Lisa Habermann, Jan Ammann

28.01.2026 - Museumsquartier/ Wien

DRACULA
Wien Premiere

Die aktuelle ShowSlot-Tourneeproduktion des Musicals DRACULA nach der Musik von Frank Wildhorn präsentiert sich als atmosphärisch dichtes und visuell eindrucksvolles Theaterereignis. Die Inszenierung von Alex Balga überzeugt durch eine konsequent durchgehaltene ästhetische Handschrift sowie durch ein Ensemble, das den Figuren emotionale Tiefe und musikalische Prägnanz verleiht. In der Titelrolle steht Jan Ammann auf der Bühne, an seiner Seite Lisa Habermann als Mina, eine Besetzung, die dem Werk sowohl stimmliche Strahlkraft als auch dramaturgische Spannung verleiht.

Jan Ammann

Ammann interpretiert Dracula nicht als eindimensionales Schreckbild, sondern als gebrochene, tragische Existenz. Sein Bariton besitzt die notwendige Dunkelheit und Autorität, bleibt dabei jedoch stets differenziert geführt. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es ihm, die innere Leere und die jahrhundertealte Einsamkeit des Vampirfürsten eindrücklich erfahrbar zu machen. Sein Spiel bewegt sich souverän zwischen bedrohlicher Präsenz und verletzlicher Melancholie, ohne je ins Überzeichnete oder Pathetische abzugleiten.

Lisa Habermann

Lisa Habermann verleiht Mina eine klare Eigenständigkeit und emotionale Kontur. Ihre fokussierte, transparente Stimme bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu Draculas dunkler Klangfarbe. Darstellerisch zeichnet sie Mina als selbstbewusste Frauenfigur, die weit mehr ist als bloßes Objekt der Begierde, sondern als moralisches Zentrum der Handlung fungiert. In den gemeinsamen Szenen entsteht eine spürbare Spannung, die den zentralen Konflikt zwischen Liebe, Schuld und Verdammnis trägt.

Philipp Dietrich

Philipp Dietrich gestaltet Jonathan Harker mit überzeugender innerer Entwicklung. Zu Beginn als rationaler, beinahe naiver Beobachter angelegt, gewinnt seine Figur im Verlauf des Abends an emotionaler Schärfe. Dietrich überzeugt mit klarer Linienführung im Spiel und einer präzisen stimmlichen Gestaltung, die Harkers wachsende Verunsicherung und moralische Zerrissenheit glaubhaft transportiert. Besonders in den Begegnungen mit Dracula wird die psychische Überforderung der Figur eindringlich spürbar.

Als Arthur Holmwood bringt Vincent Van Gorp eine kontrollierte Noblesse und emotionale Zurückhaltung auf die Bühne. Seine Darstellung verzichtet bewusst auf melodramatische Zuspitzung und zeichnet Arthur als pflichtbewussten, innerlich ringenden Charakter.

Thomas Schreier, Munja Viktoria Meier, Vincent Van Gorp, Felix Haller

Felix Heller verleiht Dr. Jack Seward eine differenzierte Mischung aus wissenschaftlicher Distanz und menschlicher Anteilnahme. Seine Interpretation bleibt stets präzise und glaubwürdig, ohne die Figur zu emotional zu überfrachten. Mit klarer Diktion und kontrollierter stimmlicher Präsenz verankert Heller Seward fest im realistischen Figurenensemble und schafft damit ein wichtiges Gegengewicht zur überhöhten Dramatik der zentralen Konflikte.

Thomas Schreier überzeugt als Quincy Morris mit markanter Bühnenpräsenz. Schreiner verbindet körperliche Entschlossenheit mit emotionaler Aufrichtigkeit und verleiht Quincy damit eine tragende Funktion innerhalb der Freundesgruppe. Besonders in den Ensemble-Szenen setzt er klare Akzente.

Matthias Trattner

Einen markanten Kontrapunkt setzt Matthias Trattner als Renfield. Er gestaltet die Figur nicht als groteske Randerscheinung, sondern als psychologisch präzise gezeichnetes Bindeglied zwischen Dracula und der menschlichen Welt. Seine Darstellung ist von hoher körperlicher Präsenz geprägt. Nervöse, eruptive Impulse verleihen der Rolle eine unheimliche Unberechenbarkeit. Stimmlich überzeugt Trattner durch klare Textverständlichkeit und große Ausdrucksbandbreite, mit der er Wahnsinn, Unterwürfigkeit und fanatische Hingabe differenziert hörbar macht.

Marius Bingel

Als Professor Van Helsing setzt Marius Bingel einen bewusst sachlichen Gegenpol. Seine Interpretation ist klar konturiert und geerdet, geprägt von Autorität und intellektueller Präzision, ohne die Figur auf eine eindimensionale Rationalistenrolle zu reduzieren. Präzise Diktion und kontrollierte stimmliche Führung machen Van Helsing zum dramaturgischen Gegengewicht zu Draculas emotionaler Überhöhung.

Munja Viktoria Meier, Jan Ammann

Munja Viktoria Meier verleiht Lucy Westenra eine facettenreiche Präsenz jenseits gängiger Rollenklischees. Mit großer stimmlicher Beweglichkeit zeichnet sie Lucys Entwicklung von lebensfroher Unbeschwertheit hin zur innerlich zerrissenen Figur überzeugend nach. Ihr Spiel changiert präzise zwischen koketter Leichtigkeit und existenzieller Bedrohung, wodurch Lucys Verwandlung zu einem der emotional eindrücklichsten Momente des Abends wird.

Ein herausragendes Element der Produktion ist das Bühnenbild von Sam Madwar. Mit großer Bildkraft und technischer Raffinesse entstehen wechselnde Räume von beeindruckender Monumentalität, von düsteren Schlossarchitekturen bis hin zu expressionistisch anmutenden Traumsequenzen. Die Bühne fungiert dabei nicht nur als Schauplatz, sondern als aktiver Mitspieler, der die innere Zerrissenheit der Figuren visuell spiegelt. Licht (Lichtdesign: Michael Grundner), Projektionen und Raumtiefe greifen präzise ineinander und erzeugen eine dichte, beinahe filmische Atmosphäre.

Die Choreografie von Natalie Holtom verzichtet weitgehend auf klassische Tanznummern und setzt stattdessen auf körperlich erzählte Emotionen. Fragmentierte, spannungsgeladene Bewegungen des Ensembles verstärken wirkungsvoll das Gefühl latenter Bedrohung und sorgen insbesondere in den Übergängen für einen fließenden dramaturgischen Rhythmus.

Insgesamt erweist sich diese DRACULA-Tourneeproduktion unter der Regie von Alex Balga als stimmiges Gesamtkunstwerk, das die genretypischen Elemente große Emotionen, starke Bilder und eine opulente musikalische Sprache konsequent ausspielt. Sie richtet sich an ein Publikum, das sich auf düstere Romantik und theatrale Wucht einlassen möchte, und demonstriert eindrucksvoll, wie wirkungsvoll Musical auch jenseits reiner Unterhaltung sein kann.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                Kritik: Michaela Springer; Fotos: Nico Moser

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