18.02.2026 - Das Vindobona/ Wien

Adriana Zartl: 
50+ WIE UND GEIL

Mit ihrem ersten Soloprogramm „50+ WIE UND GEIL“ legt Adriana Zartl eine selbstbewusste, publikumsnahe Standortbestimmung weiblicher Lebensrealität jenseits der Fünfzig vor. Das Format einer „Koch-Dating-Talk-Show“ fungiert dabei als kluge dramaturgische Klammer. Zwischen Beziehungsfragen und improvisierten Publikumsdialogen entfaltet sich ein Abend, der Alltagsbeobachtung, Selbstironie und kabarettistische Pointen zu einem leichtfüßigen, zugleich präzisen Porträt verdichtet.

Zartl setzt konsequent auf die Energie des unmittelbaren Kontakts. Ihre Bühnenfigur, suchend, zweifelnd, lustvoll und immer wieder überraschend resolut, führt durch eine Folge von Szenen, die den Dating-Kosmos reifer Frauen nicht als Defizitgeschichte, sondern als Terrain neu gewonnener Freiheit konturieren. Die Komik speist sich aus der pointierten Überhöhung scheinbar banaler Fragen. Wie inszeniert man den eigenen Körper ohne falsche Eitelkeit? Was geschieht, wenn Erwartung und Realität beim ersten Treffen kollidieren? Und wie wird Kochen zur performativen Metapher für Beziehungsarbeit?

Besonders überzeugend ist die Fähigkeit der Künstlerin, Selbstoffenbarung und Distanz in ein produktives Spannungsverhältnis zu bringen. Zartl riskiert persönliche Töne, ohne in Bekenntnishaftigkeit zu verfallen, sie ironisiert das eigene Begehren, ohne es zu entwerten. Diese Balance verleiht dem Abend seine Authentizität. Die Sprache bleibt zugänglich, der Witz präzise gesetzt, die Übergänge zwischen gespielter Intimität und analytischer Zuspitzung sind fließend.

Wo das Programm gelegentlich in eine lose Nummernstruktur ausfranst, wird dies durch die Interaktion mit dem Publikum aufgefangen, die Zartl souverän steuert und als Motor der Dynamik nutzt. Hier zeigt sich ihr Gespür für Rhythmus: Lachen entsteht nicht allein aus der Pointe, sondern aus der präzisen Dosierung von Erwartung und Verzögerung.

Thematisch verhandelt „50+ WIE UND GEIL“ Fragen von Attraktivität, Selbstbild und Partnersuche in einer Lebensphase, die im populären Diskurs häufig klischeehaft unterbelichtet bleibt. Zartl widerspricht dieser Verengung mit Humor und Haltung. Der Abend feiert Erfahrung als Ressource, nicht als Ballast, und plädiert – bei aller Ironie für ein Recht auf Begehren, Neugier und Spiel.

So erweist sich das Debüt als eigenständige künstlerische Position: publikumswirksam, klug gebaut und getragen von einer starken Bühnenpersönlichkeit. „50+ WIE UND GEIL“ überzeugt als unterhaltsame und zugleich reflektierte Bestandsaufnahme – ein Soloprogramm, das den Dialog zwischen Bühne und Publikum ernst nimmt und eine erfrischend unpathetische Form weiblicher Selbstermächtigung entwirft.

5 von 6 Sternen: ★★★★★     
             Kritik: Michaela Springer
             Fotos: Wolfgang Springer

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www.adrianazartl.com



 

 

 

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