Oliver Sailer (Don Quichotte), Tanzensemble

20.06.2026 - Tiroler Landestheater/ Innsbruck

DON QUICHOTTE
Comédie Héroïque in fünf AktenE

Ein bildstarker, zugänglicher Opernabend mit kleinen akustischen Schattenseiten.

DON QUICHOTTE am Tiroler Landestheater ist eine jener Opernproduktionen, die weit über einen klassischen Opernabend hinausgehen und auch für Nicht-Opernkenner überraschend leicht zugänglich bleiben.

Die Musik von Jules Massenet wirkt elegant, melodisch und angenehm fließend, ohne je schwer zu werden. Gerade diese Leichtigkeit macht den Abend emotional direkt erfahrbar. Gesungen wird durchgehend auf Französisch, was der Produktion eine zusätzliche klangliche Eleganz verleiht. Die Übertitel auf den seitlichen Bildschirmen sind klar und hilfreich und erleichtern das Verständnis der Handlung deutlich.

Benjamin Chamandy (Sancho), Oliver Sailer (Don Quichotte), Tanzensemble


Visuell ist dieser Abend ein echtes Ereignis: Die Bühnenbildnerin Cécile Trémolières erschafft eine eindrucksvolle, fast traumartige Wüstenlandschaft, die sich wie ein zentrales Stimmungsmotiv durch das gesamte Stück zieht. Diese Mischung aus Reduktion, Weite und poetischer Bildsprache verleiht der Inszenierung eine starke atmosphärische Dichte und eine fast filmische Wirkung.

Oliver Sailer (Don Quichotte), Camilla Lehmeier (Dulcinée), Benjamin Chamandy (Sancho), Chor

Auch das Kostümbild von Andrea Kuprian ist äußerst stimmig gearbeitet. Die Kostüme fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein, unterstützen die Figurenzeichnung und tragen wesentlich zur visuellen Geschlossenheit der Produktion bei.

Das Ballettensemble überzeugt mit präziser, ausdrucksstarker Arbeit. Die choreografischen Elemente sind nicht bloß dekorativ, sondern dramaturgisch eingebunden und verstärken die emotionale Ebene des Abends deutlich.

Camilla Lehmeier (Dulcinée), Oliver Sailer (Don Quichotte)

Im Zentrum steht ein sehr starkes Ensemble:

Allen voran Oliver Seiler in der Titelrolle des Don Quichotte. Trotz seines jungen Alters gelingt ihm eine bemerkenswert reife, nuancierte Interpretation dieser Figur. Er spielt Don Quichotte nicht als Karikatur, sondern als zutiefst menschliche, verletzliche und gleichzeitig konsequent idealistische Gestalt. Diese Ernsthaftigkeit und innere Klarheit verleihen seiner Darstellung eine besondere Glaubwürdigkeit. Besonders beeindruckend ist, wie viel Präsenz und emotionale Sicherheit er bereits in dieser großen Rolle zeigt – ein vielversprechendes Talent, das hier klar sichtbar wird und dem man viele weitere zentrale Partien wünschen kann.

Benjamin Chamandy (Sancho), Oliver Sailer (Don Quichotte)

Ebenso überzeugend ist Benjamin Chamandy als Sancho Panza. Er bringt eine angenehm natürliche Bühnenpräsenz mit und verleiht der Figur viel Wärme, Humor und Menschlichkeit, ohne ins Klischee zu kippen. Seine Interpretation wirkt lebendig, charmant und sehr präsent und gibt dem Abend eine wichtige emotionale Erdung. Chamandy erweist sich dabei als echter Gewinn für das Tiroler Landestheater – ein Sänger, der sowohl darstellerisch als auch musikalisch sofort überzeugt und sich nahtlos ins Ensemble einfügt.

Camilla Lehmeier (Dulcinée)

Die weibliche Hauptrolle der Dulcinée, gesungen und gespielt von Camilla Lehmeier, ergänzt dieses Zentrum um eine wichtige kontrastierende Farbe. Als Traumfigur zwischen Realität und Projektion verleiht sie dem Abend eine zusätzliche emotionale und stimmliche Ebene. Lehmeier gestaltet die Partie mit vokaler Eleganz und einer klaren Bühnenpräsenz, die zwischen Distanz und Verführung changiert und damit den inneren Konflikt der Oper wirkungsvoll spürbar macht.

Gemeinsam bilden Seiler, Chamandy und Lehmeier das emotionale und dramaturgische Zentrum der Produktion und tragen die Spannung zwischen Idealismus, Realität und Projektion überzeugend durch den Abend.

Oliver Sailer (Don Quichotte), Tanzensemble, Chor

Einziger deutlicher Kritikpunkt bleibt das Orchester: In einzelnen Passagen – insbesondere bei starkem Einsatz von Schlagwerk und rhythmischen Verdichtungen – wird der Gesang im Erdgeschoss teilweise überdeckt. Dadurch gehen feine stimmliche Nuancen und Textverständlichkeit stellenweise verloren, was schade ist, da das vokale Niveau insgesamt sehr differenziert und sorgfältig ausgearbeitet ist.

Trotz dieses Makels bleibt der Gesamteindruck außergewöhnlich stark: Diese Produktion zählt zu den überzeugendsten Opernabenden der letzten Jahre am Tiroler Landestheater – ein atmosphärisch dichter, bildstarker und musikalisch berührender Abend, der Augen und Ohren gleichermaßen anspricht.

Weitere Vorstellungen finden noch vor der Sommerpause statt. Termine sind auf der Website des Hauses abrufbar.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
               Kritik: Jacqueline Hueber; Fotos: Barbara Pálffy

  • Oliver Sailer (Don Quichotte)
  • Benjamin Chamandy (Sancho), Oliver Sailer (Don Quichotte)
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  • Camilla Lehmeier (Dulcinée), Chor
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  • Camilla Lehmeier (Dulcinée), Oliver Sailer (Don Quichotte), Benjamin Chamandy (Sancho), Chor
  • Camilla Lehmeier (Dulcinée), Oliver Sailer (Don Quichotte), Hazel Neighbour (Pedro), Chor
  • Oliver Sailer (Don Quichotte)-3


www.landestheater.at



 

 

 

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