29.01.2026 - Komödie am Kai/ Wien

Die Heinz Erhardt Story 
(Premiere)

Mit der Premiere von DIE HEINZ ERHARDT STORY in der Komödie am Kai widmet sich Manfred Antonius Distel einer der prägendsten Figuren des deutschsprachigen Humors. Heinz Erhardt, 1909 im lettischen Riga geboren und in einer Musikerfamilie aufgewachsen, entwickelte früh ein ausgeprägtes Gespür für Rhythmus und Sprache. Seine klassische Klavierausbildung bildete die Grundlage für eine Karriere, in der musikalisches Denken und sprachliche Präzision untrennbar miteinander verbunden blieben. Ab den 1950er-Jahren avancierte Erhardt durch Rundfunk, Film und Fernsehen zu einer zentralen Figur der Unterhaltungskultur im deutschsprachigen Raum.

Distel nähert sich dieser Ausnahmeerscheinung nicht über bloße Imitation, sondern über eine dialogisch angelegte Interpretation, die Sprachwitz, Geist und Persönlichkeit Erhardts reflektiert. Entstanden ist ein Theaterabend, der bewusst zwischen biografischer Verortung, literarischem Zitat und szenischem Gespräch changiert. Dabei wird Erhardts Weg vom ausgebildeten Musiker zum gefeierten Wortkünstler ebenso sichtbar, wie die feine Melancholie, die viele seiner Texte durchzieht.

Distel gelingt es, Erhardts charakteristische Ironie ebenso erfahrbar zu machen, wie dessen leise Nachdenklichkeit. Besonders überzeugend ist sein Umgang mit den Texten. Die Pointen entstehen aus dem Wort selbst, nicht aus Überzeichnung oder äußerlicher Komik. So erscheint Erhardt als ernsthafter Künstler, dessen Humor aus präziser Sprache, gedanklicher Schärfe und musikalischem Timing erwächst. Qualitäten, die seine Gedichte, Lieder und Monologe bis heute zeitlos wirken lassen.

Die dramaturgische Klammer des Abends bildet Agnes Spitzbart als Erzählerin, sowie dialogische und gesangliche Partnerin. In einem fiktiven Gespräch tritt sie der von Distel dargestellten Figur gegenüber und ordnet biografische Stationen ein: Erhardts Aufstieg zum Publikumsliebling der Nachkriegsjahre, seine enorme Präsenz in Film und Fernsehen, aber auch die Brüche und Zweifel hinter der öffentlichen Figur. Spitzbart  führt durch den Abend, ohne erklärend oder didaktisch zu wirken. Ihr Spiel ist ruhig, präzise und bewusst zurückgenommen, ein Gegenüber, das Raum schafft und Distels Darstellung trägt.

Am Klavier begleitet Bernd Leichtfried den Abend sensibel und strukturbildend und knüpft damit an Erhardts eigene musikalische Herkunft an. Die fein abgestimmten Einsätze fungieren als Übergänge, Kommentare und emotionale Vertiefungen. Leichtfrieds Spiel unterstreicht die Texte, ohne sie zu illustrieren, und verleiht der Inszenierung einen rhythmischen Fluss, der zwischen Humor und leiser Melancholie vermittelt.

DIE HEINZ ERHARDT STORY versteht sich nicht als nostalgische Revue, sondern als reflektierte Begegnung mit einem Künstler, der bis zu seinem Tod 1979 in Hamburg ein unverwechselbares Lebenswerk geschaffen hat. Seine Wortspiele, Gedichte und Lieder, vielfach publiziert und bis heute aufgelegt, gelten als Meilensteine des literarischen Humors im deutschsprachigen Raum. Der dialogische Aufbau des Abends eröffnet eine zeitgemäße Perspektive auf dieses Werk und macht dessen anhaltende Aktualität spürbar.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

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www.derdistel.at
     *     www.komoedieamkai.at



 

 

 

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