Antonia Kalinowski

07.03.2026 Opernhaus Dortmund

GREASE erobert die Oper Dortmund

Die Liebesgeschichte mit Rock’n’Roll-Touch eroberte bereits 1971 die Bühnen am New Yorker Broadway und wurde 1978 unter anderem mit John Travolta erfolgreich verfilmt. Nun begeistert GREASE erneut das Publikum – aktuell im Opernhaus Dortmund.

Regisseur Gil Mehmert setzt dabei gleich zu Beginn einen besonderen Akzent: Statt direkt in die Jugendwelt der 50er-Jahre einzutauchen, betreten zunächst ältere Ehepaare ein verlassenes Schulgebäude, dessen Abriss bevorsteht. In dieser melancholischen Rahmenhandlung erinnern sie sich an ihre Schulzeit im Jahr 1959 – ein stimmungsvoller Einstieg, der dem Stück eine zusätzliche emotionale Ebene verleiht und gleichzeitig einen neuen Blick auf die bekannte Geschichte eröffnet.

Ivam Keim, Maria Danaé Bansen

Das Musical spielt an der Rydell High School Ende der 1950er-Jahre und beginnt nach den Sommerferien. Schnell wird die Welt der Jugendlichen lebendig – geprägt von Rock’n’Roll, Cliquen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Die schüchterne Sandy Olsson (Antonia Kalinowski) ist neu an der Schule und findet Anschluss bei den „Pink Ladies“. Dort berichtet sie von ihrer romantischen Sommerliebe, während Danny Zuko (Tobias Joch) seinen Freunden, den T-Birds, von derselben Zeit erzählt – jedoch in deutlich coolerer Form. Diese gegensätzlichen Perspektiven kulminieren im bekannten Song „Summer Nights“, der die unterschiedlichen Erinnerungen charmant gegenüberstellt.

Als sich herausstellt, dass Sandy nun ebenfalls die Rydell High besucht, kommt es zum Wiedersehen – allerdings anders als erhofft. Danny gibt sich vor seinen Freunden distanziert, um sein Image zu wahren. Diese Entscheidung sorgt für erste Spannungen, die Sandy zunehmend verunsichern. Während sie versucht, ihren Platz im Schulalltag zu finden, spiegeln Lieder wie „Freddy, My Love“ die unterschiedlichen Vorstellungen von Liebe und Beziehungen wider.

Katalin Rohse, Anna Teodora Donosa Danila, Maria Danaé Bansen, Friederike Zeidler

Parallel dazu stehen bei den T-Birds Coolness und Autos im Mittelpunkt. Besonders eindrucksvoll wird dies im Song „Greased Lightnin'“, bei dem nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch Energie auf die Bühne gebracht wird. Sandy hingegen bleibt zunächst Außenseiterin – spätestens, als Betty Rizzo (Maria-Danaé Bansen) sie in „Look at Me, I'm Sandra Dee“ verspottet, wird die Kluft zwischen den Welten deutlich.

Trotz der Konflikte gibt es immer wieder leichte, humorvolle Momente, die das Stück auflockern, bevor der erste Akt im mitreißenden „We Go Together“ gipfelt – ein Finale, das das Gemeinschaftsgefühl feiert, ohne die bestehenden Spannungen aufzulösen.

Im zweiten Akt verdichten sich die Ereignisse weiter. Beim großen Schultanz treffen alle Figuren erneut aufeinander, die Atmosphäre ist elektrisierend. Während auf der Bühne ausgelassen getanzt wird, ringen die Figuren innerlich mit ihren Unsicherheiten. Besonders eindrucksvoll gelingt dies Sandy in „Hopelessly Devoted to You“, das zu einem der emotionalen Höhepunkte des Abends wird.

Auch Danny beginnt sein Verhalten zu reflektieren und zeigt, dass ihm mehr an Sandy liegt, als er bislang zugeben wollte. Gleichzeitig offenbart Betty Rizzo in „There Are Worse Things I Could Do“ eine verletzliche Seite, die ihrer Figur zusätzliche Tiefe verleiht und das Publikum berührt.

Friederike Zeidler, Karen Müller

Ein weiteres Highlight ist die Traumsequenz rund um Frenchy (Friederike Zeidler), die im Song „Beauty School Dropout“ humorvoll und zugleich nachdenklich inszeniert ist. Hier wird deutlich, wie sehr die Figuren zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Träumen schwanken.

Gegen Ende des Schuljahres folgt schließlich das große Abschlussfest. Sandy tritt nun deutlich selbstbewusster auf, und als sie Danny begegnet, wird klar, dass beide einen Weg gefunden haben, zueinander zu stehen, ohne sich zu verstellen. Im energiegeladenen Finale „You're the One That I Want“ finden sie wieder zusammen.

Das abschließende Ensemble-Finale greift mit „We Go Together“ noch einmal das Gefühl von Gemeinschaft auf und entlässt das Publikum mit viel Energie und guter Laune.

Das Bühnenbild überzeugt durch seine Vielseitigkeit: Mal verwandelt sich die Bühne in eine große Schulaula, dann in eine Autowerkstatt oder einen Spind Gang. Besonders eindrucksvoll ist der Einsatz eines Autos auf der Bühne – ein Moment, der beim Publikum für Staunen sorgt und gleichzeitig die technische Raffinesse der Inszenierung unterstreicht.

Giulia Vazzoler, Tobias Joch

Kostüme und Frisuren sind ein zentraler Bestandteil der Produktion und tragen maßgeblich zur Authentizität bei. Von den Cheerleader-Outfits über die ikonischen Lederjacken der T-Birds bis hin zu den Kleidern und aufwendig gestalteten Frisuren der Damen – das Publikum wird visuell stimmig in die 50er-Jahre zurückversetzt.

Die Choreografien sind durchweg energiegeladen und mitreißend, sodass man sich als Zuschauer stellenweise eingeladen fühlt, selbst mitzutanzen. Unterstützt wird dies durch die Live-Band unter der Leitung von Stephan Kanyar, die dem Stück zusätzliche Dynamik verleiht und im zweiten Akt beim Tanzwettbewerb sogar sichtbar auf der Bühne integriert wird.

David Jakobs, Katalin Rohse

Tobias Joch überzeugt als Danny Zuko sowohl gesanglich als auch tänzerisch und schafft es, die verschiedenen Facetten seiner Figur glaubwürdig darzustellen – vom coolen Anführer bis hin zum unsicheren Verliebten. Antonia Kalinowski als Sandy ergänzt ihn dabei hervorragend; ihre gemeinsame Bühnenpräsenz, insbesondere bei „Summer Nights“, wirkt harmonisch und stimmig. Mit ihrer Interpretation von „Hopelessly Devoted to You“ sorgt sie zudem für einen der berührendsten Momente des Abends.

Auch das Ensemble überzeugt durchweg: Die Pink Ladies – Friederike Zeidler, Katalin Rohse und Anna Teodora Donosa-Danila – agieren als eingespielte Gruppe mit viel Spielfreude, während Maria-Danaé Bansen als Rizzo mit starker Bühnenpräsenz hervorsticht. Ebenso harmonieren die T-Birds – Markus Schneider, Pedro Reichert, Julius Störmer und Jonathan Gruth – sowohl untereinander als auch im Zusammenspiel mit den Pink Ladies.

Mark Seibert, Katalin Rohse

Ein besonderes Highlight ist Mark Seibert als Vince Fontaine, der als charismatischer Moderator des Tanzwettbewerbs das Publikum mühelos mitreißt und der Rolle eine prägnante, unterhaltsame Note verleiht.

GREASE ist noch bis 12. April im Opernhaus Dortmund zu sehen und bietet einen rundum gelungenen Musicalabend, der sowohl Fans des Originals als auch neue Zuschauer begeistert. Im September folgt mit Rebecca ein eher klassisches Musical.

Fazit: Eine mitreißende, atmosphärisch dichte Inszenierung mit starken Darstellern, liebevoller Ausstattung und viel Energie – ein Besuch, der sich lohnt.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
             Kritik: Verena Bartsch; Foto: Leszek Januszewski

  • Ensemble
  • Ensemble-II
  • Leonard Linzer mit Grease-Band und Stephan Kanyar
  • Antonia Kalinowski, Philipp Büttner, Markus Schneider, Giulia Vazzoler
  • Antonia Kalinowski, Philipp Büttner
  • Brigitte Schirlinger, Ensemble


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