Paul Barna, Anna Sophie Krenn

22.03.2025 - Scala/ Wien

MARATHON – Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss

Manchmal ist das Leben wie ein Marathon – ein gnadenloser Wettkampf, bei dem es nur ums Durchhalten und Überleben geht. Kaum ein Theaterstück macht das so eindeutig spürbar wie „Marathon – Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“, basierend auf dem Roman von Horace McCoy. Die aktuelle Inszenierung vom Theater Scala, die am 22. März 2025 in Wien Premiere feierte, bringt diesen brutalen Tanzmarathon auf erschütternde Weise auf die Bühne.

Marius Lackenbucher, Stephanie-Christin Schneider, Raimund Brandner

Die Geschichte spielt im Jahre 1932, mitten in der Weltwirtschaftskrise. Menschen ohne Perspektive lassen sich auf einen unmenschlichen Wettbewerb ein: einen Tanzmarathon, der Tage, ja sogar Wochen andauert. Wer gewinnt erhält eine Geldprämie von 1.500 US-Dollar. Die Paare kämpfen dabei mit Erschöpfung, Erniedrigung und gnadenloser Aussortierung der Schwächsten. Den gut betuchten Zuschauer:innen gefällt es und werfen euphorisch Geld in die Arena, bis es zur Tragödie kommt.

Im Mittelpunkt steht die zynische illusionslose Gloria, die von Anfang an spürt, wie aussichtslos ihr Leben ist. Ihr Tanzpartner Robert ist ein naiver Träumer, der sich an die Hoffnung eines Auswegs klammert.

Am Ende bleibt die Frage, wer diesen Marathon des Lebens übersteht.

Die Inszenierung von Bruno Max überzeugt mit einer Besetzung, die sich mit voller Hingabe in die Rollen stürzen. Sie verkörpern die verzweifelten Teilnehmer so intensiv, dass man ihre Müdigkeit spürt und ihre Erschöpfung in ihren Gesichtern lesen kann.

Mathias Kahler-Polagnoli, Anna Sophie Krenn

Anna Sophie Krenn als Gloria liefert eine außergewöhnliche Performance ab. Sie ist zynisch, abgeklärt und doch verletzlich. Ihre Blicke, Körperhaltung und ihr sarkastischer Tonfall fasziniert und verstört zugleich. Es ist die Tragik einer Frau, die keinen Platz mehr in der Welt findet. Ihr finaler Moment geht unter die Haut. Es ist ein Spiel zwischen Resignation und letzter verzweifelter Selbstbestimmung.

Paul Barna als Robert ist anfangs der gutmütige Optimist. Doch mit jeder Stunde des Marathons schwindet seine Hoffnung. Seine Energie schwindet, er wird zunehmend schwerfälliger und schleppender. Am Ende ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Eine Wandlung, die das Publikum berührt.

Alexander Rossi

Alexander Rossi als Moderator MC Rocky Gravo ist der Strippenzieher dieses grausamen Spektakels. Er ist der Zynismus in Perfektion. Alexander Rossi füllt diese Rolle mit einer fesselnden Mischung aus Charme, Kälte und Sadismus. Er ist Entertainer und Tyrann zugleich. Sein charismatisches Spiel fasziniert.

Stark auch die weitere Besetzung mit Eva-Christina Binder (Clarissa), Prisca Buchholtz (Bess), Anais Golder (Liz), Lotte Loebenstein (Mrs. Layden), Teresa Renner (Ruby), Stephanie-Christin Schneider (Shirley), Raimund Brandner (Dr. Elliot, Ringarzt), Robert Max Elsinger (Mack), Michael Fischer (Freddy), Mathias Kahler-Polagnoli (Larry), Christopher Korkisch (James), Marius Lackenbucher (Rollo, der Ringrichter), Benjamin Spindelberg (Joe) sowie Manuel Hagemayer, Chiara Höbert, Celina Leonardelli und Damir Smajic.

Prisca Buchholtz, Robert Elsinger

In der Choreografie von Bettina Soriat spürt man vor allem in den Gruppenszenen die Erschöpfung und die Überschreitung menschlicher Grenzen auf eine brutale und realistische Weise.

Bruno Max schafft es, die klaustrophobische Atmosphäre des Marathons eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen. Diese ist wie eine Arena angeordnet und die rundum sitzenden Zuschauer:innen werden hautnah und sehr realistisch in die Geschehnisse involviert. Besonders beklemmend sind die Momente, an denen die Darsteller:innen völlig entkräftet weiterlaufen und nur der Gedanke an das Preisgeld sie auf den Beinen hält. Dabei nehmen sie alles in Kauf, auch den eigenen Tod. Die Inszenierung zeigt diese harte Realität, ohne sie zu beschönigen.

MARATHON – NUR PFERDEN GIBT MAN DEN GNADENSCHUSS ist kein leichtes Theaterstück, es ist eine erschütternde Erfahrung. Es zeigt nicht nur die Grausamkeit eines absurden Wettbewerbs, sondern hält einem zugleich den Spiegel vor: Wie weit gehen Menschen für eine vage Hoffnung. Das Stück und die Inszenierung ist beklemmend, erschütternd und zugleich genial.

Weitere Spieltage: 25. März bis 12. April 2025, Di–Sa, jeweils um 19:45 Uhr

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                         Kritik: Michaela Springer; Fotos: Bettina Frenzel

  • Alexander Rossi, Stephanie-Christin Schneider, Mathias-Kahler Polagnoli, Marius Lackenbucher, Ensemble
  • Teresa Renner, Christopher Korkisch
  • Alexander Rossi, Eva-Christina Binder, Benjamin Spindelberg
  • Alexander Rossi, Lotte Loebenstein
  • Anaïs Golder, Michael Fischer
  • Anna Sophie Krenn, Marius Lackenbucher
  • Anna Sophie Krenn, Paul Barna 2
  • Anna Sophie Krenn, Paul Barna
  • Anna Sophie Krenn
  • Benjamin Spindelberg, Eva-Christina Binder
  • Ensemble (Mitte Stephanie-Christin Schneider, Mathias Kahler-Polagnoli)
  • Ensemble
  • Ensemble1
  • Ensemble2
  • Ensemble3


www.theaterzumfuerchten.at/TheaterScala/





 

 

 

 

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