01.10.2026 - DAS Margareten/ Wien

Cissy & Hugo wieder in Wien

Rita und Georg O. Luksch feiern zehn Jahre als Cissy Kraner und Hugo Wiener mit Chansons, schwarzem Humor und einer Geschichte über Flucht, Exil und künstlerische Selbstbehauptung.

1948 kehren Cissy Kraner und Hugo Wiener nach zehn Jahren in Südamerika nach Wien zurück. Hinter ihnen liegen Flucht, Exil und ein künstlerischer Neubeginn in Caracas. Vor ihnen eine Stadt, die ihnen vertraut und zugleich fremd geworden ist. Die Rückkehr markiert den Beginn eines neuen Kapitels und einer außergewöhnlichen Karriere im österreichischen Kabarett.

An diesem Wendepunkt setzt „Cissy & Hugo wieder in Wien“ nach einer Rückblende an. Rita und Georg O. Luksch beschäftigen sich seit zehn Jahren mit den beiden Künstlerpersönlichkeiten. Zum Bühnenjubiläum verbinden sie deren Biografie mit den Chansons Hugo Wieners und holen das legendäre Paar zurück an jenen Ort, an dem nach dem Exil ein zweites künstlerisches Leben begann.

Die Rückkehr ist keine einfache Heimkehr. Kraner und Wiener müssen sich in einer Gesellschaft neu behaupten, aus der sie wenige Jahre zuvor vertrieben worden waren. Ihre Antwort darauf ist die Bühne und der Humor.
Auftritte im Simpl, im Zirkus und später internationale Tourneen machen sie zu festen Größen der Wiener Kabarettszene. Wiener schreibt Texte und Chansons, Kraner gibt ihnen Stimme, Körper und eine unverwechselbare Bühnenpersönlichkeit.

Wieners Humor ist dabei alles andere als harmlos. Hinter den Pointen über Männer, Geld, Begehren und Alltagsabsurditäten liegen genaue Beobachtungen gesellschaftlicher Verhältnisse. Frivolität und Kritik gehen ineinander über. Das Lachen hat bei Kraner und Wiener stets einen zweiten Boden.

Der „Vamp von Favoriten“:
Cissy Kraner war nicht bloß Interpretin der Texte ihres Mannes. Sie schuf eine Bühnenfigur, die selbstbewusst, frivol, schlagfertig und zugleich ausgesprochen wienerisch war. Als „Vamp von Favoriten“ wurde sie zu einer eigenständigen Größe des österreichischen Kabaretts.
Ihre Chansons erzählen aus weiblicher Perspektive von Begehren, Abhängigkeit, Geld und sozialen Zumutungen. Gerade diese Direktheit macht sie bis heute interessant.

Rita Luksch nähert sich Kraner nicht über eine bloße Imitation. Sie übernimmt vielmehr deren charakteristische Mischung aus Wiener Schmäh, Selbstironie und Widerständigkeit und entwickelt daraus eine eigene Bühnenfigur. Stimme, Artikulation und Körpersprache werden zum Medium einer historischen Figur, die nicht museal wirkt, sondern gegenwärtig bleibt.

Georg O. Luksch verkörpert Hugo Wiener und übernimmt zugleich die musikalische Führung des Abends. Als Musiker und Grammy-Preisträger ist er am Klavier weit mehr als Begleiter. Er gibt den Chansons ihren rhythmischen Puls, setzt Akzente und schafft Übergänge zwischen Musik, Text und Szene.

Im Zusammenspiel der beiden Lukschs zeigt sich die Erfahrung aus einem Jahrzehnt Beschäftigung mit Kraner und Wiener. Die historischen Figuren werden nicht lediglich reproduziert, sondern als Bühnenpaar neu gelesen.

Unterstützt wird diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart durch Projektionen, die die Bühne um einen Erinnerungsraum, in dem historische Anmutungen und experimentelle Bilder mit Musik und Text korrespondieren, erweitern. Die Visuals illustrieren die Geschichte nicht, sondern schaffen eigene Wahrnehmungsebenen und lassen unterschiedliche Zeiten miteinander in Beziehung treten.

Die biografische Dimension des Abends bleibt dabei stets präsent. Flucht und Exil bilden den Hintergrund einer Geschichte, die nicht als schwere Heldenerzählung auf die Bühne gebracht wird. Ihr eigentliches Happy End liegt in der Rückkehr zur Kunst.

Der Humor wird für Kraner und Wiener zum Instrument der Selbstbehauptung. Das erklärt auch die anhaltende Wirkung ihrer Chansons. Sie sind Zeugnisse ihrer Zeit und zugleich Texte über Erfahrungen, die nicht an eine bestimmte Epoche gebunden sind, soziale Rollen, Abhängigkeiten, materielle Unsicherheit und den Versuch, sich die eigene Würde zu bewahren.

Für Rita und Georg O. Luksch ist „Cissy & Hugo wieder in Wien“ damit nicht nur eine Hommage, sondern die Bilanz einer zehnjährigen künstlerischen Auseinandersetzung. Aus historischem Material entsteht ein eigenständiger Musiktheaterabend zwischen Kabarett, Chanson und Erinnerungskultur.

1948 kamen Cissy Kraner und Hugo Wiener nach Wien zurück. Heute kehren ihre Stimmen auf die Bühne zurück, mit jenem Mittel, das sie schon damals zum Überleben brauchten, dem Lachen.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
         Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

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Karten:

office@dasmargareten.at, 0699/1867 44 58,
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Noch bis 24. Oktober im DAS Margareten!




 

 

 

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