verklärung und öffnet den Blick für die historischen Überlagerungen im Stadtbild.
Der historische Zugriff bleibt stets quellennah, ohne akademisch hermetisch zu wirken. Damit positioniert sich der Band klar im Feld einer anspruchsvollen Kulturpublizistik, die wissenschaftliche Fundierung mit erzählerischer Zugänglichkeit verbindet. Besonders überzeugend sind jene Passagen, in denen Weidenholzer die Wechselwirkungen zwischen Stadtbild, politischer Macht und gesellschaftlichem Wandel herausarbeitet und sichtbar macht, wie sehr Architektur und Urbanität Träger ideologischer Zuschreibungen sind.
Die editorische Gestaltung unterstützt diese inhaltliche Qualität konsequent.
Großformatige Einzelaufnahmen wechseln mit seriellen Bildfolgen, die von Weidenholzer gezielt kommentiert werden. Seine Texte fungieren dabei nicht als erläuternde Bildunterschriften, sondern als interpretative Angebote. Der Blick der Leserinnen und Leser wird gelenkt, ohne festgelegt zu werden; die Fotografien lassen sich sowohl als historische Dokumente, wie auch als visuelle Konstruktionen ihrer jeweiligen Zeit lesen.
SALZBURG – die Bildbiografie überzeugt somit nicht allein durch visuelle Opulenz, sondern vor allem durch die intellektuelle Substanz der Texte. Entstanden ist ein vielschichtiges Porträt eines Bundeslandes, das nicht nur zeigt, sondern befragt, kritisch, reflektiert und kenntnisreich.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Herausgeber:
Christian Brandstätter, geboren 1943 in Lambach, studierte Rechtswissenschaften und war in leitender Funktion für den Molden Verlag tätig, bevor er 1982 den Christian Brandstätter Verlag gründete. Er war Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik der Universität Wien und ist Autor und Gestalter zahlreicher Bildbände.
Das Buch beim BRANDSTÄTTER-Verlag
Dr. Daniela Angetter-Pfeiffer (Autorin)
15. Rausch, Gift und Heilung
Irrwege und Umwege medizinischer Behandlungen
Verlag: Amalthea
VÖ: 7. April 2025 (1. Auflage)
mit zahlr. Abbildungen
Umfang: 256 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-99050-284-6
ISBN eBook: 978-3-90344-140-8
Inhalt (Verlagsinfo):
Wussten Sie, dass Drogen, Alkohol und selbst die Tabakpflanze aus der heutigen Medizin nicht wegzudenken sind, dass Aderlass und Blutegel noch im 21. Jahrhundert zur Lebensrettung beitragen? Nicht nur Sebastian Kneipp verbreitete, was Güsse mit kaltem Wasser vermögen, sondern Eisbaden ist wieder in und Kälte wird sogar in der Krebstherapie eingesetzt.
Ins Gehirn zu bohren, um psychisch Kranke zu heilen, war den Nobelpreis wert, heute profitieren Schlaganfallpatienten davon. Staunen Sie darüber, was man nicht alles tat, um schön und schlank zu sein. Erfahren Sie, warum Beethoven mittels Knochenleitung auch als Schwerhöriger noch komponieren konnte und wie dieses Phänomen heute in der Medizin genutzt wird. Und wie viele andere vermeintliche Kuriositäten und absurde Behandlungen jetzt wieder neu entdeckt werden.
Longlist »Wissenschaftsbuch des Jahres 2026« in der Kategorie »Medizin/Biologie«
Dr. Daniela Angetter-Pfeiffer widmet sich in ihrem Buch einem Feld, das zwischen wissenschaftlicher Präzision und erzählerischer Lust förmlich schillert, den historischen Abgründen und erstaunlichen Wendungen medizinischer Behandlungsmethoden. Ihr Ansatz, Grenzbereiche zwischen Aberglauben, Forschung und Zufall auszuloten, schafft ein Werk, das weit über eine bloße Sammlung kurioser Praktiken hinausgeht.
Die Autorin eröffnet jedes Kapitel mit einer klaren Beobachtung. Medizin ist kein linearer Fortschritt, sondern ein Geflecht aus Irrtümern, Überzeugungen und gelegentlichen Glückstreffern. Wie sie diese Erkenntnis entfaltet, gehört zu den Stärken des Buches. Mit gutem Gespür für Dramaturgie zeigt sie, wie Verfahren, die aus heutiger Sicht bizarr wirken, in ihrem historischen Kontext durchaus folgerichtig erscheinen. Ebenso beleuchtet sie, warum manche dieser Randerscheinungen später mit anderen Mitteln, besserem Wissen und moderner Technik eine unerwartete Renaissance erfahren.
Dabei gelingt Angetter-Pfeiffer ein Ton, der zugleich populärwissenschaftlich zugänglich und wissenschaftlich redlich bleibt. Sie verdichtet komplexe Zusammenhänge zu prägnanten Szenen, ohne den kritischen Blick auf Chancen und Risiken zu verlieren. Die Einbindung ihrer eigenen beruflichen Erfahrung verleiht dem Text zusätzlich Erdung, insbesondere dort, wo sie die Distanz zwischen vergangener und gegenwärtiger Heilkunde spürbar macht.
Gelegentlich gerät die Fülle an Episoden allerdings zur Schwäche. Manche Themen bleiben eher Skizzen, die neugierig machen, aber nicht zu Ende geführt werden. In anderen Passagen wirkt die Komposition etwas sprunghaft, was den Lesefluss mitunter bremst. Dennoch mindern diese strukturellen Ungenauigkeiten den Erkenntnisgewinn kaum sie markieren eher die Grenzen eines breit angelegten kultur- und medizinhistorischen Essays.
Das Buch überzeugt vor allem, weil es Fragen aufwirft, die weit über das Historische hinausweisen. Wie schnell wird gegenwärtiges Wissen zu Irrtum? Welche Rolle spielen kulturelle Muster und modische Trends im medizinischen Handeln? Und warum verweilen manche Konzepte trotz wissenschaftlicher Widerlegung so hartnäckig im kollektiven Gedächtnis?
Rausch, Gift und Heilung liefert keine einfachen Antworten, sondern öffnet den Blick für Ambivalenzen. Gerade darin liegt seine Relevanz. Es erinnert daran, dass Heilkunst stets in Bewegung ist und dass ihr Weg oft über Umwege führt.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Dr. Daniela Angetter-Pfeiffer, geboren in Wien, studierte Geschichte und Germanistik und ist am Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig. Die aktive Notfallsanitäterin befasst sich intensiv mit Medizin-, Militär-, (Natur-) und Wissenschaftsgeschichte, Notfall- und Katastrophenmedizin.
Sarah Bosetti (Autorin)
16. Make Democracy Great Again
Verlag: Rowohlt
Taschenbuch
VÖ: 16. September 2025
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch erhältlich
Umfang: ca. 224 Seiten
Alter: ab 14
ISBN-13 Taschenbuch: 978-3-499-01837-4
ISBN-13 eBook: 978-3-644-02508-0
Mit Make Democracy Great Again legt Sarah Bosetti ein politisches Sachbuch vor, dass sich bewusst im Grenzbereich zwischen Essay, Analyse und polemischer Zuspitzung positioniert. Die Autorin, bekannt als Satirikerin und Journalistin, nutzt ihre rhetorische Präzision, um zentrale Fragen des demokratischen Selbstverständnisses in Zeiten von Populismus, Desinformation und politischer Ermüdung zu verhandeln.
Bosetti setzt beim paradoxen Zustand moderner Demokratien an. Formal erscheinen sie stabil, institutionell abgesichert und historisch bewährt, zugleich jedoch anfällig für Vereinfachungen, emotionale Mobilisierung und eine wachsende Entfremdung zwischen politischem Betrieb und Bürgerschaft. Der provokante Titel ist dabei mehr als eine ironische Anspielung auf den Slogan der Trump-Ära. Er markiert programmatisch den Anspruch des Buches, Demokratie nicht nostalgisch zu verklären, sondern als aktiven, konflikthaften Prozess zu begreifen, der kontinuierlicher Pflege, Verteidigung und Weiterentwicklung bedarf.
Stilistisch verbindet Bosetti analytische Passagen mit zugespitzten Beobachtungen und satirischen Brechungen. Diese Mischung erweist sich zugleich als Stärke und als Risiko des Buches. Einerseits gelingt es ihr, komplexe politische Mechanismen, etwa populistische Rhetoriken, mediale Aufmerksamkeitslogiken oder die psychologischen Effekte angstbasierter Kommunikation prägnant und verständlich darzustellen. Andererseits bleibt die argumentative Tiefe stellenweise hinter der sprachlichen Schärfe zurück, nicht jede Pointe wird inhaltlich weitergeführt.
Inhaltlich überzeugt Make Democracy Great Again insbesondere dort, wo Bosetti normative Klarheit zeigt. Sie positioniert sich entschieden gegen falsche Äquidistanzen im öffentlichen Diskurs und plädiert für ein Verständnis von Demokratie, das sich nicht aus falsch verstandener Neutralität heraus selbst entkernt. Dabei präsentiert sie kein Reformhandbuch, sondern formuliert einen Appell zur Haltung, adressiert gleichermaßen an Medien, Politik und Bürgerinnen und Bürger.
Insgesamt ist Make Democracy Great Again ein engagierter, sprachlich präziser und streitbarer Beitrag zur aktuellen Demokratiedebatte. Das Buch lebt weniger von theoretischer Innovation als von seiner Fähigkeit, demokratische Grundfragen neu zu zuspitzen und sowohl emotional als auch intellektuell zugänglich zu machen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Sarah Bosetti ist Satirikerin, Autorin und Feministin wider Willen. Für ihre wöchentliche Satiresendung Bosetti will reden! (ZDF) wurde sie 2022 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Zuvor wurde sie bereits u. a. mit dem Dieter-Hildebrandt-Preis und dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Sie moderiert den extra3-Podcast (NDR), in dem sie mit prominenten Gäst:innen das politische Geschehen bespricht, tourt mit ihrem Live-Programm durch den deutschsprachigen Raum und ist Kolumnistin bei WDR2 und radioeins (RBB).
Zudem ist sie Gewinnerin Grimme-Preis 2024, Deutscher Fernsehpreis 2024 und Deutscher Kleinkunstpreis 2025.
Giulia Enders (Autorin)
17. ORGANISCH
Verlag: Ullstein Buchverlage GmbH
Hardcover
VÖ: 28. August 2025 (1. Auflage)
Umfang: 336 Seiten
ISBN Buch: 978-3-5502-0177-6
ISBN eBook: 978-3-8437-3639-8
Mit ORGANISCH versucht Giulia Enders ("Darm mit Charme") den menschlichen Körper als organisches Netzwerk zu begreifen, nicht als Maschine, sondern als lebendigen Verbund, in dem alles mit allem kommuniziert.
Enders Ansatz ist dabei ebenso erzählerisch, wie wissenschaftlich. In jedem Kapitel widmet sie sich einem Organsystem, wie Haut, Lunge, Immunsystem, Muskeln und Gehirn und verknüpft biologische Fakten mit biografischen Miniaturen. Sie erzählt von Familienmitgliedern, alltäglichen Beobachtungen und Forschungsbefunden, die sie zu einem sanften Narrativ des Körpers verdichtet. Was leichtfüßig beginnt, entwickelt sich zu einer Erkundung unseres inneren Zusammenspiels poetisch, aber fundiert.
Die Struktur des Buches folgt einem klaren Prinzip der Vernetzung. Kein Organ steht isoliert, jede Funktion verweist auf eine andere. Diese Perspektive ist zugleich biologisch präzise und kulturell produktiv. Sie spiegelt das aktuelle Bedürfnis nach Ganzheitlichkeit wider, ohne in ideologische Ganzheitsrhetorik abzugleiten.
Am Ende bleibt das Buch, was der Titel verspricht: organisch, gewachsen, vernetzt, lebendig. Es denkt den Körper nicht als Summe seiner Teile, sondern als Erzählung, die wir täglich neu schreiben.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Dr. Giulia Enders ist Ärztin und Autorin. 2014 veröffentlichte sie den Bestseller Darm mit Charme. Sie forschte in der Mikrobiologie, arbeitete als Ärztin und engagiert sich für die verständliche Vermittlung wissenschaftlicher Themen.
Katharina von der Leyen (Autorin), Philipp Hochmair (Autor)
18. Hochmair, wo bist du?
Biografie
Verlag: Brandstätter
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 16. Juli 2025 (1. Auflage)
Umfang: 256 Seiten
Mit zahlreichen privaten Bildern und Illustrationen von Philipp Hochmair
Größe: 13,5 x 21 cm
ISBN Buch: 978-3-7106-0900-8
ISBN eBook: 978-3-7106-0920-6
HOCHMAIR, WO BIST DU? entzieht sich bewusst den Konventionen klassischer Künstlerbiografien. Statt ein geschlossenes Porträt zu liefern, entwickelt das Buch eine tastende, suchende Annäherung an einen Schauspieler, der sich einfachen Zuschreibungen konsequent verweigert. Es versteht sich weniger als Lebensbeschreibung denn als offener Dialog zwischen Kunst und Existenz und trifft damit präzise den Kern von Philipp Hochmairs künstlerischem Selbstverständnis, Bewegung, Unruhe, permanenter Selbstbefragung.
An die Stelle einer linearen Erzählung tritt eine fragmentarische Struktur. Gespräche, Beobachtungen, Erinnerungsbilder und essayistische Reflexionen fügen sich zu einem offenen Mosaik, das den Leser nicht führt, sondern bewusst mit Brüchen und Leerstellen konfrontiert. Hochmair erscheint als Künstler, der Stillstand meidet, dessen Identität sich im Prozess, im Rollenwechsel und im performativen Spiel immer wieder neu konstituiert.
Besonders überzeugend ist die Konsequenz, mit der das Buch auf jede Form der Heroisierung verzichtet. Weder der Star noch der Exzentriker stehen im Zentrum, sondern ein Mensch, der zwischen extremer Bühnenpräsenz und privater Verletzlichkeit oszilliert. Hochmair wird als Getriebener sichtbar, der sich an eigenen Grenzen abarbeitet, körperlich, psychisch, ästhetisch. Gerade in Momenten des Zweifelns und der Erschöpfung gewinnt das Porträt an Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Inhaltlich kreist der Text um zentrale Fragen zeitgenössischer Künstlerexistenz. Was bedeutet Authentizität in einer Kultur permanenter Selbstinszenierung? Wo endet die Rolle, wo beginnt der Mensch? Hochmairs radikale, körperlich fordernde Arbeitsweise wird nicht romantisiert, sondern kritisch reflektiert. Der Preis dieser Intensität bleibt stets präsent, Erschöpfung, Einsamkeit, der permanente Drang zur Grenzüberschreitung.
Stilistisch überzeugt das Buch durch eine präzise, unprätentiöse Sprache, die Raum für Zwischentöne lässt. Pathos wird konsequent vermieden. Stattdessen entsteht eine dichte, konzentrierte Atmosphäre, die Nähe ermöglicht, ohne voyeuristisch zu werden. Die Autorin wahrt eine produktive Distanz. Sie begleitet, beobachtet, hinterfragt, ohne zu vereinnahmen oder zu erklären. Gerade darin liegt die besondere Stärke des Textes.
So erweist sich HOCHMAIR, WO BIST DU? weniger als Buch über einen Schauspieler denn als essayistische Reflexion über künstlerische Identität im 21. Jahrhundert. Es zeigt, wie brüchig Selbstbilder geworden sind und wie sehr Kunst heute als Suchbewegung verstanden werden muss. Für Leser mit Interesse an Theater, Performance und zeitgenössischen Formen künstlerischer Existenz bietet das Buch eine vielschichtige, klug komponierte Lektüre.
Am Ende bleibt die titelgebende Frage unbeantwortet und genau darin liegt ihre Konsequenz. Hochmair bleibt in Bewegung, im Dazwischen, im Prozess. Das Buch begleitet ihn ein Stück, ohne ihn festzuschreiben. Ein reflektiertes, ernsthaftes Künstlerporträt, das sich wohltuend gegen biografische Vereinfachungen stellt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Katharina von der Leyen ist freie Journalistin und Bestsellerautorin. Schon vor dem Abitur begann sie für namhafte Zeitschriften zu schreiben und die Welt zu bereisen. Sie lebte in Europa, Australien und den USA, wo sie u.a. für die amerikanische, australische, englische und deutsche Vogue schrieb, TEMPO!, das ZEIT Magazin, die FAZ oder Architectural Digest.
Neben erzählenden Sachbüchern, Romanen und Ratgebern zu Hunden und Hühnern hat Katharina von der Leyen mehrere Beststeller geschrieben, darunter „Charakterhunde, Leinen los!“, „Die zweite Chance“ und zuletzt „Weiter!“. Sie lebt auf einem Hof zwischen München und Salzburg.
Der Autor:
Der Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler Philipp Hochmair studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien sowie am CNSAD in Paris. Neben seiner filmischen Arbeit (u.a. in den beliebten TV-Serien „Vorstadtweiber“, „Charité“, „Blind ermittelt“ sowie in Spielfilmen wie „Die Wannseekonferenz“ oder „Der Geier“) ist er vor allem für seine Bühnenarbeit an nationalen und internationalen Theatern bekannt.
Unter seinen vielen Rollen hat Hochmair mit dem Monolog „Jedermann Reloaded“ nach Hugo von Hofmannsthals Drama „Jedermann“ große Aufmerksamkeit erregt. In dieser One-Man-Show übernimmt er mehr als 20 Rollen, musikalisch unterstützt von seiner Rockband „Die Elektrohand Gottes“.
Sein spontanes Einspringen als Jedermann für den erkrankten Tobias Moretti bei den Salzburger Festspielen 2018 sorgte für Furore. Seit Sommer 2024 ist Philipp Hochmair der neue „Jedermann“.
Das Buch beim BRANDSTÄTTER-Verlag
Diane Hielscher (Autorin), Keiko Hoshino (Illustratorin)
19. Sei glücklich, älter wirst du sowieso
Was du ab heute für ein langes und zufriedenes Leben tun kannst
Verlag: Knesebeck
Klappbroschur
VÖ: 20. März 2025 (1. Auflage)
Umfang: 200 Seiten, 40 Illustrationen
Größe: 15.0 x 21.5 cm
ISBN Buch: 978-3-95728-927-8
Mit „Sei glücklich, älter wirst du sowieso“ gelingt Diane Hielscher ein ebenso unterhaltsamer wie tiefgründiger Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Die Autorin, bekannt aus Rundfunk und Podcasts, schreibt mit persönlicher Note, aber auch mit klarem Blick auf wissenschaftliche und kulturelle Aspekte des Alterns.
Sie zeigt auf, dass Altern nicht nur ein biologischer Prozess ist und wie viel Spielraum wir haben, unsere Haltung dazu aktiv zu gestalten. Dabei ist ihr Ton nie belehrend, sondern immer neugierig, humorvoll und zugänglich.
Besonders hervorzuheben ist die Verknüpfung von persönlichen Reflexionen mit aktuellen Studien aus Psychologie, Soziologie und Neurowissenschaft. Hielscher versteht es, wissenschaftliche Inhalte verständlich aufzubereiten, ohne an Tiefe zu verlieren. Gleichzeitig bleibt sie nahbar, was das Buch für ein breites Publikum interessant macht, nicht nur für Menschen in der Lebensmitte, sondern auch für jüngere Leser, die sich mit ihrer eigenen Zukunft auseinandersetzen möchten.
„Sei glücklich, älter wirst du sowieso“ ist ein reflektiertes, ehrliches und wohltuendes Buch, das nicht nur inspiriert, sondern auch zum Denken anregt. Diane Hielscher liefert einen wertvollen Beitrag zur Altersdiskussion unserer Zeit – mit Tiefgang und Leichtigkeit.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Diane Hielscher (*1979, Berlin) ist Radiomoderatorin, Podcasterin und Autorin. Sie beschäftigt sich leidenschaftlich mit den Bereichen Neurologie, Psychologie und Philosophie. Diane ist Expertin zum Thema „bewusst leben“, weshalb sie das beliebte Format „Achtsam” für Deutschlandfunk Nova mit der Psychologin Main Huong Nguyen moderiert.
Dazu passend hat sie auch die Bildungs- und Videoplattform LifeXLab (für persönliche Weiterentwicklung) gegründet und moderiert – ganz im Sinne ihres neuen Buchs – den Podcast „Länger gut leben – Jeden Morgen mit Energie in den Tag starten”.
Die Autorin wurde mit dem deutschen Radiopreis ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es: „Sie hat überraschende Zugänge zu komplexen Sachverhalten und vermittelt diese frisch, pointiert und unterhaltsam.“
Die Illustratorin:
Keiko Hoshino ist eine japanische Illustratorin und Grafikdesignerin in Leipzig. Sie arbeitet für kulturelle Veranstaltungen, Publikationen sowie Animationsfilme und beschäftigt sich mit Collagen aus gefundenen Fotomaterialien und/oder eigenen Illustrationen.
Webseite der Autorin * Instagram
Das Buch beim KNESEBECK-Verlag
Michael Erle (Autor)
20. Die Tote von Prittlbach
Krimi
Verlag: Volk Verlag
Broschur
VÖ: 15. Oktober 2025 (1. Auflage)
Umfang: 256 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-86222-510-1
Ein kleiner Ort, ein plötzlicher Tod, eine junge Mutter, die zur Ermittlerin wird, auf den ersten Blick fügt sich Michael Erles Kriminalroman DIE TOTE VON PRITTLBACH
scheinbar nahtlos in die Tradition deutschsprachiger Regionalkrimis ein. Doch was vertraut beginnt, entwickelt sich zu einer präzisen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen, strukturellen Machtverhältnissen und der Frage, wie viel Wahrheit eine Dorfgemeinschaft aushält.
Der Ausgangspunkt ist klassisch. Die junge Pflegekraft Shpresa wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Unfall hin. Doch die Polizistin Stephanie Sperling, selbst Mutter eines Säuglings und offiziell in Elternzeit, stößt bei einem beiläufigen Besuch auf Widersprüche und beginnt zu ermitteln, zunächst zögerlich und gegen Widerstände, dann mit wachsender Entschlossenheit.
Was Erle erzählt, ist weniger ein konventioneller Kriminalfall als ein psychologisches Kammerspiel im Gewand des Thrillers. Der Ort Prittlbach dient nicht bloß als Kulisse, sondern als Verdichtungsraum gesellschaftlicher Dynamiken, ein Mikrokosmos, in dem soziale Ausschlüsse subtil, aber wirkungsvoll greifen. Die Figur der Shpresa, migrantisch, weiblich ist dabei kein bloßes Handlungsmotiv, sondern Ausdruck eines Systems, das Wegsehen zur Normalität gemacht hat.
Mit Stephanie Sperling hat Erle eine Protagonistin geschaffen, deren Ambivalenz den Roman trägt. Ihr Antrieb entspringt keinem kriminalistischen Ehrgeiz, sondern einem tiefen moralischen Unbehagen. Berufliches und Privates durchdringen einander, gerade in dieser Unschärfe liegt die Stärke des Romans. Denn die entscheidende Frage lautet nicht „Wer war der Täter?“ Sondern „Wer hat geschwiegen? Wer profitiert? Wer sieht weg?“
Erles Sprache ist schnörkellos, manchmal fast dokumentarisch. Statt stilistischer Virtuosität setzt er auf eine klare, durchdachte Erzählstruktur, die Spannung aus innerer Konsequenz bezieht, ohne dramaturgische Übertreibungen. Seine Aufmerksamkeit gilt nicht dem individuellen Abgrund, sondern den gesellschaftlichen Mechanismen, die ihn ermöglichen.
DIE TOTE VON PRITTLBACH ist ein Kriminalroman, der seine Spannung aus der beharrlichen Demontage vermeintlicher Selbstverständlichkeiten gewinnt. Michael Erle gelingt ein klug komponierter, atmosphärisch dichter Text, der aktuelle gesellschaftliche Fragen in ein populäres Genre überführt, unaufgeregt, aber mit Nachdruck.
Ein eindringlicher Roman, der soziale Tiefenschärfe mit einem überzeugenden Plot verbindet. Besonders empfehlenswert für Leserinnen und Leser, die im Krimi nicht nur Unterhaltung, sondern auch Relevanz suchen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Michael Erle, Jahrgang 72, ist Autor, Journalist und Musiker aus Dachau. Zu seinen bisherigen Werken zählen Thriller, SciFi- und Fantasyromane. Er fühlt sich seit frühester Kindheit wohl im Land zwischen nördlicher Schotterebene und Dachauer Moos.
Sebastian Fitzek (Autor)
21. DER NACHBAR
Psychothriller
Verlag: Droemer HC
gebundene Ausgabe
VÖ: 22. Oktober 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 368 Seiten
Alter: ab 16 Jahren
ISBN Buch: 978-3-426-28175-8
ISBN eBook: 978-3-426-44438-2
Sebastian Fitzek hat sich längst als feste Größe im deutschsprachigen Thriller etabliert. Wer zu einem seiner Bücher greift, erwartet kein leises Seelenporträt, sondern ein präzises und konstruiertes Räderwerk aus Angst, Tempo und überraschenden Wendungen. Mit DER NACHBAR bleibt Fitzek seiner charakteristischen Handschrift treu und verlegt das Geschehen in ein Milieu, das uns alle betrifft, die vermeintlich sichere Welt der Nachbarschaft.
Im Mittelpunkt steht die Strafverteidigerin Sarah Wolff, die an Monophobie, der krankhaften Angst vor dem Alleinsein, leidet. Gemeinsam mit ihrer Tochter zieht sie in ein neues Haus am Berliner Stadtrand. Die Idylle wirkt perfekt, bis ein „hilfsbereiter Nachbar“ zunehmend zur Quelle subtiler Bedrohung wird. Aus freundlicher Nähe entsteht Misstrauen, aus Beistand Kontrolle, aus Alltag Paranoia. Fitzek greift hier ein universelles Unbehagen auf. Wie gut kennen wir die Menschen, die direkt neben uns leben?
Erzählerisch vertraut Fitzek auf sein bewährtes Erfolgsrezept: kurze Kapitel, schnelle Perspektivwechsel, Cliffhanger im Minutentakt. Diese Struktur sorgt für ein hohes Erzähltempo und erzeugt jenen Sog, der seine Bücher so unverwechselbar macht. Die Szenen entfalten eine starke visuelle Präsenz. Man spürt das Flackern der Bewegungsmelder, hört das Knacken im Gebälk, sieht das bedrohliche Spiel von Licht und Schatten. Fitzek beherrscht das Handwerk meisterhaft. Er weiß genau, wann der Moment gekommen ist, den Leser glauben zu lassen, er habe alles durchschaut, nur um ihn im nächsten Kapitel erneut zu überraschen.
Bemerkenswert ist, dass Fitzek in DER NACHBAR weniger auf spektakuläre Gewaltmomente setzt, sondern auf die leise, allgegenwärtige Bedrohung des modernen Lebens. Der Schrecken entsteht nicht durch Blut, sondern durch Beobachtung. Damit gelingt ihm ein Thriller, der tief in das Gefühl unserer Gegenwart greift, einer Zeit, in der Privatsphäre brüchig und Sicherheit nicht mehr an Mauern oder Türen festzumachen ist.
Seine Sprache bleibt dabei klar und funktional, ganz dem Spannungsaufbau verpflichtet. Sarahs Angststörung wird überzeugend eingeführt und fungiert als emotionaler Motor der Handlung, ohne den Lesefluss zu bremsen. Zwar bleibt Fitzeks Erzählweise seiner charakteristischen Formel treu, das traumatisierte Opfer, die trügerische Idylle, der finale Twist, doch gerade diese Wiedererkennbarkeit ist Teil seines Erfolgs. Sie schafft Vertrautheit und gibt dem Leser, was er sucht, ein perfekt austariertes Spiel mit Angst und Erkenntnis.
DER NACHBAR ist ein souverän komponierter Psychothriller mit starkem atmosphärischem Sog. Fitzek schreibt mit dem Instinkt eines erfahrenen Regisseurs, der Timing und Wirkung exakt dosiert. Sein Roman beschleunigt den Puls und hinterlässt das beklemmende Gefühl, dass Bedrohung überall lauern kann, selbst dort, wo wir uns am sichersten wähnen.
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Er studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor für verschiedene Radiostationen in Deutschland. Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein erster Roman „Die Therapie“ eroberte innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerliste und wurde als bestes Krimidebüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Fitzeks Bücher wurden bisher in 36 Sprachen übersetzt und weltweit über 20 Millionen Mal verkauft. Viele davon sind inzwischen erfolgreich verfilmt – so wurde „Die Therapie“ als sechsteilige Miniserie für Prime Video produziert und stieg sofort auf Platz 1 der meistgesehenen deutschsprachigen Sendungen ein. Zudem ist Sebastian Fitzek für seine spektakulären Buchvorstellungen bekannt, die er als Shows inszeniert - im Herbst 2024 brach er mit der "Größten Thriller Tour der Welt" alle Zuschauerrekorde.
Sebastian Fitzek wurde als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er ist Preisstifter des Viktor Crime Awards und engagiert sich als Schirmherr für den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.
Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
www.facebook.de/sebastianfitzek.de Insta: @sebastianfitzek
Marc Carnal (Autor), Raffaela Schöbitz (Illustratorin)
22. Die Hochzeit
Roman
Verlag: Picus
Einband gebunden
VÖ: März 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 80 Seiten
Größe: 12 x 19 cm
Alter: ab 14
ISBN-13 Buch: 978-3-7117-2156-3
Was auf den ersten Blick wie eine Hochzeitssatire scheint, entpuppt als raffinierte Literatur.
Das gesamte Buch durchgängig in Paarreimen zu schreiben verleiht der Handlung eine fast absurde Leichtigkeit, die dem zunehmend chaotischen Geschehen einen bittersüßen Kontrast entgegensetzt. Marc Carnal versteht es, Sprachwitz und Tiefgang zu verbinden – jede Zeile ist pointiert, oft zum Schmunzeln, manchmal zum Stirnrunzeln, immer aber mit einer klugen Beobachtung.
Inhaltlich bewegt sich DIE HOCHZEIT irgendwo zwischen Dorfdrama und Farce. Die Hochzeitsgesellschaft wird zum Mikrokosmos einer Gesellschaft, in der Konvention und Kontrollverlust eng beieinanderliegen. Die Braut ist verschwunden – ein klassischer Aufhänger. Zwischen Buffet und Brautstrauß brechen unterdrückte Konflikte, alte Geschichten und kleine Abgründe auf – aber immer mit Humor.
Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung: Ob Alleinunterhalter, Wirtin, Vater der Braut oder verlegene Gäste – jede Figur ist karikiert, aber nicht entmenschlicht. Sie sind überzeichnet, doch nie lächerlich. Das macht sie berührend.
Auch die Illustrationen von Raffaela Schöbitz verdienen Beachtung. Sie begleiten den Text nicht nur, sondern spiegeln seine Stimmung und bieten ein zusätzliches Interpretationsangebot. Sie verstärken den schmalen Grat zwischen zwischen Heiterkeit und Desillusion.
DIE HOCHZEIT ist weit mehr als ein humorvoller Reimtext – es ist ein präzises Gesellschaftsporträt.
Wer Freude an Sprachkunst, Satire und Lachen über menschliche Schwächen hat, sollte dieses Buch nicht verpassen. Marc Carnal gelingt mit diesem Werk eine seltene Mischung: leichtfüßig und tiefgründig, witzig und wehmütig zugleich.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Marc Carnal, geboren 1986, lebt in Wien. Er schreibt Hörspiele, Romane, Radio-Glossen und Drehbücher fürs Fernsehen (»Willkommen Österreich«). Ab 2025 steht er mit seinem Comedy-Debüt »Gott live« auf der Bühne. www.carnal.at
Die Illustratorin:
Raffaela Schöbitz, geboren 1987, ist freischaffende Illustratorin und Autorin aus Wien. Neben Graphic Novels illustriert sie vor allem Kinderbücher aber auch Plattencover und in Magazinen. Im Picus Verlag illustrierte sie Kinderbücher von Christian Futscher, Andrea Karimé und Cornelia Travnicek, aktuell »Henne Jenne« (2025). Raffaela Schöbitz wurde 2024 mit dem Outstanding Artists Award des Kunstministeriums ausgezeichnet. www.raffaelaschoebitz.com
David Krems (Autor)
23. Haus Waldesruh
Roman
Verlag: Picus
Einband gebunden
VÖ: März 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 224 Seiten
Größe: 12 x 19 cm
Alter: ab 14
ISBN-13 Buch: 978-3-7117-2158-7
Mit HAUS WALDESRUH legt David Krems ein fein komponiertes Kammerspiel vor, das sich mit den Schuldgefühlen einer postjugendlichen Clique auseinandersetzt, literarisch klug verdichtet, atmosphärisch hoch aufgeladen und psychologisch nuanciert. Es ist ein Buch über das, was nicht gesagt wird und genau darin liegt seine große Stärke.
Der titelgebende Schauplatz ist kein literarischer Zufall. Das abgelegene Forsthaus wirkt nicht nur wie ein klassischer Rückzugsort, sondern fungiert im Roman als Projektionsfläche kollektiver Unruhe. Was als versöhnliches Treffen alter Schulfreunde beginnt, entwickelt sich unmerklich zu einer Konfrontation mit dem eigenen Scheitern im Leben, im Zwischenmenschlichen, in der Vergangenheit.
Krems beherrscht das stille Eskalieren. Besonders eindrücklich gelingt ihm dabei die Zeichnung von Anna, deren Schmerz über den Suizid ihres damaligen Freundes Max nie explizit ausformuliert wird, aber in jeder Geste, jedem Halbsatz spürbar bleibt. Auch Marco, der auf eine manifestierte Schuldprojektion gegenüber dem ehemaligen Lehrer setzt, wird nicht denunziert, sondern als tragische Figur einer verdrängten Verantwortung gezeichnet.
Stilistisch bleibt HAUS WALDESRUH eher leise, beinahe unauffällig und das ist bewusst gewählt. Krems Sprache verzichtet auf große Gesten. Stattdessen arbeitet er mit rhythmischer Klarheit, Spannung und einer hochpräzisen Figurenführung. Die Dialoge sind reduziert, fast szenisch, aber nie steril. Gerade diese Reduktion lässt Raum für Zwischentöne, die eigentliche Kommunikation spielt sich im nicht gesprochenen Worte ab.
Der Raum zwischen den Figuren, die Distanz, die trotz aller Erinnerung nicht überbrückt werden kann, ist das eigentliche Sujet des Romans.
HAUS WALDESRUH ist kein Roman, der Antworten liefert. Vielmehr lässt er seine Leser mit offenen Fragen zurück. Was schulden wir einander? Was tragen wir mit uns, wenn wir andere zurücklassen?
HAUS WALDESRUH ist ein bemerkenswert dichter und atmosphärisch konzentrierter Roman, der nicht durch Dramatik, sondern durch psychologische Genauigkeit überzeugt. Ein stilles Buch über laute innere Konflikte und ein weiterer Beweis dafür, dass David Krems zu den leisen, aber relevanten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
David Krems, 1977 geboren in Wien, aufgewachsen in Kaisermühlen. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, seit 2009 Medienarchivar und Lektor an der Universität Wien. »Falsches Licht«, sein erster Roman, war für den Leo-Perutz-Preis 2018 sowie den Friedrich-Glauser-Preis 2019 nominiert und erschien ebenso wie sein zweiter Roman »Fast ein Wunder« (2019) bei Picus.
Marc Gruppe (Autor)
24. Sherlock Holmes –
Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs
Band 3: Der verschwundene Grafensohn
Verlag: Titania Medien
VÖ: November 2025 (1. Auflage)
Alter: ab 14
ISBN: 78-3-69027-014-4 (Buch)
978-3-69027-004-5 (E-Book)
Mit „Der verschwundene Grafensohn“ präsentiert Titania Medien ein Werk, das sich bewusst zwischen Traditionspflege und moderner Kriminalerzählung bewegt. Die Vorlage stammt unverkennbar aus dem Holmes-Kosmos, doch Amy Onn gelingt es, den literarischen Tonfall des Originals sensibel zu aktualisieren. Der Band wirkt damit weniger wie ein Nostalgieprodukt, sondern eher wie eine kontrolliert weitergedachte Fortsetzung des klassischen Detektivkanons.
Das Buch stützt sich auf eine bewährte Grundkonstellation. Ein adeliges Kind verschwindet unter mysteriösen Umständen aus dem Garten der Familienvilla. Sherlock Holmes wird gebeten, die drohende Katastrophe abzuwenden. Dieser Einstieg erzeugt sofort Spannung, ohne künstliche Dramatik zu bemühen.
Onn führt das Ermittlerduo Holmes und Watson mit spürbarer Sicherheit durch die Geschichte. Die dialogische Dynamik ist pointiert, die deduktiven Schlüsse folgen einer klaren inneren Logik. Besonders überzeugend ist, wie sich aus zunächst alltäglich wirkenden Details ein feingliedriges Motivgeflecht entfaltet.
Die Wahl des Schauplatzes, ein aristokratisches Umfeld mit seinen sozialen Spannungen, seinen unausgesprochenen Konflikten und diskreten Abhängigkeiten, verleiht dem Text zusätzliche Tiefe. Onn nutzt diese Bühne, um unterschwellige gesellschaftliche Brüche sichtbar zu machen, ohne die Handlung auszubremsen.
Die Figurenzeichnung erweist sich als eine der großen Stärken des Buches. Der verunsicherte Graf, dessen Umfeld zunehmend Risse zeigt, sowie ein Kreis aus Verwandten und Bediensteten, der zwischen Loyalität und Geheimhaltung schwankt, bilden ein glaubwürdiges Ensemble. Keine Figur wird zum bloßen Verdächtigen degradiert, vielmehr entsteht ein Netzwerk an Motiven, das sich erst allmählich entwirrt.
Die dramaturgische Führung ist straff, aber nicht hastig. Onn setzt auf kontinuierlichen Spannungsaufbau, verzichtet auf überdrehtes Tempo und lässt den Leser über präzise gesetzte Hinweise mitermitteln. Das macht den Fall nachvollziehbar, ohne vorhersehbar zu sein.
Besonders bemerkenswert ist die stilistische Haltung. Onn orientiert sich am Geist Conan Doyles, ohne ihn zu imitieren. Der Text ist kompakter, direkter, weniger ausschweifend und gerade dadurch modern. Holmes analytische Kälte, Watsons Beobachtungsvermögen und das dezente Spiel zwischen rationalem Denken und emotionaler Zurückhaltung sind fein eingefangen.
Titania Medien wiederum positioniert den Band intelligent innerhalb seines Portfolios, als literarische Ergänzung zu den bekannten Hörspielproduktionen, nicht als deren bloße Spiegelung. Das Buch steht klar für sich, erweitert aber zugleich das erzählerische Universum.
„Der verschwundene Grafensohn“ ist ein handwerklich überzeugender Kriminalfall, der traditionelle Holmes-Atmosphäre mit zeitgemäßer Erzählökonomie verbindet. Ein sorgfältig komponiertes Werk, das ohne Effekthascherei auskommt und seine Spannung auf kluge Konstruktion, psychologische Plausibilität und präzises Setting stützt.
Für Leserinnen und Leser, die klassische Detektivliteratur schätzen, bietet der Band sowohl Vertrautheit als auch frische Akzente, ein gelungenes Beispiel dafür, wie man ein literarisches Erbe respektvoll fortführt, ohne es zu musealisieren.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Prof. Georg Markus (Autor)
25. Gar nicht lange her
Meine Geschichten mit Geschichte
Verlag: Amalthea
VÖ: 23. September 2025 (1. Auflage)
mit zahlr. Abb.
Umfang: 304 Seiten
Alter: ab 12 Jahren
ISBN Buch: 978-3-99050-293-8
ISBN eBook: 978-390344-148-4
Georg Markus hat sich längst einen festen Platz in der österreichischen Erinnerungsliteratur erarbeitet. Mit GAR NICHT LANG HER knüpft er an sein bewährtes Konzept an. Geschichte erscheint hier nicht als abstraktes Faktengerüst, sondern als erzählerisches Gewebe aus Schicksalen, Zufällen und Begegnungen. In seinem neuen Band versammelt Markus Episoden, die zusammen ein Panorama österreichischer Kultur- und Zeitgeschichte ergeben, leichtfüßig, anekdotisch und stets mit einem feinen Blick auf das Menschliche hinter der Historie.
In einem Kapitel erzählt Markus etwa von Peter Falk, dem weltberühmten „Columbo“, der eine große Liebe in Österreich fand, oder vom Tod Oskar Werners, der bis heute von Mythen umrankt ist. Markus schildert solche Begebenheiten mit einer Mischung aus Witz und Melancholie, ein Beispiel für seine besondere Kunst, historische Fakten mit erzählerischer Lebendigkeit zu verbinden. Der Leser spürt, hier schreibt jemand, der Geschichte nicht nur kennt, sondern sie miterlebt und mitempfindet.
Die eigentliche Stärke des Buches liegt in Markus’ Haltung zum Erinnern. Er schreibt nicht aus Distanz, sondern aus Nähe. Wenn er von einem 102-jährigen Arzt berichtet, der noch praktiziert, tut er das mit einem liebevollen Staunen über das Fortwirken vergangener Zeiten im Hier und Jetzt. In solchen Momenten verbinden sich journalistische Präzision und literarische Wärme zu einer unverwechselbaren Erzählhaltung.
Ein wiederkehrendes Motiv bildet das Wien der Kaffeehäuser, jene Orte, die Markus nicht bloß als Schauplätze beschreibt, sondern als lebendige Gedächtnisspeicher einer untergegangenen Welt.
Allerdings wirkt die thematische Auswahl mitunter etwas lose gefügt. Zwischen Zeitzeugenberichten, Theateranekdoten und kaiserlichen Randgeschichten verliert das Buch gelegentlich den roten Faden. Das titelgebende „gar nicht lange her“ bleibt zwar als Grundmotiv spürbar, doch die historische Tiefe, die dieser Ansatz verspricht, erreicht Markus nicht in jedem Kapitel.
Stilistisch überzeugt Markus durch eine Sprache, die sich mühelos klar, rhythmisch und pointiert liest. Diese Leichtigkeit ist zugleich Stärke und Schwäche: Sie macht seine Texte zugänglich und charmant, verhindert aber bisweilen analytische Schärfe. Markus begnügt sich mit der Beobachtung, elegant formuliert, doch interpretativ zurückhaltend.
GAR NICHT LANG HER ist kein Geschichtsbuch im akademischen Sinn, sondern ein Mosaik aus Erinnerungen, ein Spaziergang durch das kulturelle Gedächtnis Österreichs. Markus lädt seine Leser dazu ein, Vergangenheit als Teil der Gegenwart zu begreifen, nicht durch Belehrung, sondern durch die Kraft des Erzählens.
Am Ende bleibt das Buch eine Hommage an das Erinnern selbst. Es zeigt, dass Geschichte nur dann lebendig bleibt, wenn sie in Geschichten weitergegeben wird mit Herz, Humor und jener Leichtigkeit, die Georg Markus zu einem der populärsten Chronisten österreichischer Kultur macht.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Prof. Georg Markus, einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Zeitungskolumnisten Österreichs. Lebt in Wien, wo er sich als Autor großer Biografien, die in viele Sprachen übersetzt wurden, einen Namen gemacht hat. Georg Markus ist Autor der »Kurier«-Kolumne, seine Bücher führen monatelang die Bestsellerlisten an. Er ist Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Ralf Günther (Autor)
26. Eine Kiste voller Weihnachten
Weihnachtsroman
Verlag: Rowohlt
Taschenbuch
VÖ: 16. September 2025
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 128 Seiten
Alter: ab 6
ISBN-13 Taschenbuch: 978-3-499-01803-9
ISBN-13 gebundene Ausgabe: 978-3-463-40697-8
ISBN-13 eBook: 978-3-644-30025-5
Ein berührender Weihnachtsroman rund um die berühmten Dresdner Christbaumfiguren.
Mit EINE KISTE VOLLER WEIHNACHTEN entführt Ralf Günther seine Leserschaft in das Dresden um 1890, in eine Stadt, die noch nach Leim, Papierstaub und Pferdehaar riecht.
Im Mittelpunkt steht der Papierfigurenhersteller Vincent Storch, der am Vormittag des Heiligen Abends entdeckt, dass eine Kiste mit kostbarem Christbaumschmuck nicht ausgeliefert wurde. Seine Fahrt durch das winterliche Dresden, zunächst reine Pflichterfüllung, wird zur inneren Reise, ausgelöst durch die unerwartete Begleitung der kleinen Lisbeth, die sich heimlich auf seinen Wagen geschlichen hat.
Günther erzählt die Geschichte über die berühmten Dresdner Christbaumfiguren in einer klaren, ruhigen Sprache, die fast altmodisch anmutet, im besten Sinne. Er verzichtet auf ironische Brechungen und moderne Anspielungen, setzt stattdessen auf Atmosphäre, auf das leise Knirschen von Schnee, das Klappern der Pferdehufe und das Knistern des Feuers. Diese Detailfreude trägt den Text. Man spürt die Sorgfalt der Recherche, die Liebe des Autors zum Handwerk und seine Lust am historischen Kolorit. Dresden erscheint dabei nicht als museale Kulisse, sondern als lebendiger Raum, in dem Arbeit, Armut und Hoffnung ineinandergreifen.
Die Figuren sind bewusst archetypisch gezeichnet, der verschlossene, pflichtbewusste Mann und das unschuldige Kind, das ihm die Augen öffnet. Diese Konstellation ist nicht neu, doch Günther komponiert sie mit großer handwerklicher Präzision. Lisbeth fungiert als moralisches Gegenüber, als Verkörperung jener Herzenswärme, die Storch verloren hat. Die Begegnung der beiden ist frei von Sentimentalität, getragen von stiller Zuneigung. Dass die Wandlung des Protagonisten vorhersehbar bleibt, ist kein Mangel, sondern Teil des erzählerischen Kalküls. Eine Weihnachtsgeschichte lebt nicht von Überraschung, sondern von Erfüllung.
Stilistisch knüpft Günther an die klassische Erzähltradition an. Er vertraut auf eine lineare Struktur, auf die Kraft des Erzählens und auf die moralische Klarheit seiner Geschichte. Gerade dadurch spricht das Buch jene Leser an, die in der Adventszeit das Bedürfnis nach Ursprünglichkeit verspüren, nach Einfachheit, Mitmenschlichkeit und Dankbarkeit.
Wer allerdings nach literarischer Ambivalenz oder psychologischer Tiefenschärfe sucht, wird hier nicht fündig. EINE KISTE VOLLER WEIHNACHTEN ist kein Werk, das nachhallt, weil es Fragen offenlässt, sondern weil es sie schließt. Es schenkt Wärme genau dort, wo man sie erwartet. Das ist zugleich seine größte Stärke und seine Grenze.
Die stimmungsvollen Illustrationen von Andrea Offermann unterstreichen den nostalgischen Charakter des Buches. Es ist eine jener Publikationen, die man gerne verschenkt, vorliest und vielleicht jedes Jahr wieder aus dem Regal holt.
Ralf Günther liefert mit EINE KISTE VOLLER WEIHNACHTEN keine literarische Überraschung, wohl aber ein Stück gepflegter Erzählkunst. Wie die titelgebende Kiste weiß man, was man darin findet und freut sich dennoch, sie zu öffnen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Ralf Günther wurde 1967 in Köln geboren. Als Buch- und Drehbuchautor entwickelte er Kinderserien fürs Fernsehen und schrieb historische Romane. «Der Leibarzt», sein Debüt, wurde ein Bestseller. Es folgten unter anderem «Das Weihnachtsmarktwunder» sowie «Als Bach nach Dresden kam». Ralf Günther lebt in der Nähe von Dresden.
Felix Kucher (Autor)
27. Von Stufe zu Stufe
Roman
Verlag: Picus
Einband gebunden
VÖ: März 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 256 Seiten
Größe: 13,5 x 21,0 cm
Alter: ab 14
ISBN-13 Buch: 978-3-7117-2155-6
Felix Kuchers „Von Stufe zu Stufe“ ist mehr als ein literarisches Denkmal für die Anfänge des österreichischen Films. Der Roman ist ein komponiertes Spiel mit Zeit, Erinnerung und Bildsprache, der die Geschichte des Sehens in Szene setzt, ohne sich im Schatten der Geschichte zu verlieren.
Der Roman entfaltet sich auf zwei Erzählebenen, die sich wie parallele Filmrollen abspulen. In der historischen Handlung begegnen wir Anton und Louise Kolm, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Kino nach Wien brachten, leidenschaftlich, kompromisslos, gegen alle Widerstände. In der Gegenwart folgt Kucher dem Filmwissenschaftler Marc, der auf der Suche nach einer verschollenen Filmrolle zunehmend ins Wanken gerät, nicht nur hinsichtlich der Fakten, sondern auch seiner eigenen Wahrnehmung.
Louise Kolm tritt dabei als eigentliche Hauptfigur hervor. Kucher verleiht ihr nicht nur historisches Gewicht, sondern auch emotionale Tiefe. Ihre Unabhängigkeit, ihre ästhetische Vision, ihr Ringen um Sichtbarkeit in einer männlich dominierten Branche wirken bis in die Gegenwart hinein radikal. In diesen Passagen gewinnt der Roman besondere Kraft und Aktualität.
Kuchers Sprache ist klar, präzise, zugleich durchzogen von lyrischen Momenten, insbesondere in den Übergängen zwischen den Zeitebenen. Der Text verweigert sich bewusst einem linearen Erzählmodus und fordert die Leserinnen und Leser heraus, die Montage seiner Ebenen aktiv mitzugehen.
Die Gegenwartsebene um Marc bleibt hingegen hinter der historischen Handlung zurück. Zwar bietet sie eine dramaturgische Klammer und reflektiert die Frage, wie Geschichte rekonstruiert wird, doch wirkt die Figur selbst blass.
Kucher schreibt nicht nur über Film, er schreibt filmisch. Die Kapitel funktionieren wie Kameraeinstellungen, die Rückblenden wie Überblendungen. Der Roman reflektiert nicht nur das frühe Kino, sondern behandelt grundlegende Fragen: Was heißt Sehen? Wie beeinflussen Medien unsere Wahrnehmung von Geschichte und Welt?
Dabei gelingt es Kucher, historische Stoffe mit gegenwärtiger Relevanz aufzuladen. „Von Stufe zu Stufe" ist ein Roman über Macht und Sichtbarkeit, über Archive, Erinnerung und das Verschwinden und dies ohne theoretische Überfrachtung, vielmehr in atmosphärisch dichter und erzählerisch überzeugender Form.
So ist „Von Stufe zu Stufe" nicht nur ein Roman über das Kino, sondern auch über das Erzählen selbst, ein literarischer Essay in narrativer Gestalt.
Wer sich für Kulturgeschichte, mediale Selbstreflexion und das frühe Kino interessiert, wird hier eine literarische Entdeckung machen. Er ist eine Hommage an das Denken in Bildern.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Felix Kucher, geboren 1965 in Klagenfurt, studierte Klassische Philologie, Theologie und Philosophie in Graz, Bologna und Klagenfurt. Er lebt und arbeitet in Klagenfurt und Wien. Im Picus Verlag erschienen seine Romane »Malcontenta«, »Kamnik«, »Sie haben mich nicht gekriegt« und zuletzt »Vegetarianer« (2022). www.felix.kucher.at
Rita Falk (Autorin)
28. Apfelstrudel-Alibi
Franz Eberhofer Namd 13, Ein Provinzkrimi
Verlag: dtv
Taschenbuch
VÖ: 16. Oktober 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 336 Seiten
Größe: 13,6 x 21,0 cm
Alter: ab 12
ISBN-13 Buch: 978-3-423-26445-7
ISBN-13 eBook: 978-3-423-44881-9
Mit APFELSTRUDEL-ALIBI setzt Rita Falk ihre Erfolgsreihe um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen fort. Der Titel hält, was er verspricht, eine verlässlich ausgewogene Mischung aus Krimikomödie, bayerischem Grant und provinzieller Poesie.
Die Story:
Der eigensinnige Ermittler Franz Eberhofer sieht sich diesmal gleich mehrfach gefordert. Ehefrau Susi, frisch gewählte Bürgermeisterin, sorgt mit ihrem neuen Machtbewusstsein für Unruhe im Hause Eberhofer, während Franz über einen rätselhaften Todesfall stolpert. Letitia, die geliebte Patentochter des Richters Moratschek ist in den Dolomiten während ihrer Flitterwochen ums Leben gekommen. Unfall oder Mord? Steckt vielleicht der frisch angetraute Ehegatte dahinter? Zwischen Dienstpflicht und familiärem Chaos sucht Eberhofer nach der Wahrheit, gewohnt widerwillig, aber mit Herz.
Falk bleibt ihrer Linie treu. Ihr Dialogwitz ist präzise, ihre Beobachtungen aus dem dörflichen Mikrokosmos treffen ins Schwarze. Sprachlich agiert sie souverän. Der Dialekt wirkt authentisch, nie überzeichnet, die Figurenrede rhythmisch und pointiert. Der trockene Humor trägt viele Szenen – oft lakonisch, manchmal liebevoll derb, stets mit Gespür für das Alltägliche.
APFELSTRUDEL-ALIBI ist ein solider, kurzweiliger Vertreter der Reihe, warmherzig, bodenständig und von jener unnachahmlichen Mischung aus Krimi und Komödie geprägt, die Falk seit Jahren kultiviert. Für treue Leser:innen ist der Roman ein vertrauter Genuss, wie ein Apfelstrudel süß, wohlig, vorhersehbar und handwerklich perfekt gebacken.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Rita Falk wurde 1964 in Oberammergau geboren. Ihrer bayrischen Heimat ist sie bis heute treu geblieben. Mit ihren Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer und ihren Romanen ›Hannes‹ und ›Funkenflieger‹ hat sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser geschrieben – weit über die Grenzen Bayerns hinaus. 2023 erhielt Rita Falk den Bayerischen Verdienstorden für das »augenzwinkernde und gleichzeitig liebevolle Porträt ihrer bayerischen Heimat« in den beliebten Eberhofer-Krimis.
Michael Lemster (Autor)
29. STRAUSS
Eine Wiener Familie revolutioniert die Musikwelt
Verlag: Benevento
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 23. Mai 2024 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: ca. 380 Seiten
Größe: 14,5 x 21 cm
Alter: ab 12
ISBN-13 Buch: 978-3-71090-165-2
ISBN-13 eBook: 978-3-71095-153-4
Mit seinem neuen Buch über die Familie Strauss entfaltet Michael Lemster ein Panorama, das weniger auf musikwissenschaftliche Detailanalysen setzt als auf kulturhistorische Perspektiven. Er zeichnet die Strauss-Dynastie nicht als entrückte Monumente der Musikgeschichte, sondern als Akteure im Spannungsfeld von Ehrgeiz, Rivalität und gesellschaftlichem Wandel.
Besonders überzeugend gelingt es ihm, die Familiengeschichte in die politische und soziale Topografie Wiens einzuschreiben: die Ballkultur der Metropole, die Presse als Katalysator von Ruhm, die Revolutionen des 19. Jahrhunderts und schließlich die ideologische Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus. So wird deutlich, dass die Strauss’schen Walzer nicht nur klingende Unterhaltung waren, sondern zugleich ein Geschäftsmodell für Popularität zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Vergnügen und identitätsstiftender Kultur.
Lemsters Stil ist bewusst erzählerisch, stellenweise fast feuilletonistisch. Das macht die Lektüre ansprechend und flüssig, geht aber bisweilen zulasten analytischer Schärfe. Wer eine vertiefte Auseinandersetzung mit musikalischen Strukturen, Werkanalysen oder kompositionsgeschichtlichen Innovationen erwartet, wird hier nicht fündig. Der Autor interessiert sich weniger für die Partitur als für Wirkungsgeschichte und Resonanzräume.
Im Ergebnis legt Lemster eine gelungene Kulturgeschichte vor. Sie zeigt nicht nur, welche Bedeutung die Musik der Sträusse hatte, sondern erklärt auch, warum sie in ihrer Zeit so erfolgreich waren. Der Walzer erscheint hier nicht allein als Inbegriff tanzbarer Leichtigkeit, sondern als Spiegel einer Gesellschaft, die sich im eigenen Klang feierte.
STRAUSS ist kein musikwissenschaftliches Standardwerk, wohl aber ein klug komponiertes Familienporträt. Wer die Strauss-Dynastie im historischen Kontext verstehen will, findet in diesem Buch eine facettenreiche, unterhaltsame und zugleich reflektierte Lektüre.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Michael Lemster, aufgewachsen nahe Frankfurt, begibt sich als studierter Kulturwissenschaftler und als freier Publizist (u.a. für Die Zeit, NZZ, Bayerischen Rundfunk) seit jeher leidenschaftlich gern auf Spurensuche. Nach einer Verlagskarriere ist er seit 2009 freier Unternehmensberater und Publizist.
Das Buch beim Benevento-Verlag
Mag. Norbert Philip (Autor)
30. Sonst wäre Wien nicht Wien
Menschen, die die Stadt prägten und formten
Verlag: Braumüller
Klappenbroschur
VÖ: 24. November 2023 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 256 Seiten
Größe: 14,80 x 21,00 cm
Alter: ab 0
ISBN-13 Buch: 978-3-99100-356-4
ISBN-13 eBook: 978-3-99100-357-1
Mit Sonst wäre Wien nicht Wien legt Norbert Philipp eine Sammlung biografischer Stadtgeschichten vor, die weder Lexikon noch literarisches Essay, weder Geschichtsbuch noch Anekdotensammlung ist und gerade in dieser Unentschiedenheit ihren Reiz entfaltet. Es ist ein vielschichtiges Mosaik von Persönlichkeiten, die Wien über Jahrhunderte hinweg geformt haben. Seien es die Habsburger, die finanziellen Gönner, wie die jüdische Familie Rothschild oder Eduard Suess und Cajetan Felder, denen es ein Bedürfnis war, Trinkwasser aus den weit entfernten Bergen im südlichen Niederösterreich zu bekommen. Aber auch Aktivistinnen und Aktivisten, welche sich um die kulturellen und Natur-Schönheiten der Stadt stark machten, finden Einzug in dieses literarische Werk.
Philipp nähert sich der Stadt über die Menschen. Wer Wien verstehen will, so die Prämisse des Autors, muss seine prägenden Figuren kennen.
Jedes Kapitel ist in sich geschlossen, pointiert erzählt, mit sicherem Gespür für historische Relevanz und erzählerische Spannung. Der Ton ist sachlich, aber nicht trocken, anschaulich, aber nie populistisch. Gerade darin liegt die Stärke des Buchs.
Sonst wäre Wien nicht Wien ist ein ebenso unterhaltsames, wie informatives Buch. Es eignet sich hervorragend als Einstieg in die historische und gegenwärtige Vielfalt Wiens, nicht als wissenschaftliches Standardwerk, aber als anregender Lesebegleiter mit kulturjournalistischem Tiefgang.
Wer Wien liebt oder verstehen will, findet hier reichlich Material und wird vielleicht am Ende selbst anders durch die Stadt gehen.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Norbert Philipp, geboren 1971 in Wels, studierte Germanistik und Sprachwissenschaft in Wien. Ein paar Jahre war er Werbetexter und ein paar Jahre mehr ist er schon Journalist und Redakteur bei der Tageszeitung Die Presse. Im Schaufenster- Magazin am Freitag schreibt er regelmäßig über Architektur, Design, Kulturthemen und darüber, wie und wohin sich Städte entwickeln. Bei Braumüller erschienen: "Die Adern Wiens" (2019)
Das Buch beim Braumüller-Verlag
Sebastian Fitzek (Autor)
31. HORROR-DATE
Kein Thriller (Obwohl man beim Dating auf
viele Psychos trifft)
Verlag: Droemer HC
Hardcover
VÖ: 30. April 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 336 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-426-56119-5
ISBN eBook: 978-3-426-56120-1
Sebastian Fitzek, bislang primär als Autor psychologischer Thriller bekannt, schlägt mit HORROR-DATE eine ungewohnte Tonart an. Statt düsterer Spannungsliteratur präsentiert er eine tragikomische Farce, die sich thematisch um Sterblichkeit, Selbsttäuschung und zwischenmenschliche Nähe im Angesicht des Todes dreht, dabei jedoch stilistisch auf überdrehte Komik und schwarzen Humor setzt.
Die Story:
Im Zentrum der Handlung steht Nala, eine junge Therapeutin, die nach der niederschmetternden Diagnose eines Hirntumors auf der exklusiven Dating-Plattform „The Walking Date“ landet. Dort treffen sich Menschen mit terminalen Diagnosen, nicht etwa, um ihr Lebensende zu beschleunigen, sondern um der Einsamkeit zu entkommen. Was zunächst makaber wirkt, entpuppt sich in Fitzeks Inszenierung als origineller, teils satirischer Erzählraum für existentielle Fragen.
Als Nala auf Raphael trifft, scheint sich eine zarte Verbindung anzubahnen, bis dieser aus gesundheitlichen Gründen seinen besten Freund Julius, einen charismatischen Start-up-Unternehmer, zu ihrem ersten Treffen schickt. Was folgt, ist ein Reigen absurder Verwechslungen.
Fitzek gelingt es, zwischen schwarzem Humor, philosophischem Tiefgang und überzeichneter Situationskomik eine fragile Balance zu halten. Seine Sprache bleibt, wie man es von ihm kennt, zugänglich, temporeich und pointiert. Der Text verweigert sich bewusst einer durchgängig ernsten Behandlung seiner Thematik und spielt stattdessen grotesk zwischen Komik und Katastrophe.
HORROR DATE besitzt durchaus Momente emotionaler Tiefe. Dennoch werden diese Passagen häufig von slapstickartiger Komik und Überzeichnung unterbunden. Fitzek setzt hier auf Unterhaltung, ein Ansatz der das Genre der Krankheitsliteratur um eine ungewöhnlich leichte Perspektive erweitert.
Insgesamt ist HORROR DATE ein überraschender, stellenweise berührender, oft überzeichneter Beitrag zur literarischen Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und ein weiterer Beleg für Fitzeks Fähigkeit, Genregrenzen mit spielerischer Konsequenz zu überschreiten.
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Er studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor für verschiedene Radiostationen in Deutschland. Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein erster Roman „Die Therapie“ eroberte innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerliste und wurde als bestes Krimidebüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Fitzeks Bücher wurden bisher in 36 Sprachen übersetzt und weltweit über 20 Millionen Mal verkauft. Viele davon sind inzwischen erfolgreich verfilmt – so wurde „Die Therapie“ als sechsteilige Miniserie für Prime Video produziert und stieg sofort auf Platz 1 der meistgesehenen deutschsprachigen Sendungen ein. Zudem ist Sebastian Fitzek für seine spektakulären Buchvorstellungen bekannt, die er als Shows inszeniert - im Herbst 2024 brach er mit der "Größten Thriller Tour der Welt" alle Zuschauerrekorde.
Sebastian Fitzek wurde als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er ist Preisstifter des Viktor Crime Awards und engagiert sich als Schirmherr für den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.
Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
www.facebook.de/sebastianfitzek.de Insta: @sebastianfitzek
Oliver Burkeman (Autor), Henning Dedekind, Heide Lutosch (ÜbersetzerIn)
32. Leider nicht unsterblich
Verlag: Piper
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 10. Jänner 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 224 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-07255-7
ISBN eBook: 978-3-492-60835-0
Mit LEIDER NICHT UNSTERBLICH legt Oliver Burkeman ein meditatives Mosaik aus Gedanken, Fragen und präzisen Alltagsbeobachtungen vor.
Das Buch ist als 28-tägiger Zyklus strukturiert, nicht als Challenge, sondern als Einladung zum Innehalten. Burkeman schreibt über Perfektionismus, Zeitdruck, Kontrollbedürfnis und die Angst vor Bedeutungslosigkeit, ohne moralischen Zeigefinger und ohne die Rhetorik der Selbstoptimierung. Es geht ihm nicht um „mehr vom Leben“, sondern um ein verändertes Verhältnis zu dem, was ist.
Bemerkenswert ist, mit welcher Leichtigkeit und Wärme Burkeman existenzielle Themen wie Endlichkeit, Scheitern oder Sinnsuche behandelt. Seine Sprache ist klar, zugänglich, dabei nie banal. Besonders eindrücklich sind jene Passagen, in denen er sich selbst zum Thema macht. Wenn er etwa von seiner Angst erzählt, Zeit zu verschwenden, oder vom inneren Druck, das eigene Leben stets „sinnvoll“ zu gestalten, entsteht ein Moment intimer Offenheit, und genau darin liegt das Allgemeingültige.
Burkeman schreibt gegen die Tyrannei der Effizienz nicht durch Konfrontation, sondern durch Freundlichkeit.
Leider nicht unsterblich ist ein stilles, entschleunigtes Buch, kein Paukenschlag, sondern ein warmer Ton, der lange nachhallt. Wer keine schnellen Antworten sucht, sondern Raum zum Nachdenken, findet hier einen klugen, nachsichtigen Begleiter. Und vielleicht ist das in einer Zeit permanenter Beschleunigung das Radikalste, was ein Sachbuch leisten kann.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Oliver Burkeman, geboren 1975 in Großbritannien, ist ein preisgekrönter Feuilletonist. Für den Guardian schrieb er viele Jahre eine wöchentliche Kolumne. Seine Arbeiten sind darüber hinaus in der New York Times, dem Wall Street Journal, Psychologies und New Philosopher erschienen. Burkeman lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in den North York Moors in England.
Matthias Lohre (Autor)
33. TEUFELS BRUDER
Roman
Verlag: Piper
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 10. Jänner 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 544 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-07279-3
ISBN eBook: 978-3-492-60889-3
Thomas Mann und sein Bruder Heinrich auf Italienreise.
Die Story:
Thomas Mann ist einundzwanzig und beinahe verliebt. Als er 1896 mit seinem älteren Bruder Heinrich die lang ersehnte Italien-Reise antritt, lässt der Gedanke an seine Jugendfreundin Ilse Martens ihn nicht los. Bei ihr, hofft er, fände er den Halt, nach dem er sich so sehnt. Wäre da nicht dieser melancholisch blickende Jüngling. An ihn muss er immerzu denken, seit er ihm in Venedig über den Weg gelaufen ist. Aber warum nur? Wäre er doch bloß souverän und zielstrebig wie Heinrich. Der ist bereits, was Thomas gern wäre: Schriftsteller! Allein in Neapel will er herausfinden, was den Jungen traurig macht und ihn in einer Novelle verewigen. Doch anstatt sich so die rätselhafte Anziehung vom Leib zu schreiben, widerfährt Thomas im warmen Süden etwas zutiefst Schockierendes, das ihn für immer verändern wird.
Mit seinem Roman TEUFELS BRUDER richtet Matthias Lohre den Blick auf eine prägende Episode in der frühen Biografie Thomas Manns, die Italienaufenthalte am Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit der Selbstsuche formt sich der junge Schriftsteller zwischen Selbstzweifeln, familiären Erwartungen und künstlerischem Ehrgeiz zu einer literarischen Stimme.
Im Zentrum der Erzählung steht die spannungsvolle Beziehung zu Heinrich Mann. Während der ältere Bruder bereits erste Erfolge vorweisen kann, bleibt Thomas unsicher, ob er den Weg des Schriftstellers überhaupt beschreiten kann. Lohre verdichtet diesen biografischen Befund zu einer dramatischen Konstellation. Der Konflikt zwischen den Brüdern erscheint nicht nur als familiäre Rivalität, sondern zugleich als symbolischer Widerstreit zwischen Konvention und Aufbruch, Pflichtgefühl und Leidenschaft.
Die italienischen Schauplätze Rom, Venedig und die Küstenorte sind weit mehr als bloße Kulisse. Sie fungieren als Resonanzräume für künstlerische Sehnsucht und existentielle Unsicherheit. Lohre beschreibt sie mit atmosphärischer Intensität und verweist damit auf Themen, die später das Werk Thomas Manns prägen sollten, die Spannung von Schönheit und Verfall, die Ambivalenz von Begehren und Disziplin.
Der TEUFELS BRUDER des Titels erweist sich weniger als konkrete Gestalt denn als poetische Metapher. Die dämonische Erfahrung, die Thomas Mann in Italien schildert, deutet Lohre als innere Begegnung, eine gefährliche, zugleich schöpferische Allianz aus Selbstzweifel, verbotenen Sehnsüchten und künstlerischem Drang. Auf diese Weise überschreitet der Roman die Grenzen des rein Historischen und wird zu einer Reflexion über Kreativität als existenzielles Grenzerlebnis.
Sprachlich überzeugt Lohre durch Präzision. Historische Genauigkeit verbindet sich mit literarischer Verdichtung, sodass der Text zwischen biografischer Erzählung und psychologischer Fiktion jongliert.
TEUFELS BRUDER ist ein eindrucksvoller Roman über künstlerische Selbstwerdung, die Rivalität zweier Brüder und die Macht innerer Dämonen. Matthias Lohre gelingt es, biografische Spuren in eine fesselnde literarische Form zu überführen, die gleichermaßen wissenschaftlich Interessierte wie ein breiteres Lesepublikum anspricht. Die Lektüre lohnt, weil sie eindringlich vor Augen führt, wie eng schöpferische Energie und existentielle Bedrohung miteinander verflochten sind.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Matthias Lohre, Jahrgang 1976, ist Schriftsteller, Historiker und Journalist. Von 1996 bis 2001 studierte er Mittlere und Neuere Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte und
Anglistik an der Universität zu Köln und schloss mit dem Magister Artium ab. Von 2005 bis 2014 arbeitete er als Politikredakteur und Kolumnist der taz in Berlin. Sein autobiografisches Sachbuch „Das Erbe der Kriegsenkel“ platzierte sich 2016 in der Spiegel-Bestsellerliste. Den Nachfolger „Das Opfer ist der neue Held“ (2019) übernahm die Bundeszentrale für politische Bildung in ihre Schriftenreihe. Lohres Artikel zu geschichtlichen und gesellschaftspolitischen Themen erscheinen u.a. in der Zeit, Zeit Geschichte, Geo Epoche und P.M. History.
Arno Frank (Autor)
34. GINSTERBURG
Roman
Verlag: Klett-Cotta
Hardcover
gebunden mit Schutzumschlag
VÖ: 15. Februar 2025 (2. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 432 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-608-96648-0
In seinem Roman GINSTERBURG richtet Arno Frank den Blick auf eine Provinz in den Jahren 1935, 1940 und 1945, auf einen Ort, der topografisch nicht verortet ist und doch überall stehen könnte. Was er erzählt, ist kein Heldendrama, sondern die Chronik einer unheilvollen Normalität.
Die fiktive Kleinstadt Ginsterburg wird zum Resonanzraum der Zeit. Hier gibt es das Lokalblatt, das Festkomitee, den Zirkus, die Familien auf der Suche nach Orientierung. Doch die eigentliche Tragik liegt nicht im großen Weltgeschehen, das über die Menschen hereinbricht, sondern in ihrer stillschweigenden Anpassung. Schritt für Schritt beugen sie sich der Logik des Systems, freiwillig, aus Karrierestreben oder bloß aus Angst.
Franks Figuren bleiben bewusst unspektakulär. Niemand tritt als Widerstandskämpfer auf. Stattdessen begegnen wir Menschen, die sich einfügen, wegschauen oder versuchen, im Rahmen der Verhältnisse voranzukommen. Gerade dieser Verzicht auf Heroisierung macht sie beklemmend glaubwürdig. Die Frage, wie schnell ein scheinbar gewöhnliches Leben in die Strukturen von Gewalt und Ausgrenzung übergehen kann, drängt sich beim Lesen unweigerlich auf.
Auffällig ist Franks Zurückhaltung in der Kommentierung. Er vertraut ganz auf die suggestive Kraft der Erzählung. Wer den historischen Kontext kennt, liest zwischen den Zeilen mit, wer ihn nicht kennt, wird möglicherweise gerade durch die Leerstellen aufgerüttelt.
GINSTERBURG ist kein Roman der spektakulären Wendungen. Er lebt von atmosphärischer Verdichtung und der leisen, beinahe unscheinbaren Darstellung eines allmählichen gesellschaftlichen Absturzes, der von den Beteiligten kaum als dramatisch empfunden wird. In dieser stillen Erzählweise liegt zugleich die größte Stärke und die größte Zumutung des Buches.
Arno Frank hat mit GINSTERBURG einen Roman vorgelegt, der nicht den Lärm der Geschichte nachzeichnet, sondern die leisen Schritte ins Verderben hörbar macht. Wer nach großen Gesten sucht, wird hier enttäuscht. Wer jedoch bereit ist, das Unheil im scheinbar Banalen wahrzunehmen, findet ein Werk, das nachhallt, gerade weil es so unspektakulär bleibt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt in Wiesbaden. Zuletzt erschienen von ihm die Romane So, und jetzt kommst du (2017) und Seemann vom Siebener (2023).
Das Buch beim Klett-Cotta-Verlag
Daniel Holbe (Autor), Andreas Franz (Autor)
35. Schwarze Dame
Julia Diurant ermittelt, Band 25
Verlag: Knaur TB
Taschenbuch
VÖ: 1. August 2024 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 432 Seiten
Alter: ab 16 Jahren
ISBN Buch: 978-3-426-52925-6
Mit SCHWARZE DAME führt Daniel Holbe die von Andreas Franz ins Leben gerufene Julia Durant-Krimireihe fort und entführt die Leserschaft einmal mehr in die düsteren Winkel Frankfurts. Ein grausamer Mord im Bethmannpark macht deutlich, dass es sich hier nicht nur um einen gewöhnlichen Kriminalfall handelt, sondern ein perfides Spiel seinen Lauf nimmt, dessen Fäden sich rasch über die gesamte Stadt spannen.
Holbe bleibt dem Geist der Reihe treu. Frankfurt erscheint nicht als glitzernde Finanzmetropole, sondern als Bühne der sozialen Gegensätze, ein urbanes Schachbrett, auf dem jede Figur von einem unsichtbaren Gegenspieler dirigiert wird. Besonders raffiniert ist die Idee, die Tatorte nach dem Muster eines imaginären Schachspiels anzuordnen. Diese Metapher verleiht dem Plot eine mystische Tiefe. Der Täter wird zum strategischen Spieler, die Ermittler zu Figuren, deren Züge stets kalkuliert scheinen.
Im Zentrum steht einmal mehr Julia Durant, eine Ermittlerin, die professionelle Souveränität mit verletzlicher Menschlichkeit verbindet. Ihr innerer Konflikt zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Verletzbarkeit verleiht ihr Glaubwürdigkeit und emotionale Resonanz. Die Nebenfiguren hingegen bleiben eher schemenhaft. Sie erfüllen ihre Funktion innerhalb der Handlung, hinterlassen jedoch kaum nachhaltigen Eindruck.
Holbes große Stärke liegt in seiner klaren Sprache und einem präzise aufgebauten Spannungsbogen. Szenen sind pointiert gesetzt und entwickeln trotz ihrer Knappheit atmosphärische Dichte. Allerdings wirkt die Konstruktion des Falls stellenweise etwas überladen. Manche Wendung dient offenbar eher dem Überraschungseffekt als der inneren Logik, wodurch die Glaubwürdigkeit gelegentlich ins Wanken gerät. Dennoch bleibt die Grundspannung bis zum Schluss erhalten, das „Schachspiel“ entfaltet eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann.
SCHWARZE DAME ist kein revolutionärer Neuanfang, sondern eine verlässliche Fortsetzung der Reihe. Fans dürfen sich auf einen düsteren, stringenten Frankfurt-Krimi freuen, der Bewährtes liefert, ohne allzu sehr auf Nummer sicher zu gehen.
Holbe gelingt ein Roman, der die Schachmetaphorik klug integriert. Das Ergebnis ist ein spannender Beitrag zur seriellen Kriminalliteratur, temporeich, atmosphärisch dicht und getragen von einer starken Hauptfigur. Auch wenn in der Figurenzeichnung und dramaturgischen Feinjustierung Luft nach oben bleibt, zeigt schwarze , wie serielle Formate durch konsequente Motive an Profil gewinnen können, ohne das Genre gleich neu erfinden zu müssen.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Andreas Franz’ große Leidenschaft war von jeher das Schreiben. Bereits mit seinem ersten Erfolgsroman JUNG, BLOND, TOT gelang es ihm, eine riesige Fangemeinde in seinen Bann zu ziehen. Seitdem folgte Bestseller auf Bestseller, die ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Krimiautor machten. Seinen ausgezeichneten Kontakten zu Polizei und anderen Dienststellen ist die große Authentizität seiner Kriminalromane zu verdanken. Andreas Franz starb im März 2011.
Der Autor:
Daniel Holbe, Jahrgang 1976, lebt mit seiner Familie im oberhessischen Vogelsbergkreis. Insbesondere Krimis rund um Frankfurt und Hessen faszinierten den lesebegeisterten Daniel Holbe schon seit geraumer Zeit. So wurde er Andreas-Franz-Fan – und schließlich selbst Autor. Als er einen Krimi bei Droemer-Knaur anbot, war Daniel Holbe überrascht von der Reaktion des Verlags: Ob er sich auch vorstellen könne, ein Projekt von Andreas Franz zu übernehmen? Daraus entstand die Todesmelodie, die zum Bestseller wurde.
Homepage Daniel Holbe * literatur.social/@danielholbe
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
Hubert Wolf (Autor)
36. Die geheimen Archive des Vatikan
und was sie über die Kirche verraten
Verlag: C.H. Beck
Hardcover
VÖ: 21. August 2024 (2. Auflage)
ebenfalls als eBook und epub erhältlich
Umfang: 240 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-406-82195-0
ISBN eBook: 978-3-406-82197-4
ISBN ePUB: 978-3-406-82196-7
Das Buch wirft einen faszinierenden Blick hinter die verschlossenen Türen des Vatikan. Besonders spannend sind die Abschnitte über die Bittbriefe jüdischer Menschen an Papst Pius XII. während des zweiten Weltkrieges. Das Thema und die Rolle des Papstes werden bis heute noch kontrovers diskutiert. Wolf beleuchte, welche Informationen den Papst wirklich erreichten und wie er und der Vatikan reagierten.
Wolf erklärt komplexe Zusammenhänge verständlich und bleibt stets sachlich. Er verbindet historische Fakten mit spannenden Anekdoten. So entsteht ein lebendiges Bild der kirchlichen Machtstruktur und Entscheidungsprozesse. Das Zölibat, Priesteramt, Papstwahl, Index der verbotenen Bücher, die Unfehlbarkeit des Papstes und der Missbrauch werden thematisiert. So werden Fragen erörtert, ob das Zölibat mit dem Missbrauch zusammenhängt oder der Fall Galilei, Charles Darwin oder Michael Sailer näher betrachtet. Letzterer wurde 40 Jahre nach seinem Tod wegen Häresie (von der offiziellen Kirchenmeinung abweichende Lehre) angezeigt und nur deswegen, dass ein anderer Seelig gesprochen werden kann.
Im Kapitel „Die Nonnen von Saint Ambrogino“ behandelt er einen der spektakulärsten Klosterskandale des 19. Jahrhunderts. Wolf rekonstruiert diesen Fall anhand geheimer Dokumente und enthüllt eine Geschichte voller Machtmissbrauch, Manipulation und Intrigen innerhalb eines Frauenklosters. Besonders beeindruckend ist die Schilderung der psychologischen Dynamik innerhalb des Klosters. Die Mischung aus Glaube Gehorsam und Manipulation.
Das Buch gewährt spannende Einblicke in das Innenleben einer der ältesten und zugleich geheimnisvollsten Institutionen der Welt. Wolfs kritischer Blick und seine intensive Archivarbeit machen das Buch zu einer äußerst interessanten Lektüre, für jene, die sich für die Geschichte und Strukturen der katholischen Kirche interessieren.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Hubert Wolf ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster. Für seine Forschungen und Publikationen wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Leibniz-Preis der DFG, dem Communicator-Preis und dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.
Das Buch beim C.H. Beck-Verlag
Claudia Schlager (Autorin)
aus der Reihe "Nix wie los!"
37. Niederösterreich mit Kindern -
40 Ausflüge und Wanderungen für Familien
Verlag: Kral-Verlag
Taschenbuch.
VÖ: 1. April 2025 (1. Auflage)
Umfang: 180 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 21 x 13 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-327-1
Den Nachwuchs, vor allem den jüngeren, für Kultur, Ausflüge und Wanderungen zu motivieren ist nicht immer einfach. Die Autorin Claudia Schlager, Mutter von zwei Kindern, weiß, wovon sie schreibt. So finden sich auf den ersten Seiten des Buches Tipps und Tricks für die richtige Planung einer gelungenen Familientour.
Ob im Wienerwald, den Wiener Alpen, Donau-Niederösterreich und Weinviertel, Waldviertel oder Mostviertel, in jeder Region hat Claudia Schlager Ausflugsziele gefunden, die sie anderen Familien ans Herz legen möchte. Und es gibt 40 davon.
Niederösterreich ist ein sehr abwechslungsreiches Bundesland, mit weiten Becken, Hochebenen, sanften Hügellandschaften und viel Wald. Dazu verfügt es mit den Ausläufern der Alpen über beeindruckende Gebirgszüge im Süden, welche mit dem 2.075 m hohen Klosterwappen auf dem Schneeberg einen verhältnismäßig leicht erreichbaren Gipfel aufweist. Drei unterschiedlich anspruchsvolle Touren in dieser Region hat die Autorin beschrieben.
Doch egal ob man gerne in luftigen Höhen unterwegs ist oder Naturparks, Klammen und Schluchten bevorzugt, junge und ältere Abenteurer:innen werden auf ausführlich beschriebenen und übersichtlich gestalteten Seiten auf ihre Reisen perfekt vorbereitet.
Natürlich gibt es in Österreichs größtem Bundesland auch jede Menge Kulturgüter und mystische Bauwerke zu entdecken. Schlösser, Burgen und Ruinen laden zum Erforschen ein.
Ruine Rauheneck, Schloss Hof, Carnuntum, Schlosspark Laxenburg, Burgruine Aggstein, Schallaburg oder die Araburg sind nur eine Auswahl beliebter Ziele.
Auf den ausgewiesenen Wanderkarten sind QR-Codes enthalten, welche man beim Scannen in einer Wander-App (zB Komoot) öffnen und sich die ausführliche Tourenbeschreibung speichern kann. Eine großartige Idee, um das Buch nicht mitnehmen zu müssen.
Was dieses Familien-Ausflugsbuch neben seiner inhaltlichen Vielfalt und Übersichtlichkeit jedoch besonderes auszeichnet, ist der persönlich gehaltene Schreibstil. Die Autorin hat ihre Texte wie Erlebnisberichte verfasst. Das macht es informativ und zugleich spannend zu lesen.
Einen unverzichtbaren Tipp möchte ich noch anbringen.
Bei nicht wenigen Besuchen von Einrichtungen, Parks und natürlich Bergbahnen sind zum Teil hohe Gebühren zu entrichten. Es empfiehlt sich auf alle Fälle der Kauf der NÖ-Card, mit welcher, speziell Familien, mehrere hundert Euro pro Jahr sparen kann.
„Gemeinsam Niederösterreich entdecken“, so lautet die Überschrift in Claudia Schlagers Vorwort. Und das soll das Motto und die Motivation für viele sein. Also: NIX WIE LOS!
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Wolfgang Springer
Die Autorin:
Claudia Schlager wurde 1985 im südlichen Niederösterreich geboren. Nach der Ausbildung zur Tourismuskauffrau und Kunsthistorikerin widmet sich die zweifache Mama (seit 2016 & 2019), Content Creatorin und Fotografin verstärkt ihrer großen Leidenschaft: dem Entdecken ihrer Heimat.
Die unternehmungslustige Niederösterreicherin liebt dabei vor allem gemütliche Wanderungen, genussvolle Auszeiten und das Erkunden besonderer Plätze am liebsten mit ihrer Familie, mit der sie im Bezirk Neunkirchen lebt. Diese Erlebnisse fängt Claudia mit Fotos und Geschichten ein, die sie auf ihrem Blog freets.at teilt.
Das Buch beim Kral-Verlag
















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