20.09.2026 - Freie Bühne Wien
Gernot Kranner:
Die Schöne und das Biest
Mitsing-Musical für Kinder ab drei Jahren
Märchen, Musik und Mitmachtheater auf Augenhöhe
Kindertheater für ein Publikum ab drei Jahren verlangt nach Klarheit und Unmittelbarkeit, ohne dabei in Vereinfachung abzugleiten. Gernot Kranners neues Mitsing-Musical DIE SCHÖNE UND DAS BIEST findet für diese Herausforderung eine überzeugende Form. Der bekannte Märchenstoff verbindet sich mit Schauspiel, Musik, Puppenspiel und direkter Publikumsbeteiligung zu einem Theatererlebnis, das seine jüngsten Zuschauer ernst nimmt.
Einen wesentlichen Anteil an der atmosphärischen Wirkung hat das beeindruckende und fantasievolle Bühnenbild von Prof. Herwig Libowitzky. Es schafft einen eigenständigen märchenhaften Bühnenraum, der die Vorstellungskraft der Kinder unmittelbar anspricht und der Geschichte eine visuelle Dimension verleiht. Statt die Fantasie auszuformulieren, setzt das Bühnenbild wirkungsvolle Impulse und lässt genügend Raum für die eigene Imagination des jungen Publikums.
Gernot Kranner erweist sich als versierter Vermittler zwischen Bühne und Zuschauerraum. Mit großer Präsenz, präzisem Timing und viel Humor gelingt es ihm, die Aufmerksamkeit der Kinder zu bündeln und zugleich ihre spontanen Reaktionen produktiv in das Geschehen einzubeziehen. Gesungen, geklatscht und getanzt wird gemeinsam, die Interaktion bleibt dabei kein aufgesetztes Mitmach-Element, sondern ist dramaturgisch in die Aufführung integriert.
Eine zusätzliche theatrale Ebene eröffnet das Zusammenspiel von Schauspiel und Bauchredner-Puppen. Die Puppen werden zu eigenständigen Partnern des Bühnengeschehens und erweitern die Figurenwelt um eine Dimension, die gerade für jüngere Kinder unmittelbar anschlussfähig ist. Die sichtbare Künstlichkeit des Puppenspiels lässt dabei Raum für eigene Imagination.
Musikalisch getragen wird die Produktion von Walter Lochmanns Kompositionen. Eingängige Melodien, klare Strukturen und ein gut erfassbarer Rhythmus entsprechen dem Alter des Publikums, ohne in musikalische Beliebigkeit abzugleiten. Am Klavier sorgt Frizz Fischer für die unmittelbare musikalische Begleitung und gibt dem Geschehen zusätzlichen Drive und Bühnenpräsenz. Im Zusammenspiel mit Kranners Spiel entsteht ein musikalisch-rhythmisches Gerüst, das die Kinder sicher durch die Handlung führt und ihnen zugleich Möglichkeiten zur eigenen Beteiligung eröffnet.
Auch inhaltlich bleibt die Inszenierung erfreulich nah am Kern des Märchens. Es geht um äußere und innere Schönheit, Vorurteile, Vertrauen und die Bereitschaft, den ersten Eindruck zu hinterfragen. Kranner vermittelt diese Aspekte nicht über eine pädagogische Lehrbotschaft, sondern lässt sie aus Figuren, Handlung und Spiel entstehen.
Gerade darin liegt die Qualität der Produktion. DIE SCHÖNE UND DAS BIEST behandelt sein junges Publikum nicht als verkleinerte Zuschauergruppe, sondern als eigenständiges Theaterpublikum. Wiederholung, direkte Ansprache und musikalische Beteiligung schaffen Orientierung; Fantasie, Puppenspiel und das fantasievolle Bühnenbild von Prof. Herwig Libowitzky eröffnen zugleich einen ästhetischen Erfahrungsraum.
Kranner, Lochmann, Fischer und Libowitzky verbinden Märchenspiel, Musiktheater und Mitmachformat zu einer Produktion, die unterhält, ohne zu unterfordern. DIE SCHÖNE UND DAS BIEST zeigt, wie Theater für die Allerkleinsten dann besonders überzeugend wird, wenn Musik, Spiel, Raum und Interaktion nicht nebeneinanderstehen, sondern zu einer gemeinsamen theatralen Sprache finden.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer



.jpg/picture-200?_=1a0cf2e6550)




.jpg/picture-200?_=1a0cf2e7b08)








