Katrin Fuchs, Felix Kurmayer

06.03.2026 - Kaiserbahnhof Laxenburg/ NÖ

LOVE JOGGING

Mit der Komödie LOVE JOGGING bringt Regisseur Thomas Koziol ein klassisches Boulevardstück auf die Bühne des neu bespielten Kaiserbahnhofs Laxenburg. Der Text des britischen Autors Derek Benfield zählt zu jenen raffiniert konstruierten Verwechslungskomödien, die aus einer scheinbar simplen Ausgangssituation ein dichtes Geflecht aus Täuschungen, Ausreden und Enthüllungen entwickeln.

Der Ausgangspunkt ist schnell erzählt: Brian „geht“ jeden Mittwoch joggen, zumindest glaubt das seine Ehefrau. In Wahrheit nutzt er diese Zeit für ein amouröses Stelldichein mit Wendy in der Wohnung seines Freundes George. Was Brian allerdings nicht weiß, George wiederum trifft sich währenddessen mit Brians Ehefrau. Das scheinbar perfekt austarierte Arrangement gerät ins Wanken, als Georges Ehefrau Jessica unerwartet früher von einer Reise zurückkehrt. Von diesem Moment an entfaltet sich eine klassische Boulevardmechanik aus Ausflüchten, Verwechslungen und zunehmend hektischen Rettungsversuchen.

Irene Budischowsky, Kurt Hexmann

Die Inszenierung lebt vor allem vom präzisen komödiantischen Timing ihres Ensembles. Felix Kurmayer zeichnet Brian als charmant überforderten Opportunisten, der sich immer tiefer in den selbst konstruierten Lügenlabyrinthen verstrickt. Seine Darstellung balanciert souverän zwischen selbstsicherer Nonchalance und wachsender Nervosität, ein zentraler Motor vieler pointierter Szenen.

Kurt Hexmann überzeugt als George mit trockener Ironie und kontrollierter Gelassenheit. Gerade im Zusammenspiel mit Kurmayer entwickelt sich eine dynamische Partnerschaft, die den Rhythmus des Abends maßgeblich bestimmt. Die Dialoge zwischen den beiden Figuren zählen zu den stärksten Momenten der Inszenierung.

Im weiblichen Ensemble setzt Katrin Fuchs als Wendy auf eine Mischung aus koketter Selbstinszenierung und strategischem Kalkül. Dorothea Parton und Irene Budischowsky bringen zusätzliche Nuancen in das Beziehungsgeflecht. Während Parthon mit präziser Pointierung agiert, setzt Budischowsky stärker auf körperliche Komik und impulsives Spiel.

Regisseur Thomas Koziol vertraut weitgehend auf die bewährten Mechanismen des Boulevardtheaters. Türen, rasche Auf- und Abtritte sowie wechselnde Figurenkonstellationen strukturieren den Abend. Zugleich versucht die Inszenierung, den Text über seine reine Komik hinaus zu lesen. Hinter den schnellen Pointen wird ein Bild moderner Beziehungen sichtbar, in denen Selbstverwirklichung und individuelle Bedürfnisbefriedigung mitunter stärker gewichtet werden als Verbindlichkeit.

Dorothea Parton, Katrin Fuchs

Diese Lesart bleibt jedoch eher angedeutet. Koziol setzt deutlich stärker auf Tempo und Spielfreude als auf psychologische Vertiefung. Das Publikum folgt dem Geschehen mit hörbarem Vergnügen, die gesellschaftskritischen Untertöne fungieren eher als gedanklicher Resonanzraum denn als explizites Regiekonzept.

Das Bühnenbild von Martin Gesslbauer nutzt die räumlichen Möglichkeiten des Kaiserbahnhofs klug. Die Wohnungen, Schauplatz der heimlichen Treffen, sind funktional gestaltet.

Auch die Ausstattung von Petra Teufelsbauer unterstützt die Komödienstruktur durch leicht überzeichnete Details, ohne ins Groteske zu kippen.

Kurt Hexmann, Katrin Fuchs, Felix Kurmayer


LOVE JOGGING erweist sich in dieser Inszenierung vor allem als präzise gespielter Boulevardabend mit hohem Unterhaltungswert. Das Ensemble überzeugt durch Timing und Spielfreude, während Regie und Bühne die klassische Komödienmechanik zuverlässig tragen.

Kurt Hexmann, Dorothea Parton

Die gesellschaftskritische Dimension des Stücks bleibt eher angedeutet als ausgearbeitet. Gerade darin liegt jedoch eine gewisse Stärke des Abends. Zwischen schnellen Pointen und turbulenten Szenen entsteht ein humorvoller Blick auf Beziehungen, die in der modernen Lebenswelt zunehmend als arrangierte Konstruktionen erscheinen.

Das Publikum verlässt den Kaiserbahnhof jedenfalls mit hörbarem Vergnügen und vielleicht mit der leisen Frage, wie viel „Jogging“ im eigenen Alltag tatsächlich stattfindet.

Noch bis 29. März zu sehen.

4 von 6 Sternen: ★★★★
                      Kritik: Michaela Springer; Fotos: Karin Burian



www.komoedienwerkstatt.at



 

 

 

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