21.03.2025 - Stella Theater im Café Prückel/ Wien
DER DUFT VON WIRKLICHKEIT
Österreichische Erstaufführung
Ein Spiel mit Illusion und Wahrheit.
Manchmal liegt die Wahrheit nicht in der Realität, sondern in der Kunst. DER DUFT VON WIRKLICHKEIT von Werner Bauer, die neue Musical-Produktion des Stella Theaters im Café Prückl nimmt das Publikum mit auf eine fesselnde Reise zwischen Traum und Wirklichkeit. Es erzählt von der Magie des Films, der Kraft der Musik und dem Mut in Zeiten der Dunkelheit für die Kunst einzustehen. Es ist eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Die Handlung spielt in den 1930er Jahren, einer Zeit des Umbruches, in der Kreativität und Diktatur aufeinanderprallen. Der junge unbegabt Musikstudent Fritz erhält die Chance seines Lebens. Er soll mit dem legendären Filmkomponisten Werner Richard Heymann an einem neuen Musikfilm arbeiten. Doch dann verschwindet Heymann spurlos. Die Nationalsozialisten wollen das Projekt übernehmen und die Musik für ihre Zwecke missbrauchen und so treten die Figuren des Films aus der Leinwand heraus.
Diese surreale Wendung ist kein bloßer Kunstgriff, sondern der emotionale Kern des Stücks. Die Melodien von Werner Richard Heymann erzählen, sie lassen mitfühlen und treiben die Geschichte an. Die Arrangements vom musikalischen Leiter Frizz Fischer sind eine Hommage an die Originale, klingen aber zugleich frisch und modern.
Die Inszenierung nutzt das Spiel zwischen Film und Realität mit beeindruckender Raffinesse. Projektionen lassen Filmsequenzen lebendig werden. So wird die Illusion erschaffen, dass sich die Figuren tatsächlich zwischen den Welten bewegen können.
Ein besonderes Highlight ist die Darstellung von Victor, verkörpert von Sebastian Brummer. Mit charismatischer Präsenz und nuancierten Spiel gelingt es ihm eine besondere Dynamik auf die Bühne zu bringen.
Auch Nini Stadlmann als Claudine hinterlässt einen starken Eindruck und verleiht dem Musical eine besondere Tiefe. Sie ist nicht nur eine Figur des Films, sondern entwickelt sich zu einer eigenständigen Kraft in der Geschichte. Ihre Darstellung überzeugt mit einer Mischung aus Eleganz und emotionaler Intensität. Sie ist eine Schlüsselfigur, eine Brücke zwischen Traumwelt und Realität.
Fritz (Martin Schranz) berührt durch seine Entwicklung. Von einem untalentierten Musikstudenten zu einem Mann, der sich gegen die widrigen Umstände behauptet, durchlebt er eine faszinierende innere Reise. Seine Zweifel, seine Begeisterung für die Musik und Angst vor der dunklen Zeit ist in jeder Szene spürbar. Martin Schranz bringt seine Zerrissenheit mit großer Intensität auf die Bühne.
Elisabeth Halikiopoulos (Margot), Victoria Sedlacek (Antibe) und Paul Graf (Herr Langer) komplementieren das großartige Ensemble.
Die Regie von Isabella Gregor ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Bild, Musik und Emotionen, welche die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verwischen.
Das Bühnenbild (Ivo Ivancsics) ist eines der großen Stärken der Inszenierung. Es ist nicht nur visuell beeindruckend, sondern auch dramaturgisch essenziell - ein kunstvolles Spiel, das die Geschichte auf einzigartige Weise unterstützt.
Das Musical ist mehr als ein nostalgisches Stück über eine vergangene Ära, es ist eine Liebeserklärung an die Kunst und ihre unerschütterliche Kraft, Träume, die selbst in den dunkelsten Zeiten nicht sterben und von Musik die Brücken schlägt, wo Worte nicht mehr reichen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Fotos: Stefan Pauser | Fotos: Stefan Pauser |
Infos und Termine unter: www.stella-theater.at