Christoph Ruda, Emily Mrosek (Ruth Maier), Jan-Eike Majert

28.02.2025 - MusikTheater an der Wien in der Kammeroper

BRIEFE VON RUTH

Das Musical BRIEFE VON RUTH von Gisle Kverndokk, das im vergangenen Jahr gleich vier Preise beim deutschen Musicalpreis erhielt, ist eine eindrucksvolle und zutiefst berührende Hommage an Ruth Maier, deren Tagebücher und Briefe die Grundlage bilden. Die Produktion an der Wiener Kammeroper unter der Regie von Philipp Moschitz verbindet eine feinfühlige abstrakten Inszenierung mit einer emotional aufgeladenen musikalischen Sprache, die das Schicksal einer jungen jüdischen Frau im 2. Weltkrieg, ähnlich wie bei Anne Frank, schildert und unter die Haut geht.

Emily Mrosek (Ruth Maier), Dorothea Maria Müller (Gunvor Hofmo)

Ruth flieht 1939 aus Wien nach Norwegen, wo sie eine tiefe Freundschaft und Liebesbeziehung mit Gunvor Hofmo eingeht. Doch der Nationalsozialismus holt sie ein. 1942 wird sie nach Auschwitz deportiert.

Diese tragische Geschichte wird mit eindringlicher Emotionalität erzählt und so setzt die Inszenierung auf intime Atmosphäre. Ein auf den Kopf gestellter Viehwagon, wo sich alle Szenen abspielen, symbolisiert die unausweichliche Ausweglosigkeit.

Besonders beeindruckend ist die Erarbeitung von Ruth, deren Welt durch Musik, Monologen und szenischen Rückblenden lebendig wird.

Anna Fleischhacker, Jan-Eike Majert, Julia Bergen, Emily Mrosek (Ruth Maier), Christoph Ruda, Reinwald Kranner

Die Darstellerinnen Emily Mrosek (Ruth) und Dorothea Maria Müller (Gunvor) überzeugen mit großer Ausdrucksstärke. Sie transportieren die emotionale Geschichte mit einer natürlichen, fast zerbrechlichen Authentizität.

Auch die weiteren Hauptfiguren (Maaike Schuurmans, Alen Hodzovic, Reinwald Kranner) sowie die Nebenfiguren tragen zu dieser Intensität bei.

Die Musik dient primär als erzählerisches Element und ist dennoch keine Untermalung. Sie ist voller Kontraste und vielschichtig. Die musikalische Leitung liegt bei Herbert Pichler, der eine Formation des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien gemeinsam mit Studierenden dirigiert.

BRIEFE VON RUTH ist ein bewegendes Plädoyer gegen das Vergessen. Die Inszenierung schafft es die individuelle Tragik mit der universellen Bedeutung ihrer Geschichte zu verknüpfen. Es ist ein Werk, das beeindruckt und lange nachhallt.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                     Kritik: Michaela Springer; Foto: Herwig Prammer

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https://www.theater-wien.at/de/spielplan/saison2024-25/1304/Briefe-von-Ruth




 

 

 

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