20.02.2026 - Wiener Stadthalle
DA CAPO UDO JÜRGENS
Die Original-Show mit dem Orchester Pepe Lienhard
Mit DA CAPO UDO JÜRGENS erlebt das Repertoire von einem der größten Entertainer, Songschreiber und Komponisten im deutschsprachigen Raum eine sorgfältig kuratierte Wiederbelegung die zwischen Hommage, Konzertformat und multimedialem Erinnerungsraum.
Die Produktion verzichtet weitgehend auf nostalgische Überhöhung und setzt stattdessen auf eine technisch präzise Rekonstruktion künstlerischer Präsenz, ein Ansatz von bemerkenswerter ästhetischer Konsequenz. Durch den Abend führt Karim Khawatmi gemeinsam mit dem Original-Orchester Udo Jürgens unter der Leitung von Pepe Lienhard.
Khawatmi interpretiert ausgewählte Titel mit eigener stimmlicher Handschrift und vermeidet bewusst jede Form der Imitation. Pepe Lienhard ergänzt das musikalische Geschehen durch persönliche Erinnerungen aus einer 37-jährigen künstlerischen Weggemeinschaft, die dem Abend eine authentische biografische Dimension verleihen. Einen weiteren Höhepunkt setzt Dorothea Lorene mit ihrer Interpretation von „If I Never Sing Another Song“ sowie einem virtuell inszenierten Duett, das die Grenze zwischen dokumentarischer Erinnerung und gegenwärtiger Aufführungspraxis produktiv verwischt.
Dramaturgisches Zentrum bildet die präzise Abstimmung von Live-Orchester, dem Sänger auf der Leinwand, sowie projizierter Archivaufnahmen. Von der Ferne hat man zuweilen den Eindruck, Udo Jürgens selbst stehe auf der Bühne und leitet seine Show. Das musikalische Fundament überzeugt durch stilistische Disziplin und klangliche Differenziertheit. Die Arrangements orientieren sich eng an den Originalpartituren, ohne museal zu wirken. Insbesondere in den orchestralen Passagen entfaltet sich eine opulente Klanglichkeit, die den kompositorischen Reichtum des Repertoires Udo Jürgens deutlich hervortreten lässt.
Die visuelle Gestaltung folgt einer klaren, reduzierten Bildsprache. Projektionen fungieren nicht als bloße Illustration, sondern als dramaturgische Gegenstimme zum Live-Geschehen. In der Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart entstehen Momente intensiver Emotionalität, insbesondere dort, wo musikalische Höhepunkte mit biografischen Fragmenten korrespondieren.
Inhaltlich verzichtet die Inszenierung auf eine lineare Biografie zugunsten einer thematischen Dramaturgie, die Motive wie Zeit, Vergänglichkeit und Humanismus in den Vordergrund rückt. Diese Perspektive löst die Produktion aus dem Kontext reiner Unterhaltung und macht seine gesellschaftliche Dimension sichtbar.
Die doppelte Wahrnehmung als Konzert und als kollektives Erinnerungsritual, erweist sich als zentrale Stärke des Formats. Während viele Tribute-Produktionen primär auf Wiedererkennbarkeit setzen, zielt diese Inszenierung auf eine reflektierte ästhetische Kontextualisierung des Materials.
DA CAPO UDO JÜRGENS überzeugt damit weniger als spektakuläres Event, sondern als präzise komponierter Kulturabend. Erinnerung erscheint hier nicht als Stillstand, sondern als Form gegenwärtiger Interpretation.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Marc Vorwerk


