15.10.2026 - Komödie am Kai/ Wien

PUCK & CO.
Ein Sommernachtstraum

Shakespeare ohne Bühnenbild: Schräg, temporeich und überraschend treffsicher

Shakespeare ohne Kulissen, dafür mit rasanten Rollenwechseln, schrägem Humor und musikalischen Ausflügen zwischen „Rocky Horror Show“ und Hubert von Goisern. PUCK & CO. in der Komödie am Kai setzt auf die Kraft der Schauspieler und die Fantasie des Publikums. Was zunächst nach einer Versuchsanordnung mit begrenzten Mitteln klingt, entwickelt sich zu einem vergnüglichen Theaterabend, der vor allem durch sein Tempo, seine körperliche Komik und die Spielfreude seiner beiden Darsteller überzeugt.

Eine leere Bühne ist hier kein Notbehelf, sondern Programm. Eva-Christina Binder und Erich Furrer erwecken nicht weniger als 14 Figuren durch rasche Verwandlungen, Gestik und Mimik und einem ausgeprägten Gespür für komische Situationen zum Leben. Die beiden wechseln mühelos zwischen Charakteren und Konstellationen, ohne dass die Figuren ineinander verschwimmen. Dass der Abend trotz des hohen Tempos nicht beliebig wirkt, liegt an ihrer schauspielerischen Präzision. Komödie entsteht schließlich nicht allein durch Pointen, sondern durch Rhythmus, Präsenz und das richtige Timing. In diesen Disziplinen beweist das Duo bemerkenswerte Sicherheit.

Die Inszenierung von Gabriela Benesch begegnet Shakespeare mit Respekt, aber ohne Ehrfurcht. Sie nimmt sich die Freiheit, den klassischen Stoff zu überzeichnen und mit Lust am Absurden auf seine komischen Möglichkeiten zu erweitern. Das Schräge ist dabei weniger ein Gag als eine Haltung. Nichts wird unnötig veredelt, nichts vor der Übertreibung bewahrt. Gerade diese Unmittelbarkeit macht den Reiz des Abends aus. Wo ein aufwendiges Bühnenbild die Fantasie des Publikums lenken würde, genügen hier Körper, Sprache und Bewegung. Die Verwandlung geschieht vor den Augen der Zuschauer und gewinnt dadurch eine eigene Dynamik.

Auch musikalisch hält sich PUCK & CO., nicht an die Erwartungen. Songs aus der „Rocky Horror Show“, aus „Grease“ und von Hubert von Goisern durchbrechen den Shakespeare-Kosmos und setzen bewusst auf den Überraschungseffekt. Gesangliche Virtuosität steht dabei nicht im Vordergrund. Die musikalischen Einlagen leben vielmehr von ihrer Unbekümmertheit und dem Vergnügen, mit dem Binder und Furrer die Grenzen zwischen Schauspiel, Gesang und Parodie verwischen. Was in einer konventionelleren Inszenierung als stilistischer Bruch erscheinen könnte, wird hier zum komischen Kommentar. Nicht die Perfektion der Darbietung zählt, sondern ihre Wirkung und die stellt sich gerade dort ein, wo die Darsteller ihre musikalischen Möglichkeiten nicht überhöhen.

Dass der Abend mehr sein will als eine turbulente Shakespeare-Parodie, zeigt sich im Umgang mit dem Stoff. Liebesverwirrungen, Selbsttäuschung und die Fragilität menschlicher Wahrnehmung sind keine historischen Kuriositäten. Sie bieten genügend Anknüpfungspunkte für einen Gegenwartsbezug, der ohne demonstrative Aktualisierung auskommt. Die Komik entsteht aus Situationen, in denen Menschen ihren eigenen Gefühlen, Projektionen und Irrtümern auf den Leim gehen. Dass sich darin auch heutige Verhaltensmuster erkennen lassen, muss die Inszenierung nicht eigens erklären. Es genügt, die Mechanismen freizulegen und ihre Absurdität sichtbar zu machen.

Regie und Bearbeitung setzen auf Direktheit, Tempo und die Lust am Regelbruch. Dabei gerät PUCK & CO. weder zur ehrfürchtigen Klassikerpflege noch zur bloßen Nummernrevue. Der Abend bewegt sich bewusst zwischen literarischer Vorlage und Unterhaltungstheater, ohne den Anspruch zu erheben, Shakespeare in seiner ursprünglichen Form bewahren zu müssen. Seine Freiheit nimmt er sich aus der Überzeugung, dass ein Klassiker nicht museal behandelt werden muss, um lebendig zu bleiben. Allerdings lebt dieses Konzept wesentlich von der Präsenz seiner Darsteller. Wo Ausstattung und szenischer Aufwand zurücktreten, müssen Spiel, Rhythmus und Figurenzeichnung umso mehr tragen. Binder und Furrer gelingt das überzeugend.

Für Shakespeare-Puristen, die eine werkgetreue Annäherung erwarten, dürfte diese Interpretation zu frech, zu verspielt und mitunter zu ungebunden sein. Wer sich hingegen auf die Mischung aus klassischem Stoff, körperbetonter Komik, musikalischen Brüchen und gegenwärtigen Anspielungen einlässt, bekommt einen Abend geboten, der seine Mittel konsequent nutzt.
Am Ende bleibt eine Produktion, die vor allem auf das vertraut, was Theater im Kern ausmacht, die Verwandlungskraft der Schauspieler und die Bereitschaft des Publikums, sich auf eine gemeinsame Fantasie einzulassen. PUCK & CO. zeigt, dass ein Klassiker weder aufwendige Kulissen noch musikalischen Glanz benötigt, um auf der Bühne zu bestehen. Zwei wandlungsfähige Darsteller, eine leere Spielfläche und ein freier Umgang mit Shakespeare reichen aus, um einen ebenso schrägen wie unterhaltsamen Theaterabend entstehen zu lassen.

PUCK & CO. noch bis 24.10. in der Komödie am Kai.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: www.beneschfurrer.com


www.puck-sommernachtstraum.com

www.komoedieamkai.at




 

 

 

E-Mail
Instagram