28.07.2026 - Philharmonie/ Köln

DIE WEISSE ROSE – 
Ein eindrucksvolles Musical über den Widerstand

Zum Auftakt des 37. Sommerfestivals in der Philharmonie holten die Kölner ein ganz besonderes Stück auf die Bühne: DIE WEISSE ROSE von Vera Bolten und Alex Melcher. Die beiden lernten sich vor 20 Jahren bei „We Will Rock You“ in Köln kennen und kamen nun mit ihrem ersten eigenen Musical zurück nach Köln. Nachdem das Stück im Festspielhaus Neuschwanstein uraufgeführt wurde, konnte es im vergangenen Jahr zahlreiche Musicalpreise gewinnen.

Wer bei einem Musical ein buntes Spektakel mit aufwendigen Bühnenbildern und prächtigen Kostümen erwartet, ist bei DIE WEISSE ROSE definitiv fehl am Platz. Das Musical erzählt die Geschichte von Hans und Sophie Scholl, die sich während der Nazizeit immer stärker gegen die Diktatur auflehnten und schließlich zu Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ wurden.

Zu Beginn der Handlung begegnen wir den Hauptfiguren in den 1930er-Jahren. Die jeweilige Jahreszahl wird dabei immer wieder auf der Bühne eingeblendet und hilft, die zeitlichen Sprünge innerhalb der Geschichte einzuordnen.

Das Stück beginnt mit Sophie Scholl, gespielt von Friederike Zeidler, die von einer Blumenwiese schwärmt und von ihren glücklichen Momenten in der Natur erzählt. Das Lied „Heimat“ vermittelt zunächst eine beinahe unbeschwerte Stimmung.

Im nächsten Moment befinden wir uns am Küchentisch der Familie Scholl. Beim gemeinsamen Abendessen schwärmen die älteren Kinder Sophie, Hans (Jonathan Guth) und Inge (Juliette Lapouthe) davon, wie schön es bei der Hitlerjugend sei und dass sie ihren Beitrag für Deutschland leisten möchten. Ihr Vater sieht die Entwicklung deutlich skeptischer. Trotzdem lässt er seine Kinder zunächst zur Hitlerjugend gehen.

Hans und Sophie werden schnell zu anerkannten Mitgliedern und übernehmen sogar Führungspositionen. Mit ihren eigenen Ideen und ihrem ausgeprägten eigenen Kopf geraten sie jedoch schon bald immer wieder mit ihren Vorgesetzten aneinander.

Sophie lernt auf einer Tanzparty Fritz Hartnagel (Wolfram Föppl) kennen. Beide fühlen sich schnell zueinander hingezogen. Doch Ende der 1930er-Jahre gerät die Familie Scholl erstmals ins Visier des Naziregimes. Als bei einer Hausdurchsuchung bei ihnen Beweise für das verbotene Weiterführen von bündischen Jugendorganisationen gefunden werden.

1940 wird Hans eingezogen. Als Sanitäter ist er in Frankreich stationiert und erlebt dort sowohl die Schönheit anderer Länder als auch das Leid des Krieges. Im Lied „Vers la Lumière“ wird dieser Zwiespalt besonders deutlich. Auch Fritz wird an die Front eingezogen, sodass Sophie und er ihre Beziehung zunächst nur durch Briefe aufrechterhalten können.

Nach seiner Rückkehr beginnt Hans 1941 mit dem Medizinstudium in München. Dort lernt er den Mitstudenten Alex Schmorell, gespielt von Adam Demetz, kennen. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft. Beide sind begeisterte Anhänger der Kunst und haben gleichzeitig wenig Freude am Dienst in der Studentenkompanie, der ihnen allerdings überhaupt erst das Studium ermöglicht.

Alex ist zunehmend hin- und hergerissen. Der Krieg gegen Russland steht bevor und er weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Gemeinsam besuchen Hans und Alex die Familie Scholl in Ulm. Obwohl sie Angst haben, abgehört zu werden, diskutieren sie über die Verfolgung der Juden und verurteilen das Vorgehen der Nationalsozialisten.

Zu Hans und Alex stößt bald Christoph Probst (Albert Graßmann). Er ist bereits Familienvater und ein langjähriger Freund von Alex, versteht sich aber ebenso gut mit Hans.


Als Hans Vater verhaftet wird, reist Hans umgehend nach Ulm, um nach dem Rechten zu sehen. Inge übergibt ihm dort eine Kopie einer regimekritischen Predigt des Bischofs von Münster. Zurück in München überlegen die Freunde, wie sie solche Texte vervielfältigen und verbreiten können.

Mit Willi Graf, gespielt von Julius Störmer, kommt ein weiterer wichtiger Mitstreiter hinzu. Auch er ist Medizinstudent und hat bereits mehrere Jahre als Sanitäter an der Front verbracht. Die Erlebnisse des Krieges kann er kaum verarbeiten. Im Lied „Von ewiger Unruhe“ wird seine innere Zerrissenheit deutlich.

Währenddessen feiern die Freunde Sophies Geburtstag. Auch sie studiert inzwischen in München und ist längst ein fester Bestandteil der Gruppe.

Letzter im Bunde der „Weißen Rose“ wird Professor Kurt Huber, gespielt von Alexander von Hugo. Die Studenten sind begeistert von seinen Philosophievorlesungen. Bei einem gemeinsamen Diskussionsabend stellen sie fest, dass auch Huber ihre Meinung teilt und es für notwendig hält, aktiv zu werden.

Hans und Alex verfassen und verschicken schließlich ihr erstes Flugblatt. Sophie ahnt sofort, dass die beiden dahinterstecken, und möchte von nun an bei allen weiteren Aktionen dabei sein.

Hans, Alex und Willi müssen 1942 erneut an die Front nach Russland. Sophie und Fritz halten weiterhin Briefkontakt. Währenddessen muss Sophie ihre Semesterferien in einer Rüstungsfabrik verbringen.

Ende 1942 kehren Hans, Alex und Willi aus Russland zurück. Während die drei an der Front waren, hat Sophie neue Pläne geschmiedet und weitere Menschen für den Widerstand gewonnen. Hans kommt seinem Vater, der inzwischen aus dem Gefängnis entlassen wurde, wieder näher. Gleichzeitig steht Christoph Probst mit seinem kleinen Sohn auf der Bühne und freut sich auf seine Familie und die Zukunft. „Heut und in Ewigkeit“ ist dabei ein besonders emotionaler Moment.

In München laufen die Vorbereitungen für neue Flugblätter auf Hochtouren. Christoph möchte sich zunächst nicht aktiv am Widerstand beteiligen, schreibt auf Wunsch von Hans jedoch einen Entwurf für ein Flugblatt. Hans hat inzwischen auch Professor Huber eingeweiht, der seine Unterstützung zugesagt hat.

Starke Darsteller und eine bedrückende Atmosphäre

Alle Darsteller brillieren auf der Bühne und tragen die Geschichte glaubhaft. Jonathan Guth und Friederike Zeidler harmonieren als Hans und Sophie Scholl besonders gut miteinander. Die anfängliche kindliche Euphorie über die Hitlerjugend bis hin zur Entwicklung zu entschlossenen Widerstandskämpfern wird von beiden sehr glaubhaft dargestellt.

Auch Albert Graßmann, Adam Demetz und Julius Störmer überzeugen in ihren Rollen und spielen ihre Figuren mit großer Präsenz. Gerade weil das Stück sehr text- und gesangsintensiv ist, ist die Leistung des gesamten Ensembles umso bemerkenswerter.

Das Bühnenbild ist mit zwei Treppen und einer Empore überwiegend in Schwarz gehalten und wirkt zunächst eher schlicht. Genau diese düstere Gestaltung unterstützt jedoch die Geschichte und lässt die Handlung noch bedrückender erscheinen. Im Hintergrund werden immer wieder Originalzeichnungen von Sophie Scholl eingeblendet, die sehr gut zur Thematik passen.

Besonders erdrückend wird die Atmosphäre, als die Soldaten den Hörsaal stürmen und plötzlich zwei übergroße Flaggen des Dritten Reiches das Bühnenbild säumen. Dieser Moment macht die Bedrohung, die bis dahin bereits immer wieder spürbar war, plötzlich unmittelbar sichtbar.

Die siebenköpfige Band unter der Leitung von Johannes Still ist unterhalb der Empore direkt in das Bühnenbild integriert und tritt zwischendurch auch selbst in Erscheinung. Die Musik ist insgesamt eher rockig angelegt, passt aber sehr gut zur Geschichte und zum modernen Musicalansatz.

Ein Ende, das lange nachwirkt

Besonders im Gedächtnis bleibt das Ende des Stücks. Sophie Scholl, Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und Professor Kurt Huber werden aufgrund ihrer Beteiligung an der „Weißen Rose“ zum Tode verurteilt. Einer nach dem anderen wird von einem Gestapo-Beamten verhört. Dazwischen werden ihre letzten Gedanken und Gefühle sichtbar, bevor sie schließlich hingerichtet werden.

Es ist eine beeindruckende und gleichzeitig beklemmende Szene, die damit endet, dass die jeweiligen Todesdaten der sechs Widerstandskämpfer an die Wand projiziert werden. Danach sind noch Bomber zu hören, die Flugblätter der „Weißen Rose“ über Deutschland abwerfen.

Im Publikum herrscht zunächst absolute Stille. Man weiß nicht so recht, ob man nach einem solchen Ende überhaupt klatschen soll. Schließlich handelt es sich nicht um eine erfundene Geschichte, sondern um tatsächliche Ereignisse, die noch nicht einmal ein Jahrhundert zurückliegen.

Doch irgendwann erwacht das Publikum aus dieser kurzen Schockstarre und bricht in einen tosenden Applaus aus. Ein Applaus, der nicht nur dem Stück gilt, sondern auch den Darstellerinnen und Darstellern, die diese Geschichte mit so viel Einsatz auf die Bühne gebracht haben.


Fazit

DIE WEISSE ROSE sollte man definitiv gesehen haben. Allein die Art der Darstellung hebt das Stück von vielen anderen Musicals ab. Es wirkt über weite Strecken eher wie ein Theaterstück mit rockiger musikalischer Untermalung als ein klassisches Musical.

Dazu kommt das geschichtsträchtige Thema, das durch die Inszenierung sehr direkt und ohne unnötiges Spektakel vermittelt wird. Gerade die schlichte Bühne und die düstere Atmosphäre lassen die Geschichte umso stärker wirken.

Ein beeindruckendes Musical, das nachdenklich macht und noch lange nach dem letzten Ton im Kopf bleibt.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Verena Bartsch; Fotos: Jonas Melcher




 

 

 

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