07.03.2026 - Tiroler Landestheater/ Innsbruck
SCHWANENSEE
Im Tiroler Landestheater Innsbruck steht mit SCHWANENSEE erneut ein Klassiker auf dem Spielplan, der seit seiner Uraufführung nichts von seiner Faszination verloren hat. Die Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski trägt das Publikum unmittelbar in jene poetische Zwischenwelt, in der sich Realität und Märchen auf magische Weise überlagern.
Die Handlung ist schnell erzählt, aber zeitlos berührend: Prinz Siegfried verliebt sich in Odette, eine Prinzessin, die durch einen Fluch in einen Schwan verwandelt wurde und nur nachts ihre menschliche Gestalt annehmen kann. Erlösung verspricht allein die wahre Liebe. Doch der finstere Zauberer Rotbart und seine Tochter Odile treiben ein gefährliches Spiel mit Täuschung und Verführung, das den Prinzen vor eine schicksalhafte Entscheidung stellt.
Die Innsbrucker Inszenierung setzt auf eine klare, reduzierte Bildsprache, die den Fokus ganz auf das Ensemble legt. Iliano Tomasetto überzeugt als Prinz Siegfried mit eleganter Linienführung und einer glaubwürdigen Mischung aus Melancholie und jugendlicher Sehnsucht. Catarina Abreu tanzt die weiße Schwanenprinzessin Odette mit großer Zartheit und lyrischer Ausdruckskraft, während Odile (Antonietta Bajraktari) – der Black Swan – eine faszinierende, fast gefährlich funkelnde Bühnenpräsenz entwickelt. Gerade dieser Kontrast zwischen Reinheit und Verführung gehört zu den stärksten Momenten des Abends.
Besonders das Corps de Ballet zeigt sich geschlossen und harmonisch, was gerade in den ikonischen Schwanenszenen für eindrucksvolle Bilder sorgt. Die Choreografie (Marcel Leemann) orientiert sich an der klassischen Tradition, wird jedoch in Details modernisiert, was dem Stück eine eigene Handschrift verleiht. Regie und choreografische Leitung beweisen dabei ein feines Gespür für Atmosphäre und musikalische Dramaturgie.
Auffällig war an dem besuchten Abend auch das Publikum: Viele Kinder, insbesondere junge Mädchen, saßen gebannt im Zuschauerraum. Kein Wunder – beginnt doch die Leidenschaft für das Ballett oft schon in sehr frühen Jahren. Man konnte sich lebhaft vorstellen, wie sich die eine oder andere von ihnen bereits selbst auf dieser Bühne sah, inspiriert von den großen Vorbildern, vielleicht mit dem Traum, eines Tages selbst als Schwanenprinzessin im Rampenlicht zu stehen.
Ein Kritikpunkt lässt sich jedoch nicht übersehen: Ein Großteil der Aufführung wird barfuß beziehungsweise in Schuhen getanzt, was für ein klassisches Ballett, wie SCHWANENSEE, irritierend wirkt. Gerade die Spitzenschuhe gehören für viele untrennbar zur Ästhetik dieses Märchens – sie verleihen den Bewegungen jene Schwerelosigkeit und Eleganz, die man mit diesem Werk verbindet. Ihr Fehlen nimmt der Inszenierung ein Stück jener traditionellen Magie, die man gerade bei diesem Titel erwartet.
Dennoch bleibt der Gesamteindruck positiv: SCHWANENSEE in Innsbruck ist eine sehr typische Tiroler Produktion – hochwertig umgesetzt, publikumsnah und mit einem klaren Gespür für Ästhetik und Emotion. Zudem bleibt ausreichend Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen: Die Produktion ist noch bis Juni 2027 im Spielplan des Tiroler Landestheaters zu sehen, Karten sind bequem über die offizielle Website erhältlich.
Man darf sich darüber hinaus durchaus schon auf kommende Produktionen der Ballett-Company freuen – denn wenn dieser Abend eines gezeigt hat, dann, dass hier auch in Zukunft noch einige spannende und sehenswerte Abende zu erwarten sind.
4 von 6 Sternen: ★★★★
Kritik: Jacqueline Hueber;
Fotos: Ida Zenna



















