01. FATHER BROWN - Staffel 9
jetzt erstmal auch auf Blu-ray!

Vertrieb: polyband Medien GmbH
Produktionsland/ -jahr: GB 2023
Idee: Rachel Flowerday, Tahsin Güner
Produktion
: BBC Worldwide, BBC, BBC Drama Productions, BBC Studios Productions
Drehbuch: Kit Lambert, Lol Fletcher, Dominique Moloney, David Semple, Neil Irvine, Tahsin Guner, Michelle Lipton
Regie: John Maidens, Isher Sahota, Ruth Carney, Jo Hallows, Steve M Kelly
Produzent: Matthew Bird
Darsteller:innen: Mark Williams, Sorcha Cusack, John Burton, Jack Deam
Musik: Debbie Wiseman
Filmlänge: ca. 450 min. (10 Episoden)
VÖ: 17. Juli 2026 auf 3 DVDs, 3 Blu-rays und digital
EAN: 4006448368562 (BR)
FSK: 12


Britischer Charme, verschlossene Dorfgemeinschaften und Verbrechen hinter gepflegten Fassaden. Auch die neunte Staffel von FATHER BROWN setzt auf die bewährten Zutaten des klassischen Krimis. Die DVD-Box umfasst zehn Episoden, in denen Mord, Intrigen und persönliche Abgründe die beschauliche Welt einer englischen Gemeinde erschüttern. Im Zentrum steht ein Geistlicher, der sich mit vorschnellen Urteilen nicht zufriedengibt und hinter jeder Tat nach den Motiven sucht, die sie hervorgebracht haben.

In der Welt von Pater Brown ist die Ordnung trügerisch. Hinter gepflegten Gärten, konventionellen Umgangsformen und scheinbar intakten Familienverhältnissen verbergen sich Eifersucht, Habgier, verletzter Stolz und lange verdrängte Konflikte. Das Verbrechen legt offen, was die Gemeinschaft lieber verschweigen würde. Dabei interessiert sich die britische Krimiserie weniger für die spektakuläre Aufklärung eines Falls als für die Menschen, deren Lebensgeschichten sich darin kreuzen. Gerade diese Verbindung von kriminalistischer Spannung und moralischer Ambivalenz prägt ihren unverwechselbaren Charakter.

Mark Williams verkörpert den katholischen Geistlichen mit einer Mischung aus Scharfsinn, Gelassenheit und trockenem Humor. Seine Ermittlungen folgen keiner demonstrativen Logik der Überlegenheit. Brown beobachtet, hört zu und stellt Fragen, die andere lieber vermeiden würden. Oft sind es beiläufige Bemerkungen oder kleine Unstimmigkeiten, die ihn auf die richtige Spur bringen. Seine Stärke liegt darin, Widersprüche zu erkennen, ohne die Beteiligten auf ihre Rolle im Verbrechen zu reduzieren. Selbst wenn die Indizien auf eine eindeutige Schuld hindeuten, bleibt er an den Umständen interessiert, die eine Tat möglich gemacht haben.

Die zehn Episoden variieren dieses vertraute Erzählprinzip mit familiären Verstrickungen, gesellschaftlichen Machtkämpfen und Konflikten, in denen religiöse Überzeugungen ebenso auf die Probe gestellt werden wie etablierte Autoritäten. Manipulierte Beweise, anonyme Drohungen und gefährliche Sekten erweitern das Spektrum der Fälle. Auch alte Widersacher und verdrängte Geheimnisse holen Brown ein. Dabei geraten die Grenzen zwischen Opfer und Täter bisweilen ins Wanken. Einen besonders markanten Akzent setzt ein maskierter Silvesterball, auf dem ein Mörder im Kostüm des Roten Todes zuschlägt. Das Spiel mit Masken und falschen Identitäten verleiht dem Geschehen eine unheimliche Note und führt die Spannung zwischen gesellschaftlicher Fassade und verborgener Wirklichkeit anschaulich vor Augen.

Doch nicht jeder Fall gewinnt gleichermaßen an Kontur. Manche Geschichten bewegen sich in vertrauten Bahnen, einzelne Wendungen zeichnen sich früh ab. Wer komplexe Ermittlungsverfahren, raffinierte Täuschungsmanöver oder konsequent überraschende Auflösungen erwartet, wird deshalb nicht durchgehend auf seine Kosten kommen. FATHER BROWN sucht seine Stärken weniger in der Konstruktion kriminalistischer Rätsel als in der Atmosphäre und der psychologischen Zeichnung seiner Figuren. Das sorgt für erzählerische Kontinuität, begrenzt zugleich aber die Möglichkeit, das etablierte Konzept neu zu beleben.

Dass die Serie dennoch trägt, liegt wesentlich am Ensemble. Mark Williams verleiht seiner Figur eine unaufdringliche Autorität, die ohne Strenge auskommt und den Humor nie zur bloßen Pointe verkommen lässt. Sorcha Cusack setzt als Mrs. McCarthy mit ihrer bodenständigen Art und ihren pointierten Kommentaren eigene Akzente. Die Reibungen mit dem Inspector bringen zusätzliche Dynamik in die Ermittlungen und machen deutlich, dass Browns unkonventionelle Methoden keineswegs überall auf Zustimmung stoßen. Aus dem Zusammenspiel der Figuren entsteht jene Mischung aus Vertrautheit und leiser Komik, die selbst düsteren Geschichten ihre Schwere nimmt, ohne deren Konflikte zu verharmlosen.

Auch visuell bleibt die Produktion ihrer Linie treu. Historische Kostüme, ländliche Schauplätze und sorgfältig ausgestattete Innenräume verorten die Handlung im Großbritannien der frühen 1950er Jahre. Die Vergangenheit dient dabei nicht allein als pittoreske Kulisse. Die gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit bilden vielmehr den Hintergrund für Konflikte um Ansehen, Zugehörigkeit und moralische Autorität. Je stärker die Figuren an den Erwartungen ihrer Umgebung festhalten, desto deutlicher treten die Widersprüche zutage, die unter der Oberfläche schwelen. Aus diesem Gegensatz zwischen äußerer Disziplin und innerer Zerrissenheit bezieht die Serie einen wesentlichen Teil ihrer Atmosphäre.

Pater Brown begegnet den Menschen mit Mitgefühl, ohne die Verantwortung für begangenes Unrecht aus dem Blick zu verlieren. Vergebung ist für ihn möglich, aber keineswegs selbstverständlich, sie hebt die Folgen einer Tat nicht auf. Diese Haltung verleiht den Geschichten eine zusätzliche Dimension. Der Geistliche ermittelt nicht nur, um einen Täter zu überführen, sondern auch, um die menschlichen Zusammenhänge hinter dem Verbrechen sichtbar zu machen. Das unterscheidet die Reihe von Krimiformaten, die ihre Spannung vor allem aus Tempo, Härte und permanenten Überraschungen beziehen.

Die DVD-Box empfiehlt sich vor allem für Liebhaber des klassischen britischen Krimis, die Charakterzeichnung und Atmosphäre höher schätzen als kriminalistische Virtuosität. „Father Brown“ bleibt eine Serie, die das Verbrechen nicht isoliert betrachtet, sondern als Ausdruck menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Verhältnisse. Ihre besondere Qualität liegt in der beharrlichen Frage, was Menschen zu ihren Taten treibt und darin, dass die Antwort selten so eindeutig ausfällt, wie es ein abgeschlossener Fall vermuten lässt.

5 von 6 Sternen: ★★★★★        Kritik: Michaela Springer

Episoden:
01. Eine teuflische Bedrohung
02. Mit spitzer Zunge
03. Ein Requiem für die Toten
04. Kalons Kinder
05. Ein letztes Mal

06. Die neue Ordnung
07. Insel der Träume
08. Die widerspenstigen Mädchen
09. Der Mann, der nicht da war
10. Der rote Tod

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© BBC Studios/Gary Moyes

02. RIDLEY - Staffel 2

Vertrieb: polyband Medien GmbH
Produktionsland/ -jahr: GB/ USA 2023
Produktion: West Road Pictures, PBS, All3Media
Drehbuch: Paul Matthew Thompson, Julia Gilbert
Regie: Paul Gay, Bryn Higgins, Noreen Kershaw
Produzentin: Juliet Charlesworth
Ausführende Produzentin: Ingrid Goodwin
Darsteller:innen: Adrian Dunbar, Bronagh Waugh, Terence Maynard, George Bukhari, Julie Graham
Musik: Ben Foster
Filmlänge: ca. 385 min. (8 Episoden) + 15 Min. Bonus
VÖ: 31. Juli 2026 auf 2 DVDs und digital
EAN: 4006448774226
FSK: 12


Auch im Ruhestand bleibt Alex Ridley seiner früheren Tätigkeit verbunden. Gemeinsam mit seiner ehemaligen Kollegin Carol Farman unterstützt er die Ermittlungen in schwierigen Mordfällen. Die vier neuen Episoden führen in unterschiedliche Milieus von einem tödlichen Juwelenraub über einen lange zurückliegenden Leichenfund bis hin zu einem Mord im Umfeld einer illegalen Rave-Party. Im Zentrum stehen dabei nicht allein die jeweiligen Verbrechen. Die Fälle verhandeln ebenso Fragen von Schuld und Verdrängung, persönlicher Vergangenheit und menschlichen Abgründen.

Die zweite Staffel setzt konsequent auf die Tradition des klassischen britischen Kriminalfilms und verzichtet weitgehend auf spektakuläre Action. Das Erzähltempo ist bewusst entschleunigt. Seine besondere Qualität entwickelt der Mehrteiler vor allem über Atmosphäre und Milieu, Landschaftsaufnahmen, Musik und eine melancholische Grundstimmung. Sie verleihen der Serie ihren unverwechselbaren Charakter. Dramaturgisch bewegt sich RIDLEY dagegen auf vertrautem Terrain. Manche Entwicklungen und Wendungen sind früh absehbar. Spannender als die eigentliche Auflösung der Fälle erweist sich daher die Entwicklung der zentralen Figurenbeziehung.

Denn zwischen Ridley und Carol hat sich das einstige Mentor-Schüler-Verhältnis zu einer zunehmend partnerschaftlichen Zusammenarbeit gewandelt. Diese Verschiebung verleiht der Serie eine zusätzliche emotionale Ebene und macht die Ermittlungsarbeit zugleich zur Fortsetzung einer gemeinsamen beruflichen Geschichte.

Adrian Dunbar trägt die Serie mit einer zurückgenommenen und glaubwürdigen Darstellung. Sein Ridley ist kein genialischer Ermittler, sondern ein erfahrener Polizist im Ruhestand, der sich nur schwer von seiner Vergangenheit lösen kann. Dunbar gibt dieser Figur eine stille Ambivalenz, die weit über die jeweiligen Kriminalfälle hinausweist. Bronagh Waugh überzeugt als Carol Farman mit ruhiger Autorität und bildet einen überzeugenden Gegenpol zu Dunbars zurückhaltendem Spiel.

RIDLEY erfindet den britischen Krimi nicht neu. Seine Stärke liegt vielmehr in der sorgfältigen Atmosphäre, den nuanciert gezeichneten Figuren und einem angenehm entschleunigten Erzählrhythmus. Nicht jeder Fall überrascht in dramaturgischer Hinsicht. Doch gerade Adrian Dunbars differenzierte Darstellung verleiht der Serie jene charakterliche Tiefe, die sie über die konventionellen Muster des Kriminalgenres hinaus interessant macht.

5 von 6 Sternen: ★★★★★      Kritik: Michaela Springer

Episoden:
01. Ein schlafender Tiger - Teil 1
02. Ein schlafender Tiger - Teil 2
03. Der hohle Baum - Teil 1
04. Der hohle Baum - Teil 2
05. Liebeskrank - Teil 1
06. Liebeskrank - Teil 2
07. Im Strudel der Erinnerung - 
      Teil 1
08. Im Strudel der Erinnerung - 
      Teil 1


Bonusmaterial
(15 min.):

- Behind-the-Scenes
- Featurettes

© West Road Pictures & A3MI

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03. MOTHER MARY

Vertrieb: LEONINE Studios Spielfilm
Produktionsland/ -jahr: USA, Deutschland, Irland 2025
Drehbuch: David Lowery
Regie: David Lowery
Produzent:innen: Jonas Katzenstein, Maximilian Leo, Jonathan Saubach, David Lowery, Toby Halbrooks, James M. Johnston, Jeanie Igoe
Darsteller:innen: Anne Hathaway, FKA Twigs, Hunter Schafer, Kaia Gerber, Michaela Coel, Sian Clifford
Musik: Daniel Hart
Originalsongs produziert und geschrieben: Jack Antonoff & Charli xcx
Originalsongs: 
FKA twigs
Filmlänge
: ca. 107 min. (DVD)
VÖ: 2. Oktober 2026 auf DVD, Blu-ray und digital
EAN: 4061229558303 (DVD), 4061229558310 (BD)
FSK: 12

David Lowery macht aus dem Popstarfilm eine Geistergeschichte über Identität, kreative Abhängigkeit und die Last der öffentlichen Persona. In MOTHER MARY begegnen sich die Popikone Mary, gespielt von Anne Hathaway, und die Modedesignerin Sam Anselm (Michaela Coel) nach Jahren wieder. Sam soll für Marys Comeback das entscheidende Bühnenkostüm entwerfen. Mit der Zusammenarbeit kehrt jedoch eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die beide längst hinter sich gelassen glaubten.


Hathaway spielt Mary nicht als klassische Diva, sondern als eine Frau, die ihrer eigenen Bühnenfigur kaum noch entkommt. Ihr Körper, ihre Kleidung und ihre Stimme sind zu Bestandteilen einer öffentlichen Marke geworden, die längst ein Eigenleben entwickelt hat. Coel setzt ihr als Sam einen bewusst zurückgenommenen Gegenpol entgegen. Sie verkörpert die kreative Arbeit hinter der Popikone, jene unsichtbare Autorenschaft, die in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwindet und dennoch maßgeblich an der Konstruktion eines Stars beteiligt ist.

(c) LEONINE Studios/ Frederic Batier

Darin liegt eine der interessantesten Ideen des Films. Wem gehört eigentlich die Identität eines Stars? Das Kostüm wird zum zentralen Symbol dieser Frage. Es ist zugleich Modeobjekt, Erinnerungsträger und Machtinstrument. Mary braucht Sam nicht allein als Designerin, sondern als Mitautorin jener Figur, zu der sie selbst geworden ist. Die kreative Abhängigkeit erweist sich damit als wechselseitig. Die eine braucht die andere, um eine Persona aufrechtzuerhalten, die längst größer geworden ist als ihre Urheberinnen.

(c) LEONINE Studios/ Frederic Batier

Lowery verbindet Popästhetik mit religiöser Ikonografie und Elementen des Gothic. Bereits der Titel MOTHER MARY erhebt den Star zur Heiligenfigur, während die Konzertbühne Züge eines Altars annimmt. Doch die Verehrung erweist sich als prekär. Hinter der glänzenden Oberfläche liegen Einsamkeit, Abhängigkeit und die Unmöglichkeit, die eigene Vergangenheit vollständig abzuschütteln. Die Inszenierung macht aus dem Starkult weniger ein Versprechen als eine Form der Gefangenschaft.

(c) LEONINE Studios/ Frederic Batier

Seine größte Wirkung entfaltet der Film in der Begegnung von Hathaway und Coel. Zwischen ihren Figuren bleibt vieles unausgesprochen. Blicke, Körperhaltungen und Räume erzählen häufig mehr als die Dialoge. Auch die Musik fungiert nicht lediglich als atmosphärische Untermalung, sondern als eigenständige Erzählebene. Sie transportiert Erinnerungen, markiert emotionale Brüche und macht hörbar, was die Figuren nicht aussprechen können.

(c) LEONINE Studios/ Frederic Batier

Allerdings verlangt MOTHER MARY seinem Publikum Geduld ab. Lowery erzählt fragmentarisch und setzt stärker auf Atmosphäre, Wiederholung und Symbolik als auf eine stringent entwickelte Dramaturgie. Einige Passagen wirken dadurch überinszeniert, andere gerade in ihrer Offenheit faszinierend. Der Film verweigert sich einer eindeutigen Auflösung und nimmt dafür in Kauf, dass nicht jede symbolische Setzung gleichermaßen trägt.

(c) LEONINE Studios/ Frederic Batier

So ist MOTHER MARY letztlich weniger ein Film über die Musikindustrie als über die Konstruktion und Aneignung von Identität. Lowery erzählt von einer Popkünstlerin, die ihre eigene Ikone erschaffen hat und nun erkennen muss, dass diese Ikone ein Eigenleben entwickelt hat. Der Star wird zum eigenen Gespenst, verfolgt von einer öffentlichen Figur, die zugleich Produkt, Gefängnis und Erinnerung ist.

Ein stilistisch kompromissloses Künstlerinnendrama, dessen Bilder und Motive länger nachwirken als manche seiner Antworten.

5 von 6 Sternen: ★★★★★  Kritik: Michaela Springer

Bonusmaterial:
Making-of

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© LEONINE Studios / Eric Zachanowich

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04. SOLO MIO

Vertrieb: Constantin LEONINE
Produktionsland/ -jahr: USA/ Italien 2025
Drehbuch: Kevin James, John Kinnane, Patrick Kinnane
Regie: Charles und Daniel Kinnane
Produzenten: Jeffrey Greenstein, Mark Fasano, Gianluca Curti
Darsteller:innen: Kevin James, Alyson Hannigan, Jonathan Roumie, Kim Coates, Nicole Grimaudo, Andrea Bocelli
Musik: Joy Ngiaw
Filmlänge: ca. 97 min. (BR)
VÖ: 21. August 2026 als Blu-ray, DVD und digital
EAN: 4061229690805 (DVD), 4061229690812 (BR)
FSK: 6

Was tun, wenn die eigene Zukunft plötzlich in Scherben liegt? In SOLO MIO fällt die Antwort denkbar filmisch aus: Man fliegt nach Italien. Dort warten Sonne, gutes Essen, romantische Landschaften, neue Bekanntschaften und, mit etwas Glück, sogar eine neue Liebe.


Die Regisseure Charles und Daniel Kinnane erzählen die Geschichte von Matt Taylor, gespielt von Kevin James, dessen geplante Hochzeit unvermittelt platzt. Mit der Beziehung verliert Matt zunächst auch die Orientierung. Aus den gemeinsamen Flitterwochen wird eine Reise allein, aus der persönlichen Katastrophe entwickelt sich eine klassische Geschichte der Selbstfindung.

Das Grundmotiv ist vertraut. Interessanter ist, wie konsequent SOLO MIO das Scheitern in eine Feel-good-Erzählung überführt. Der Film interessiert sich weniger für die Abgründe einer Trennung als für die befreiende Möglichkeit, nach ihrem Ende noch einmal von vorn zu beginnen. Der Verlust wird nicht als Endpunkt, sondern als narrative Voraussetzung für einen neuen Lebensentwurf behandelt.

Kevin James erweist sich für diese Konstellation als passende Besetzung. Er verkörpert Matt nicht als souveränen romantischen Helden, sondern als sympathischen Durchschnittsmenschen, der von der Situation überfordert ist. Seine Komik entsteht vor allem aus dieser Unsicherheit. James verbindet Traurigkeit und Situationskomik, ohne seine Figur der Lächerlichkeit preiszugeben.

Das ist entscheidend für die Tonlage des Films. Matts Verletzlichkeit bleibt sichtbar, wird jedoch relativ schnell zum Ausgangspunkt eines neuen Abenteuers. Die persönliche Krise erhält dadurch eine erstaunlich leichte Dramaturgie. Der Schmerz ist real, aber er darf nicht lange die Oberhand behalten.

Nicole Grimaudo bringt als Gia Energie und Wärme in diese Entwicklung. Zwischen ihr und James entsteht eine glaubwürdige Leichtigkeit, die den Film emotional stabilisiert. Zugleich bleibt Gia vor allem eine Figur innerhalb von Matts Entwicklungsprozess. Sie eröffnet ihm eine neue Perspektive auf sein Leben, während ihre eigene Geschichte deutlich weniger Raum erhält.
Die eigentliche Hauptrolle neben Matt spielt Italien. Rom und die Toskana werden als Orte der Verwandlung inszeniert. Architektur, Landschaft, Kulinarik und Lebensgefühl bilden eine Gegenwelt zu Matts amerikanischem Alltag. Italien fungiert dabei weniger als realistischer Schauplatz denn als emotionale Projektionsfläche.
Wer sich verliert, so die filmische Logik, kann sich zwischen alten Gassen, Cafes und toskanischen Landschaften leichter wiederfinden. Die Reise wird zur äußeren Entsprechung einer inneren Neuorientierung.

Visuell ist das attraktiv, zugleich aber ausgesprochen idealisiert. SOLO MIO arbeitet mit einem Italienbild, das weniger der Alltagswirklichkeit als der Sehnsucht verpflichtet ist. Das Land erscheint als eine Art romantische Therapieanstalt für gebrochene Herzen, ein Ort, an dem Zeit anders vergeht, Begegnungen unmittelbarer werden und ein gescheiterter Lebensentwurf plötzlich wieder offen erscheint.

Gerade diese Idealisierung macht den Film kulturwissenschaftlich interessant. SOLO MIO erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern reproduziert ein international verbreitetes kulturelles Imaginarium von „Italien“, emotional, , musikalisch, lebensbejahend und zugleich eng mit romantischen Vorstellungen von Authentizität und Lebenskunst verbunden.
An diesem Punkt wird Andrea Bocelli zu einer Schlüsselfigur.
Bocelli tritt im Film als er selbst auf und bringt damit seine reale Künstlerpersönlichkeit in eine vollständig fiktionale Geschichte ein. Seine Funktion erschöpft sich deshalb nicht in der eines prominenten Gastauftritts. Er wird zum kulturellen Beglaubiger jener italienischen Welt, die der Film entwirft.

Bocelli steht international für eine spezifische Vorstellung italienischer Musikkultur, für die Verbindung von klassischer Tradition, großer Emotionalität und populärer Zugänglichkeit. Seine Stimme ist längst über den rein musikalischen Kontext hinaus zu einem kulturellen Erkennungszeichen geworden. Wo sie erklingt, werden automatisch Vorstellungen von Italien, Romantik und großen Gefühlen aufgerufen.
Entscheidend ist dabei, dass Bocelli nicht einfach eine Rolle spielt. Seine Authentizität selbst wird Teil der Inszenierung. Das Publikum begegnet nicht ausschließlich einer fiktionalen Figur, sondern dem realen Andrea Bocelli und damit einer bereits etablierten öffentlichen Persona. Dadurch entsteht ein produktives Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit.
Der Film verbindet die Geschichte eines Mannes, der sein Leben neu ordnen muss, mit der öffentlichen Figur eines Künstlers, dessen Stimme weltweit mit emotionaler Intensität assoziiert wird. Bocelli verstärkt damit genau jene Wirkung, die SOLO MIO ohnehin anstrebt, Emotion als kulturelle Erfahrung.

Seine Bedeutung liegt folglich weniger in der Dauer seines Auftritts als in dessen symbolischer Funktion. Bocelli steht für jenes Italien, das der Film erzählen möchte. Seine Stimme wird zur akustischen Signatur einer romantisierten Kultur und verleiht der filmischen Konstruktion zugleich einen Anschein von Authentizität.

SOLO MIO erfindet die romantische Komödie nicht neu. Seine Dramaturgie ist vertraut, seine Botschaft vorhersehbar. Das Ende einer Beziehung kann der Anfang eines besseren Lebens sein.
Er will nicht verstören, sondern versöhnen. Er möchte dem Publikum die beruhigende Vorstellung vermitteln, dass ein gescheiterter Lebensplan nicht zwangsläufig ein gescheitertes Leben bedeutet. Die persönliche Krise wird in eine Erzählung über Möglichkeiten übersetzt und Italien liefert dafür die ideale Kulisse.

So bleibt SOLO MIO letztlich ein klassisches Feel-good-Märchen. Das Herz bricht, der Lebensplan zerfällt und Italien sorgt dafür, dass daraus vielleicht doch noch etwas Schönes entstehen kann.

5 von 6 Sternen: ★★★★★   Kritik: Michaela Springer

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© 2026 LEONINE Distribution GmbH

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05. NCIS: TONY & ZIVA -
Staffel 1

Vertrieb: Paramount LEONINE
Produktionsland/ -jahr: USA 2025
Idee: John McNamara
Regie: Marcos Siega, Monica Raymund
Produzent: David A. Rosemont
Ausführende Produzent:innen: John McNamara, Michael Weatherly, Cote de Pablo, Mairzee Almas, Laurie Lieser, Shelley Meals, Christina Straine
Darsteller:innen:
Amita Suman, Cote de Pablo, Isla Gie, Maximilian Osinski, Michael Weatherly, Nassima Benchicou
Filmlänge: ca. 425 min. (DVD)
VÖ: 24. Juli 2026 auf DVD und digital
EAN: 4061229725156 (DVD)
FSK: 16

Mit NCIS: Tony & Ziva rückt eines der bekanntesten und beim Publikum besonders beliebten Paare des NCIS-Universums ins Zentrum. Michael Weatherly und Cote de Pablo kehren in ihre ikonischen Rollen als Tony DiNozzo und Ziva David zurück, allerdings unter veränderten Vorzeichen. Aus ehemaligen Kollegen wurden Eltern und unfreiwillige Verbündete, die gemeinsam auf der Flucht sind. NCIS: TONY & ZIVA – Staffel 1 erschien am 24. Juli auf DVD und setzt die Geschichte der beiden Kultfiguren in einem neuen, actiongeladenen Kapitel fort.


Die zehnteilige erste Staffel verbindet Action, Spionage, Humor und Familiendrama zu einer durchgehenden Thrillerhandlung. Als Tonys Sicherheitsfirma angegriffen wird, geraten er, Ziva und ihre Tochter Tali ins Visier einer internationalen Verschwörung. Die Geschichte führt durch verschiedene europäische Schauplätze und unterscheidet sich damit deutlich von der stärker episodisch angelegten Erzählweise der Mutterserie.

Ihre größte Stärke entwickelt die Serie im Zusammenspiel von Weatherly und de Pablo. Die vertraute Dynamik zwischen Tony und Ziva, geprägt von Schlagfertigkeit, gegenseitiger Skepsis und unausgesprochener Zuneigung funktioniert auch nach Jahren bemerkenswert gut. Zugleich erhalten beide Figuren neue Facetten. Tony muss sich in seiner Rolle als Vater behaupten, während Ziva mit ihrer Vergangenheit und ihrem Platz innerhalb der Familie konfrontiert wird.

Schwächer präsentiert sich dagegen der eigentliche Verschwörungsplot. Manche Wendungen bleiben dem bekannten Repertoire des Agententhrillers verhaftet und entwickeln weniger Spannung als die persönlichen Konflikte der Hauptfiguren. Immer dann, wenn die Serie Tony und Ziva Raum für Dialog, Beziehung und Charakterentwicklung lässt, gewinnt sie deutlich an Profil.

NCIS: Tony & Ziva erfindet das Agentengenre nicht neu, erweist sich jedoch als gelungener, charakterorientierter Ableger. Die Serie lebt weniger von überraschenden Genreideen als von der lang erwarteten Rückkehr ihrer beiden Hauptfiguren. Wer vor allem wegen Tony und Ziva einschaltet, erhält eine unterhaltsame und emotionalere Fortsetzung ihrer gemeinsamen Geschichte und zugleich einen Blick auf zwei Figuren, die sich längst über ihre frühere Rolle im NCIS-Team hinausentwickelt haben.

5 von 6 Sternen: ★★★★★    Kritik: Michaela Springer

Dabei muss noch erwähnt werden, dass noch während der Austrahlung der Staffel 1 beschlossen wurde, dass es keine weitere geben wird.

Fans dürfen sich auf umfangreiches Bonusmaterial freuen, das einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Die Featurettes widmen sich dabei insbesondere den internationalen Dreharbeiten sowie der Arbeit an Figuren und Story:

- NCIS: Tony & Ziva: Eine globale Angelegenheit
- Dreh im Ausland
- Ein Kleid, das auf sich warten lässt

Ergänzt wird das Bonusmaterial durch Entfallene Szenen sowie ein Gag Reel mit humorvollen Momenten vom Set.

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© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Der musicalcocktail verlost 1x die DVD-Box beendet !

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06. KINDERGARTEN COP
jetzt als Mediabook, 4K UHD + Blu-ray

Vertrieb: Plaion Pictures Home Entertainment
Produktionsland/ -jahr: USA 1990
Drehbuch: Timothy Harris, Murray Salem, Herschel Weingrod
Regie: Ivan Reitman
Produzenten: Brian Grazer, Ivan Reitman
Darsteller:innen: Arnold Schwarzenegger, Penelope Ann Miller, Pamela Reed, Linda Hunt
Musik: Randy Edelman
Filmlänge: ca. 111 min.
VÖ: 27. August 2026 als Mediabook, 4K UHD + Blu-ray
EAN: 4020628652036 
FSK: 12

Die Story:
Detective John Kimble ist ein Veteran der brutalen Straßen von L.A., und für seinen Schwur, das Gesetz zu schützen, ist er bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Doch sein neuer Auftrag wird ihn an sein Limit bringen: Die Jagd nach einem Drogendealer verschlägt Kimble als Undercover-Agent in einen Kindergarten. Um dem Gangster das Handwerk zu legen, muss der hartgesottene Cop nun erstmals mit kleinen Monstern fertig werden, die ihm den Alltag zur Hölle machen…

Weltstar und Action-Legende Arnold Schwarzenegger beweist erneut, dass er weit mehr ist als „nur“ der TERMINATOR. Nach dem Sensationserfolg ZWILLINGE arbeitet er wiederholt mit GHOSTBUSTERS-Schöpfer Ivan Reitman zusammen, um einen einzigartigen Mix aus Action und Comedy auf die große Leinwand zu bringen. Ein perfektes Workout für die Lachmuskeln, das jetzt endlich seine deutsche 4K-UHD-Premiere feiert!
Arnies „härtester“ Film – jetzt in kompromisslosem 4K und natürlich 100% UNCUT!

Bonusmaterial:
- Deutscher Trailer
- Englischer Trailer
- Bildergalerie
- Booklet von Tobias Hohmann

Der musicalcocktail verlost 1x das Mediabook, 4K UHD + Blu-ray beendet !

07. DIE ÄLTEREN

Vertrieb: Constantin LEONINE
Produktionsland/ -jahr: Deutschland 2025
Drehbuch: Jan Weiler, Robert Gold
Vorlage: Jan Weiler
Regie: Sönke Wortmann
Produzenten: Christoph Müller, Nurhan Şekerci-Porst
Darsteller:innen: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki, Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl, Nilam Farooq, u.v.m.
Musik: Helmut Zerlett
Filmlänge
: ca. 103 min. (BR)
VÖ: 3. Juli 2026 als Blu-ray, DVD und digital
EAN: 4061229690508 (DVD), 4061229690515 (BR)
FSK: 6


Die Story:

Hannes führt auf den ersten Blick ein erfülltes Leben. Gemeinsam mit seiner Frau Sara und den beiden Kindern lebt der ehemalige Bestsellerautor in einem idyllischen Eigenheim. Während er sich mit dem Ende seiner großen schriftstellerischen Erfolge arrangiert hat und ganz in seiner Rolle als Ehemann und Vater aufgeht, empfindet seine Familie seine übertriebene Fürsorge zunehmend als Bevormundung.
Als der Verlag seine Buchreihe einstellt, Sohn Nick schulische Probleme bekommt und Tochter Carla den Auszug plant, gerät Hannes’ vermeintlich stabile Welt aus dem Gleichgewicht. Den entscheidenden Einschnitt markiert Saras Wunsch nach einer Auszeit von der Ehe. Gemeinsam mit Carla zieht sie in eine Wohngemeinschaft und zwingt Hannes, seine bisherigen Lebensentwürfe zu hinterfragen. Die Begegnung mit Vanessa eröffnet ihm schließlich die Chance, seine Komfortzone zu verlassen und einen neuen Blick auf sich selbst u
nd seine Beziehungen zu entwickeln.

Sebastian Bezzel trägt den Film mit einer nuancierten Darstellung des Hannes. Er verleiht der Figur gleichermaßen Wärme, Unsicherheit und Komik, ohne ihre Schwächen zu beschönigen. Gerade die Ambivalenz zwischen aufrichtiger Fürsorge und bevormundendem Verhalten macht seine Interpretation glaubwürdig und menschlich.

Anna Schudt überzeugt als Sara mit einer zurückhaltenden, aber entschlossenen Darstellung einer Frau, die sich aus festgefahrenen Beziehungsstrukturen lösen möchte. Judith Bohle setzt als Vanessa frische Impulse und fungiert als Katalysator für Hannes’ persönliche Entwicklung. Kya-Celina Barucki und Philip Müller ergänzen das Ensemble überzeugend und verleihen den familiären Konflikten eine authentische Dynamik.

DIE ÄLTEREN verbindet Elemente der Familienkomödie mit einem fein beobachteten Charakterdrama. Im Mittelpunkt steht weniger eine klassische Midlife-Crisis als vielmehr die Frage, wie sich familiäre Rollen verändern, wenn Fürsorge in Kontrolle umschlägt und gut gemeinte Nähe als Einschränkung empfunden wird. Der Film untersucht, wie eingefahrene Beziehungsmuster aufbrechen und welche Herausforderungen mit persönlicher Veränderung verbunden sind.

Dabei verzichtet die Inszenierung auf eindeutige Schuldzuweisungen. Hannes erscheint weder als tragischer Held noch als lächerliche Figur, sondern als vielschichtiger Charakter, dessen liebenswerte Eigenschaften zugleich Ursache der familiären Konflikte werden. Ebenso nachvollziehbar bleibt Saras Wunsch nach Eigenständigkeit, wodurch beide Perspektiven gleichermaßen Gewicht erhalten.

Die Stärke des Films liegt in der ausgewogenen Verbindung von humorvollen Alltagssituationen und emotionaler Ernsthaftigkeit. Die Komik entwickelt sich organisch aus den Figuren und ihren Beziehungen, ohne die zugrunde liegenden Konflikte zu relativieren. Gleichzeitig schafft die ruhige Inszenierung Raum für Zwischentöne und setzt konsequent auf Dialoge sowie das Zusammenspiel des Ensembles statt auf dramatische Zuspitzungen.

DIE ÄLTEREN ist eine sensible Tragikomödie über den Wandel familiärer Beziehungen, über Rollenbilder und die Schwierigkeit, vertraute Lebensmodelle loszulassen. Dank eines hervorragend harmonierenden Ensembles und einer differenzierten Figurenzeichnung gelingt es dem Film, Unterhaltung mit einer präzisen Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen zu verbinden. Auch wenn die Dramaturgie stellenweise vorhersehbar bleibt, überzeugt die Inszenierung durch emotionale Glaubwürdigkeit und eine respektvolle Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen aller Generationen. Dadurch entwickelt sich der Film zu einer ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Reflexion über Partnerschaft, Elternschaft und persönliche Veränderung.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★    Kritik: Michaela Springer

Bonusmaterial:
- Interviews mit Cast & Crew
- Premierenclip
- B-Roll

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© 2026 LEONINE Distribution GmbH

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08. Der Graf von Monte Christo
(Fernsehserie 2024)

Vertrieb: LEONINE Studios TV SI
Produktionsland/ -jahr: Frankreich/ Italien 2024
Drehbuch: Greg Latter, Sandro Petraglia
Regie: Bille August
Produzent: Carlo Degli Esposti
Darsteller:innen: Sam Claflin, Ana Girardot, Mikkel Boe Følsgaard, Blake Ritson, Karla-Simone Spence und Jeremy Irons
Musik: Volker Bertelmann
Filmlänge: ca. 419 min. in 8 Episoden
VÖ: 5. Juni 2026 auf DVD, Blu-ray und digital
EAN: 4061229640503 (DVD), 4061229640510 (BD)
FSK: 16

Die Anatomie der Vergeltung

Alexandre Dumas’ DER GRAF VON MONTER CHRISTO gehört zu jenen literarischen Stoffen, deren Faszination über Generationen hinweg ungebrochen geblieben ist. Die Geschichte des unschuldig verurteilten Edmond Dantes, der aus dem Abgrund der gesellschaftlichen Vernichtung zurückkehrt, um die Verantwortlichen seines Schicksals zur Rechenschaft zu ziehen, ist weit mehr als ein klassisches Abenteuer. Sie ist eine Erzählung über Verlust und Wiedergeburt, über die Verführung der Macht und über die fragile Grenze zwischen Gerechtigkeit und Rache.

Die 2024 erschienene Serienadaption nähert sich diesem komplexen Stoff in acht Episoden mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit. Statt den Roman lediglich als Vorlage für ein opulentes Kostümdrama zu verwenden, untersucht die Serie die psychologischen und moralischen Dimensionen einer Figur, deren gesamtes Leben durch einen Akt des Verrats bestimmt wird. Ihre Stärke liegt gerade darin, dass sie den historischen Rahmen nicht als dekorative Oberfläche begreift, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Machtstrukturen.

Edmond erscheint zu Beginn als Vertreter einer Welt, in der Aufstieg durch Talent, Loyalität und persönliche Integrität möglich scheint. Als junger Seemann steht er vor einer vielversprechenden Zukunft, bis eine Verschwörung aus Neid, Ehrgeiz und politischem Kalkül sein Leben zerstört. Die Gefangenschaft wird dabei zur existenziellen Zäsur. Nicht allein seine Freiheit wird ihm genommen, sondern seine gesamte Identität.

Die Begegnung mit Abbe Faria bildet den Wendepunkt der Erzählung. Wissen, Bildung und philosophische Reflexion werden zu Instrumenten der Befreiung. Aus dem naiven jungen Mann wird ein strategischer Denker, der seine neue Existenz als Graf von Monte Christo bewusst konstruiert. Die Serie interessiert sich dabei weniger für den äußeren Triumph des Rächers als für den inneren Preis dieser Verwandlung.

Denn Dantes gewinnt zwar Macht über seine Gegner, verliert jedoch zunehmend die unmittelbare Verbindung zu seinem früheren Selbst. Die Figur des Grafen ist zugleich Schutzschild und Gefängnis. Hinter der perfekten Kontrolle bleibt ein Mensch sichtbar, der seine Vergangenheit nicht überwinden kann, sondern dauerhaft von ihr bestimmt wird.

Sam Claflin verleiht Edmond Dantes eine bemerkenswerte Ambivalenz. Seine Interpretation vermeidet die klassische Heldenfigur und zeigt stattdessen einen Menschen, dessen Stärke aus einer tiefen Verletzung hervorgegangen ist. Besonders überzeugend ist die subtile Entwicklung der Figur. Die körperliche Offenheit des jungen Dantes weicht einer zunehmend kontrollierten Präsenz, in der jede Bewegung, jeder Blick und jedes Wort strategisch eingesetzt werden.

Jeremy Irons gestaltet Abbe Faria mit großer geistiger Präsenz. Seine Figur ist nicht lediglich derjenige, der dem Gefangenen Wissen vermittelt, sondern die moralische Instanz, an der sich Dantes Entwicklung orientiert. Faria eröffnet ihm den Weg zur Freiheit, legt aber zugleich den Grundstein für eine Lebensentscheidung, deren Konsequenzen zunehmend ambivalent werden.

Auch die Gegenspieler werden nicht als reine Verkörperungen des Bösen gezeichnet. Die Serie zeigt vielmehr ein gesellschaftliches System, in dem Ehrgeiz, sozialer Druck und Machtstreben moralische Grenzen verschieben können. Dadurch gewinnt der Konflikt eine zeitlose Dimension Die Frage nach Schuld und Verantwortung bleibt komplex und entzieht sich einfachen Urteilen.

Die Inszenierung zeichnet sich durch eine präzise visuelle Gestaltung aus. Kostüme, Ausstattung und Schauplätze erzeugen nicht nur eine glaubwürdige historische Atmosphäre, sondern machen die sozialen Strukturen des 19. Jahrhunderts sichtbar. Die Welt von Adel, Bürgertum und politischer Elite erscheint als ein Geflecht aus Abhängigkeiten, Privilegien und Machtinteressen.

Die Serie vertraut dabei auf eine klassische Bildsprache. Sie setzt nicht auf permanente Beschleunigung, sondern auf Atmosphäre, psychologische Entwicklung und sorgfältig komponierte Szenen. Diese Erzählhaltung steht bewusst im Gegensatz zur gegenwärtigen Tendenz vieler Produktionen, historische Stoffe durch radikale Aktualisierung oder spektakuläre Effekte neu zu definieren.

Das zentrale Thema der Serie ist jedoch nicht die erfolgreiche Vergeltung, sondern deren zerstörerische Wirkung. Edmond Dantes glaubt, eine Form höherer Gerechtigkeit wiederherzustellen. Doch je konsequenter er seine Pläne verfolgt, desto stärker übernimmt er selbst die Rolle des Richters. Aus dem Opfer wird ein Mensch, der über Leben, Schuld und Vergebung entscheidet.

Gerade in dieser Entwicklung liegt die eigentliche Modernität der Adaption. Die Serie stellt die Frage, ob persönliche Rache jemals tatsächliche Gerechtigkeit hervorbringen kann oder ob sie den Menschen, der sie ausübt, unwiderruflich verändert. Dantes Tragik besteht darin, dass sein größter Triumph zugleich seine größte Entfremdung bedeutet.

DER GRAF VON MONTE CHRISTO ist keine bloße Neuauflage eines bekannten Abenteuerstoffes, sondern eine sorgfältig entwickelte Studie über Macht, Identität und moralische Selbstermächtigung. Es gelingt eine Adaption, die Alexandre Dumas’ Roman ernst nimmt und dessen zeitlose Fragen für die Gegenwart neu erfahrbar macht.

Die Serie überzeugt durch ihre atmosphärische Dichte, ihre schauspielerische Präzision und ihren differenzierten Blick auf eine der berühmtesten Rachefiguren der Literaturgeschichte. Sie erzählt nicht nur die Geschichte eines Mannes, der seine Feinde besiegt, sondern die weitaus komplexere Geschichte eines Menschen, der im Prozess seiner Vergeltung Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★      Kritik: Michaela Springer

Bonusmaterial:
- Interviews mit Cast & Crew


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09. DAS DRAMA
Nochmal auf Anfang

Vertrieb: LEONINE Studios Spielfilm
Produktionsland/ -jahr: USA 2025
Drehbuch: Kristoffer Borgli
Regie: Kristoffer Borgli
Produzent:innen: Tyler Campellone, Lars Knudsen, Ari Aster
Darsteller:innen: Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Benton Gates u. a.
Musik: Daniel Pemberton
Filmlänge: ca. 101 min. (DVD)
VÖ: 17. Juli 2026 auf DVD, Blu-ray und digital
EAN: 4061229558402 (DVD), 4061229558419 (BD)
FSK: 12

Zwischen Wahrheit und Selbstinszenierung:

Ein glücklich verlobtes Paar steht kurz vor der Traumhochzeit – doch in den Tagen vor dem Ja-Wort bröckelt die Fassade. Eine unerwartete Enthüllung wirft nicht nur die Hochzeitsplanung aus der Bahn, sondern alles, was sie über einander zu wissen glauben.


Mit DAS DRAMA – Noch mal auf Anfang legt der Film ein psychologisch ausgerichtetes Beziehungsdrama vor, das seine Wirkung nicht aus dramaturgischen Zuspitzungen, sondern aus der präzisen Beobachtung zwischenmenschlicher Dynamiken entwickelt. Im Mittelpunkt steht weniger die äußere Handlung als die schrittweise Erosion von Vertrauen, ausgelöst durch die Konfrontation mit einer verdrängten Vergangenheit. Die Inszenierung konzentriert sich konsequent auf die emotionalen und kommunikativen Prozesse ihrer Figuren und entwirft so eine differenzierte Untersuchung der Mechanismen von Wahrheit, Erinnerung und Selbstinszenierung.

Die dramaturgische Konstruktion verzichtet weitgehend auf spektakuläre Wendepunkte. Stattdessen entfaltet sich die narrative Spannung aus der zunehmenden Destabilisierung einer zunächst gefestigt erscheinenden Beziehung. Der Film untersucht dabei, wie sich Wahrnehmung verändert, sobald biografische Gewissheiten infrage gestellt werden, und zeigt, dass nicht die Enthüllung selbst den zentralen Konflikt bildet, sondern deren Auswirkungen auf Identität, Vertrauen und gegenseitige Zuschreibungen.

Die schauspielerischen Leistungen von Zendaya und Robert Pattinson bilden das emotionale Zentrum der Inszenierung. Zendaya überzeugt durch ein ausgesprochen kontrolliertes und nuancenreiches Spiel. Mit minimalen Veränderungen in Mimik, Blickführung und Körpersprache vermittelt sie innere Spannungen, ohne diese zu exponieren. Ihre Darstellung entwickelt eine hohe emotionale Glaubwürdigkeit und verleiht der Figur eine vielschichtige Ambivalenz zwischen Verletzlichkeit, Selbstbehauptung und wachsendem Misstrauen. Gerade ihre Fähigkeit, Emotionen nicht auszustellen, sondern anzudeuten, trägt wesentlich zur psychologischen Dichte des Films bei.

Robert Pattinson verfolgt einen deutlich zurückhaltenderen darstellerischen Ansatz. Seine Interpretation setzt auf Reduktion und kontrollierte Präsenz, wodurch die innere Zerrissenheit der Figur zunächst bewusst verborgen bleibt. Diese Zurückhaltung entspricht zwar der dramaturgischen Anlage der Rolle, führt jedoch dazu, dass einzelne emotionale Höhepunkte weniger differenziert ausgearbeitet erscheinen. Insbesondere in den Konfrontationsszenen erreicht Pattinson nicht durchgängig jene Vielschichtigkeit, die Zendayas Darstellung auszeichnet. Gleichwohl entsteht gerade aus der unterschiedlichen Spielweise beider Darsteller eine produktive Spannung, welche die konflikthafte Dynamik der Beziehung überzeugend sichtbar macht.

Auch formal bleibt die Inszenierung ihrem reduzierten Konzept verpflichtet. Die Kamera bevorzugt eine beobachtende Perspektive und hält sich konsequent in der Nähe der Figuren auf. Groß angelegte visuelle Effekte oder demonstrative Bildkompositionen treten zugunsten einer konzentrierten Figurenbeobachtung in den Hintergrund. Der sparsame Einsatz der Filmmusik unterstützt die melancholische Grundstimmung, ohne die emotionalen Konflikte zusätzlich zu akzentuieren. Diese formale Zurückhaltung stärkt die Authentizität der Inszenierung und lenkt den Fokus konsequent auf die psychologischen Prozesse.

Insgesamt erweist sich DAS DRAMA – Noch mal auf Anfang als sorgfältig inszenierte Auseinandersetzung mit den Bedingungen zwischenmenschlicher Kommunikation und den Brüchen individueller Erinnerung. Der Film verzichtet bewusst auf eindeutige moralische Wertungen und eröffnet stattdessen Reflexionsräume über Wahrheit, Identität und die Fragilität persönlicher Beziehungen. Seine Stärke liegt weniger in spektakulären erzählerischen Effekten als in der konsequenten psychologischen Durchdringung seiner Figuren und der präzisen Verbindung von Schauspiel, Dramaturgie und filmischer Gestaltung. Gerade diese analytische Zurückhaltung verleiht dem Werk eine nachhaltige Wirkung, die über die unmittelbare Rezeption hinaus zur weiteren Auseinandersetzung einlädt.

5 von 6 Sternen: ★★★★★    
Kritik: Michaela Springer

Bonusmaterial:
- Audiokommentar
- Featurette "Unboxing The Drama"

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10. LITTLE DISASTERS - Die komplette Serie

Vertrieb: polyband Medien GmbH
Produktionsland/ -jahr: GB 2025
Produktion: Roughcut Television, Fremantle UK
Drehbuch: Ruth Fowler, Amanda Duke
basierend auf dem gleichnamigen Roman von Sarah Vaughan („Anatomie eines Skandals“)
Regie: Eva Sigurðardóttir
Produzent: Myf Hopkins
Ausführende Produzent:innen:
Ash Atalla, Sarah Vaughan, Alex Smith, Simon Judd, Marianna Abbotts
Darsteller:innen:
Diane Kruger, Jo Joyner, Shelley Conn, Emily Taaffe, Jax James
Musik: Ragnar Ólafsson
Filmlänge: ca. 270 min. (6 Episoden)
VÖ: 12. Juni 2026 auf 2 DVDs und digital
EAN: 4006448774264
FSK: 12

Die Story:
Die junge Mutter Jess (Diane Kruger, „Inglourious Basterds“) scheint vermeintlich alles zu haben: das perfekte Haus, die perfekte Ehe, die perfekte Familie und ein perfektes Leben. Doch als sie ihr Baby mit einer verdächtigen Kopfverletzung ins Krankenhaus einliefert, trifft ihre beste Freundin Liz (Jo Joyner) – die in dieser Nacht diensthabende Ärztin – eine Entscheidung, die das Ende all dessen einleitet: Sie ruft das Jugendamt an und setzt dadurch eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihre gesamte Freundesgruppe erschüttert …
Schon bald zeigen sich Risse im Leben und in den Familien, es geht um Manipulation, Untreue, Anschuldigungen und persönliche Dämonen. Und über allem schwebt die heimtückische Frage: Bin ich eine schlechte Mutter?


LITTLE DISASTERS ist eine Drama-Serie, die sich zunächst als Mystery-Thriller tarnt, tatsächlich jedoch weit stärker an den psychologischen und gesellschaftlichen Folgen eines Verdachts interessiert ist als an dessen Aufklärung. Der rätselhafte Unfall eines Kleinkindes dient dabei lediglich als Ausgangspunkt für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Belastungen junger Elternschaft, der Fragilität langjähriger Freundschaften und den hohen Erwartungen, denen insbesondere Mütter ausgesetzt sind.

Bemerkenswert ist die Entscheidung, den eigentlichen Vorfall nie zum Selbstzweck werden zu lassen. Anstatt auf spektakuläre Wendungen oder kriminalistische Spannung zu setzen, konzentriert sich die Erzählung konsequent auf die Dynamiken des Misstrauens. Aus einer medizinischen Routineentscheidung entwickelt sich ein sozialer Ausnahmezustand, der die Beziehungen der Figuren nachhaltig erschüttert. Gerade hierin liegt die besondere Qualität der Serie. Sie erzählt weniger von einem möglichen Verbrechen als von der zerstörerischen Kraft des Verdachts.

Diane Kruger trägt die Produktion mit einer eindringlichen und vielschichtigen Darstellung der Jess. Zwischen Verletzlichkeit, Erschöpfung und unterschwelliger Abwehr bewegt sich ihre Figur in einem permanenten Zustand der Unsicherheit. Dadurch bleibt auch die Perspektive des Publikums bewusst instabil. Die übrigen Darstellerinnen überzeugen ebenfalls mit nuancierten Leistungen, die die komplexen Dynamiken innerhalb des Freundeskreises glaubhaft vermitteln. Die Konflikte entstehen nicht aus konstruierten Missverständnissen, sondern aus nachvollziehbaren Ängsten, Loyalitäten und Verletzungen.

Auch inszenatorisch setzt LITTLE DISASTERS auf Zurückhaltung. Die ruhige Bildsprache, eine gedämpfte Farbpalette und das kontrollierte Erzähltempo erzeugen eine Atmosphäre latenter Anspannung, die sich über die gesamte Laufzeit hinweg hält. Die Spannung entsteht dabei weniger aus äußeren Ereignissen als aus den emotionalen Verschiebungen zwischen den Figuren.

Besonders überzeugend ist die Weigerung der Serie, einfache Schuldzuweisungen vorzunehmen. Stattdessen zeigt sie, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Mutterschaft Druck erzeugen und individuelle Krisen verschärfen können. So entsteht ein vielschichtiges Porträt von Frauen, die versuchen, widersprüchlichen Erwartungen gerecht zu werden und dabei zunehmend an ihre Grenzen geraten.

LITTLE DISASTERS ist daher weniger als klassischer Thriller zu verstehen denn als präzise Beobachtung sozialer Mechanismen. Seine größte Wirkung entfaltet das Format nicht in überraschenden Enthüllungen, sondern in den Fragen, die es aufwirft. Wie schnell verwandelt sich Fürsorge in Misstrauen? Wie belastbar sind Freundschaften unter Druck? Und wie rigoros urteilt eine Gesellschaft über Frauen, die vom Idealbild der perfekten Mutter abweichen?

Eine intelligent geschriebene und sensibel inszenierte Serie, die ihre Spannung aus psychologischer Genauigkeit und gesellschaftlicher Relevanz bezieht und gerade dadurch lange nachwirkt.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★       Kritik: Michaela Springer

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11. FACKHAM HALL

Vertrieb: LEONINE Studios Spielfilm
Produktionsland/ -jahr: GB 2025
Drehbuch: Jimmy Carr, Steve Dawson, Andrew Dawson, Tim Inman, Patrick Carr
Regie: Jim O'Hanlon
Produzent:innen: Danny Perkins, Kris Thykler, Mila Cotray
Darsteller:innen: Adam Woodward, Alexander Butler, Ben Radcliffe, Charlie Rawes, Damian Lewis, Jimmy Carr, Katherine Waterston, Lee Boardman, Lily Knight, Lizzie Hopley, Magdalena Sverlander, Sue Johnston, Thomasin McKenzie, Tim McMullan, Tom Felton, Tom Goodman-Hill
Musik: David Arnold, Oli Julian
Filmlänge: ca. 97 min. (BR)
VÖ: 29. Mai 2026 auf DVD, Blu-ray, 4K UHD+BD und digital
EAN: 4061229677103 (DVD), 4061229677110 (BD)
FSK: 16

Die Story:
Der liebenswerte Taschendieb Eric Noone findet eine Anstellung in einem außergewöhnlichen englischen Herrenhaus. Schon bald steigt er in der Hierarchie auf und beginnt eine verbotene Affäre mit der Tochter des Hauses, Rose Davenport. Doch als ein unerwarteter Mord geschieht, gerät Eric unter Verdacht – was Rose und ihre Familie in eine ungewisse Zukunft stürzt …


Parodien zählen zu den anspruchsvollsten Spielarten der Filmkomödie. Sie erfordern ein präzises Gespür für Rhythmus, Tonfall und Maß, denn die Grenze zwischen treffsicherer Überzeichnung und bloßer Effekthascherei ist schmal. FACKHAM HALL nimmt diese Herausforderung mit bemerkenswerter Selbstsicherheit an. Der Film widmet sich einem Genre, das wie kaum ein anderes mit britischer Kulturtradition verbunden ist, dem Kostümdrama mit seinen aristokratischen Familiendynastien gesellschaftlichen Konventionen und nostalgisch aufgeladenen Bildern einer vergangenen Epoche. Doch statt diese vertrauten Muster lediglich zu persiflieren, demontiert FACKHAM HALL ihre Mechanismen mit sichtlichem Vergnügen und scharfem satirischem Blick.

Im Mittelpunkt steht ein traditionsreiches Landgut, auf dem Erbschaftsfragen, familiäre Rivalitäten und gesellschaftliche Verpflichtungen den Alltag bestimmen. Schon die Ausgangslage macht deutlich, dass der Film keinerlei Interesse an realistischer Glaubwürdigkeit verfolgt. Vielmehr dient die Handlung als Spielfeld für eine Kette von Missverständnissen, Verwechslungen und zunehmend absurden Wendungen. Psychologische Tiefe tritt dabei bewusst in den Hintergrund. Stattdessen entwickelt sich der Humor aus dem Kontrast zwischen einer ernsthaften Inszenierung und dem vollkommen irrationalen Verhalten der Figuren.

Gerade in diesem Spannungsverhältnis liegt die besondere Stärke des Films. Die Kamera begegnet ihren Protagonisten mit derselben Würde und Eleganz, die man aus klassischen britischen Historienproduktionen kennt. Opulent ausgestattete Interieurs, sorgfältig komponierte Landschaftsaufnahmen und detailreiche Kostüme erzeugen zunächst den Eindruck eines traditionsbewussten Kostümdramas. Gleichzeitig eskaliert die Handlung immer weiter ins Groteske. Aus der Reibung zwischen visueller Seriosität und erzählerischem Chaos gewinnt FACKHAM HALL einen Großteil seiner komischen Wirkung.

Auch die Besetzung trägt maßgeblich zum Gelingen bei. Die Darstellerinnen und Darsteller widerstehen konsequent der Versuchung, ihre Rollen als bloße Karikaturen anzulegen. Stattdessen begegnen sie dem zunehmenden Unsinn mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit. Gerade diese Haltung erzeugt die stärksten komischen Momente. Die Mitglieder der aristokratischen Familie erscheinen nicht als überzeichnete Witzfiguren, sondern als Menschen, die fest davon überzeugt sind, Teil eines bedeutenden gesellschaftlichen Dramas zu sein, während die Ereignisse um sie herum zunehmend außer Kontrolle geraten.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Film hinter seinem komödiantischen Überschwang eine durchaus präzise Beobachtung gesellschaftlicher Strukturen erkennen lässt. Die Welt des Adels erscheint als geschlossenes System aus Ritualen, Traditionen und sorgfältig gepflegter Selbstinszenierung, dessen Regeln im Verlauf der Handlung immer absurder wirken. Die Satire richtet sich dabei weniger gegen einzelne Figuren als gegen die gesellschaftlichen Mechanismen, die sie hervorbringen. Unter der Oberfläche des Klamauks verbirgt sich somit eine kritische Auseinandersetzung mit der romantisierenden Verklärung einer sozialen Ordnung, deren Widersprüche häufig ausgeblendet werden.

FACKHAM HALL ist kein Film für ein Publikum, das subtile Charakterstudien oder zurückhaltenden Humor sucht. Sein Ziel ist die große, bewusst überdrehte Komödie und genau dort entfaltet er seine größten Qualitäten. Wenn die Verbindung aus aufwendiger Ausstattung, trockenem britischem Witz und konsequenter Genreparodie aufgeht, entwickelt der Film beträchtlichen Unterhaltungswert.

So erweist sich FACKHAM HALL als temperamentvolle Persiflage auf das britische Kostümdrama, die ihre Vorbilder gleichermaßen liebevoll zitiert und genüsslich zerlegt. Weniger die Handlung als vielmehr das sichere Gespür für absurde Situationen, pointierte Dialoge und wirkungsvolle Übertreibungen macht den Reiz dieser Komödie aus. Als satirischer Blick auf die Konventionen eines traditionsreichen Genres gelingt dem Film eine unterhaltsame Balance zwischen Hommage und Demontage.

5 von 6 Sternen: ★★★★★       Kritik: Michaela Springer

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12. HAMNET

Vertrieb: Plaion Pictures Home Entertainment
Produktionsland/ -jahr: USA 2025
Drehbuch: Chloé Zhao, Maggie O´Farrell
nach dem Roman von Maggie O'Farrell
Regie
: Chloé Zhao
Produzent:innen: Nicolas Gonda, Pippa Harris, Liza Marshall, Sam Mendes, Steven Spielberg
Darsteller: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn, David Wilmot, Jacobi Jupe, Olivia Lynes, Justine Mitchell, Bodhi Rae Breathnach, Freya Hannan-Mills, James Skinner, Elliot Baxter, Dainton Anderson, uvm.
Musik: Max Richter
Filmlänge: ca. 125 min.
VÖ: 23. April 2026 auf Blu-ray, DVD, 4K UHD
EAN: 4020628662417 (BR), 4020628662714 (DVD), 4020628654825 ($K UHD)
FSK: 12

Mit HAMNET kehrte Oscar®-Gewinnerin Chloé Zhao auf die große Leinwand zurück. Seit 23. April ist der vielfach nominierte und ausgezeichnete Film nun für das Heimkino erhältlich.


Die Story:

In der Verfilmung des gefeierten Romans von Maggie O'Farrell, die gemeinsam mit Zhao auch das Drehbuch verfasste, wird die Geschichte von William Shakespeares Familie erzählt. Aus Sicht seiner empfindsamen Frau Agnes erlebt man, wie sie sich in den großen Barden verliebt und die beiden ein gemeinsames Leben planen. Als ihr einziger Sohn Hamnet im Alter von elf Jahren durch die Pest ums Leben kommt, droht ihre große Liebe zu ersticken. Mitten in dieser furchtbaren persönlichen Tragödie beginnt Shakespeare in tiefer Verzweiflung und Trauer, "Hamlet" zu schreiben, eines der großen Dramen der Literaturgeschichte.

Der titelgebende Roman von Maggie O’Farrell wurde 2020 veröffentlicht, erhielt euphorische Kritiken und gewann den britischen Women´s Prize for Fiction sowie den amerikanischen National Book Critics Circle Award. Produziert wurde HAMNET von Liza Marshall, Pippa Harris und Nicolas Gonda sowie von den beiden legendären Oscar®-Gewinnern Sam Mendes und Steven Spielberg.
Zweifacher Golden Globe Gewinner (Bester Film - Drama, Beste Hauptdarstellerin - Drama (Jessie Buckley)) und Oscar®-Gewinnerin Beste Hauptdarstellerin 2026 Jessie Buckley – Das neue Meisterwerk von Chloé Zhao (NOMADLAND).

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13. THE HOUSEMAID -
Wenn sie wüsste

Vertrieb: LEONINE Studios Spielfilm
Produktionsland/ -jahr: USA 2025
Drehbuch: Rebecca Sonnenshine
basierend auf dem Roman von Freida McFadden
Regie: Paul Feig
Produzent:innen: Todd Lieberman, Laura Allen Fischer, Paul Feig, Carly Kleinbart
Darsteller:innen: Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone, Sydney Sweeney, Elisabeth Perkins, Indiana Elle
Musik: Theodore Shapiro
Filmlänge: ca. 127 min. (DVD)
VÖ: 1. Mai 2026 auf DVD, Blu-ray, 4K UHD+BD und digital
EAN: 4061229537100 (DVD), 4061229537117 (BD), 4061229537193 (UHD+BD)
FSK: 16

Mit „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ inszeniert Paul Feig einen Psychothriller, der seine Wirkung weniger aus kalkulierten Schockmomenten als aus einem konstanten Klima des Misstrauens bezieht. Im Zentrum steht eine junge Frau, die in der Anstellung bei einer wohlhabenden Familie die Möglichkeit eines Neuanfangs erkennt und stattdessen in ein System aus Manipulation, emotionaler Kontrolle und subtiler Gewalt gerät.


Millie zieht als Hausmädchen in das luxuriöse Anwesen der Familie Winchester ein. Früh macht die Inszenierung deutlich, dass hinter der makellosen Fassade dieses Hauses keine Geborgenheit existiert. Vielmehr entwickelt das Anwesen eine beinahe klaustrophobische Präsenz, ein Ort, an dem Machtverhältnisse unsichtbar wirken und psychologische Spannungen jede Begegnung durchziehen. Gerade die Gegenüberstellung von äußerer Perfektion und innerer Zerrüttung gehört zu den stärksten Motiven des Films.

Sydney Sweeney verleiht der Figur der Millie eine fragile Ambivalenz. Ihre Darstellung bewegt sich permanent zwischen Verletzlichkeit und unterschwelliger Wachsamkeit, wodurch die Figur nie vollständig greifbar wird. Diese Ungewissheit trägt entscheidend zur Spannung des Films bei.

Noch eindrucksvoller agiert Amanda Seyfried als Nina Winchester. Ihre Performance oszilliert zwischen emotionaler Instabilität, kalkulierter Selbstinszenierung und echter Verzweiflung. Seyfried gelingt das Porträt einer Frau, die zugleich bedrohlich und tragisch erscheint, widersprüchlich, unberechenbar und psychologisch faszinierend.

Auch Brandon Sklenar überzeugt als Andrew Winchester mit einer bemerkenswert kontrollierten Darstellung. Seine Figur entfaltet ihre Wirkung nicht über offene Aggression, sondern über subtile Dominanz und emotionale Distanz. Gerade diese Zurückhaltung macht Andrew zu einer permanenten Quelle unterschwelliger Bedrohung. Sklenar versteht es, Spannung durch minimale Gesten und präzise gesetzte Irritationen aufzubauen und trägt damit wesentlich zur düsteren Grundstimmung des Films bei.

Visuell setzt „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ auf eine Ästhetik steriler Eleganz. Die großzügigen Räume wirken kühl, nahezu klinisch, und erzeugen gerade dadurch ein Gefühl permanenter Unsicherheit. Das Haus erscheint weniger als privater Rückzugsort denn als Bühne psychologischer Kontrolle. Lange Flure, verschlossene Türen und distanzierte Kameraeinstellungen verstärken die emotionale Isolation der Figuren und unterstreichen das Motiv ständiger Beobachtung.

Besonders interessant ist dabei die soziale Dimension der Geschichte. Trotz ihrer Nähe zur Familie bleibt Millie stets Außenseiterin. Sie bewegt sich innerhalb des Hauses, ohne jemals wirklich Teil dieser Welt zu werden. Aus dieser sozialen Unsichtbarkeit entwickelt der Film eine Spannung, die weit über die Mechanismen eines klassischen Thrillers hinausreicht und unterschwellig von Klassenunterschieden und Abhängigkeiten erzählt.

Im letzten Drittel verliert der Film jedoch etwas von seiner psychologischen Präzision. Einige Wendungen wirken weniger organisch entwickelt als vielmehr auf maximale Überraschung hin konstruiert. Figuren handeln mitunter irrational, um die dramaturgische Eskalation voranzutreiben. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener subtilen Spannung ein, die den Film zu Beginn so wirkungsvoll macht. Gegen Ende vertraut die Inszenierung stärker auf Effekte als auf die innere Logik ihrer Figuren.

Dennoch bleibt „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ über weite Strecken ein fesselnder Thriller. Der Film versteht es, ein permanentes Gefühl emotionaler Unsicherheit zu erzeugen und seine Zuschauer in eine Atmosphäre latenter Bedrohung hineinzuziehen. Vor allem die Dynamik zwischen den zentralen Figuren verleiht der Geschichte psychologische Intensität.

Letztlich ist „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ kein radikal neuer Beitrag zum Genre des Psychothrillers. Der Film lebt von seinen starken Darstellerleistungen, seiner kontrollierten visuellen Sprache und einer Atmosphäre, die unterschwellige Angst wirkungsvoll in Szene setzt. Nicht jede narrative Wendung überzeugt, doch gerade die Verbindung aus psychologischer Spannung und kühler Eleganz macht den Reiz dieses Films aus.

4 von 6 Sternen: ★★★★     Kritik: Michaela Springer

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Bonusmaterial:
- Pushing it Over the Edge: 
  Creating the Stunts
- Deleted Scenes

zusätzlich BD und 4K UHD:
- From Page to Panic: 
  Making the Housemaid
- Secrets of the Winchester 
  House: A Housemaid Tour
- Audiokommentare

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14. Michael Jackson´s:
THIS IS IT

(Blu-ray)

Vertrieb: Plaion Pictures Home Entertainment
Produktionsland/ -jahr: USA/ GB 2009
Regie: Kenny Ortega
Produzenten: Randy Phillips, Kenny Ortega, Paul Gongaware
Darsteller: Michael Jackson
Musik: Michael Jackson, Michael Bearden
Filmlänge: ca. 111 min.
VÖ: 23. April 2026 auf Blu-ray und DVD
EAN: 4020628653699 (BR), 4030521720244 (DVD)
FSK: 6

MICHAEL JACKSON'S THIS IS IT gewährt einen seltenen Einblick in das Leben von Michael Jackson als Künstler, während er die Show für seine ausverkauften Konzerte in der Londoner O2 Arena entwickelte, kreierte und probte. Die Chronik der Monate von April bis Juni 2009 wurde mit voller Unterstützung des Estate of Michael Jackson produziert und aus über 100 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten, das Jackson bei den Proben einiger seiner Songs für die Show zeigt. 

MICHAEL JACKSON'S THIS IS IT hält den Sänger, Tänzer, Filmemacher, das kreative Genie und den großartigen Künstler bei seiner Arbeit in ehrlichen, ungestellten Bildern fest, während er seine geplanten letzten Shows entwickelte und perfektionierte.
Die aufwendigen Probe-Aufnahmen zu den letzten geplanten Konzerten
des King of Pop.

Bonusmaterial:
- Featurettes
- Making Ofs

15. MOONWALKER
(Mediabook, Blu-ray+DVD)

Vertrieb: Plaion Pictures Home Entertainment
Produktionsland/ -jahr: USA 1988
Drehbuch: Michael Jackson, David Newman
Regie
: Jerry Kramer, Jim Blashfield, Colin Chilvers, Will Vinton
Darsteller:innen: Michael Jackson, Joe Pesci, Sean Lennon, Kelley Parker
Musik: Michael Jackson, Bruce Broughton
Filmlänge: ca. 93 min.
VÖ: 23. April 2026 als Mediabook, Blu-ray+DVD
EAN: 4020628605445
FSK: 12

Seine Videos sind legendär, seine Musik unsterblich: Michael Jackson war eines der größten musikalischen Talente aller Zeiten. 

Der Film ist kein klassischer Spielfilm mit durchgehender Handlung, sondern eine Mischung aus Musikvideos, Kurzfilmen und Fantasy-Elementen rund um Michael Jackson.

Mit MOONWALKER nimmt er das Publikum mit auf eine Reise durch seine Karriere – von den Jackson Five bis zu den ikonischen Musikvideos „Man in the Mirror" und „Smooth Criminal". Neben Auftritten von Mick Jagger und Elizabeth Taylor entfaltet der Film einen visuellen Stil voller Einfallsreichtum und Experimentierfreude.

Das einzigartige Sci-Fi-Musik-Abenteuer war für den Saturn Award in der Kategorie „Beste Spezialeffekte" nominiert. Verantwortlich dafür war der oscarprämierte Visual-Effects-Spezialist Hoyt Yeatman (ABYSS, ARMAGEDDON). Jetzt erstmals in der ungeschnittenen Fassung und strahlender HD-Qualität – ein absolutes Muss für jeden Michael Jackson-Fan!
Visionärer Bilderrausch mit dem King of Pop, jetzt erstmals ungeschnitten in HD!


Bonusmaterial:
- Kinosynchronisation
- 4:3 Fassung
- Deutscher Trailer
- Englischer Trailer
- Bildergalerie
- Booklet von Martin Beck






 

 

 

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