21.04.2026 - Innsbrucker Kongresshaus/ Tirol
DRACULA
on Tour in Tirol
Mit DRACULA on Tour machte das düstere Musical im April Halt in Tirol und gastierte vom 21. bis 23.04.2026 im Innsbrucker Kongresshaus. Eigentlich ein Anlass, der Vorfreude wecken sollte – doch der Abend begann mit Irritation. Der angekündigte Hauptdarsteller Jan Ammann fiel krankheitsbedingt aus und wurde kurzfristig durch Felix Heller ersetzt. Was fehlte, war die Information. Kein Aushang, keine Durchsage, nicht einmal ein Programmheft, das hätte aufklären können.
So saß man im Publikum, umgeben von Plakaten mit Ammann, und blickte auf einen anderen Dracula. Leises Flüstern, fragende Blicke – ein unnötiger Moment der Verunsicherung, der sich leicht hätte vermeiden lassen.
Und dennoch: Kaum begann die Vorstellung wirklich zu greifen, rückte genau das in den Hintergrund.
Denn was auf der Bühne geschieht, hat Kraft, Atmosphäre und Präsenz. Die Inszenierung ist visuell eindrucksvoll, das Donnergewitter ein echtes Erlebnis, der Sound klar und tragend. Vor allem aber ist da ein Ensemble und ein Orchester, das mit einer Selbstverständlichkeit und Hingabe spielt, als gäbe es kein halbleeres Parkett vor ihnen.
Vielleicht war genau das der berührendste Moment dieses Abends: zu sehen, mit wie viel Leidenschaft hier gearbeitet wird, unabhängig davon, wie viele Menschen zusehen.
Die Geschichte von Dracula und Mina entfaltet dabei ihre ganze emotionale Wucht – Liebe, Sehnsucht, Verrat. Kein bloßes Nacherzählen, sondern ein spürbares Erleben. Eine Produktion, die nicht nur funktioniert, sondern trifft.
Und genau deshalb schmerzt es, in einen nur halb gefüllten Saal zu blicken.
Denn das hier wäre ein Abend gewesen, der ein volles Haus verdient hätte. Einer, über den gesprochen werden müsste. Einer, der in einer Stadt wie Innsbruck seinen festen Platz haben sollte – und nicht nur ein kurzer Gast bleibt. Warum nicht ein dauerhafter Standort? Warum nicht mehr Mut, solche Produktionen sichtbar zu machen, sie zu tragen, ihnen Raum zu geben?
Denn eines ist klar: An der Qualität liegt es nicht.
Ich gebe diesem Musical sechs von sechs Sternen. Ohne Zögern. Weil es das hält, was man sich von einem großen Musical erhofft – und vielleicht sogar ein Stück mehr. Es hat dieses Format, das man sonst nur mit großen internationalen Bühnen verbindet.
Was fehlt, ist nicht das Können, es ist die Aufmerksamkeit.
Und vielleicht auch der Wille, genau solche Abende zu dem zu machen, was sie sein könnten: unvergesslich – für ein volles Haus.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Jacqueline Hueber; Fotos: Nico Moser












