01.08.2026 - FreilichtSpiele Tecklenburg

ROCKY - Das Musical

Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Film, der in den 70er-Jahren in den Kinos zu sehen war und 1977 gleich mit drei Oscars ausgezeichnet wurde, unter anderem als „Bester Film“.

Sowohl beim Film als auch beim Musical war Sylvester Stallone federführend mit dabei. Für den Film schrieb er das Drehbuch, beim Musical war er gemeinsam mit Thomas Meehan für das Buch verantwortlich.

Das Musical entstand zunächst als englischsprachige Produktion und wurde für die Hamburger Uraufführung ins Deutsche übersetzt. Nach der ersten Produktion in Deutschland schaffte das Musical schließlich sogar den Sprung an den Broadway.

Die Geschichte spielt in Philadelphia und dreht sich um Rocky Balboa (Lucas Baier), der es im Leben bisher eigentlich noch nicht weit gebracht hat und eher in den Tag hineinlebt. Er arbeitet für einen lokalen Kredithai und treibt für ihn Schulden ein. Nachts bestreitet er außerdem den einen oder anderen kleinen Boxkampf, um etwas Geld zu verdienen. Gleichzeitig ist Rocky überzeugt davon, dass nicht viel in ihm steckt, schließlich hat er aus seinem Leben bisher nicht besonders viel gemacht.

Dann ist da noch Adrian Pennino (Lisa Kolada). Rocky hat schon seit seiner Jugend ein Auge auf sie geworfen. Adrian ist die Schwester von Paulie Pennino (Gerben Grimmius), der in einer Fleischfabrik arbeitet und sich abends lieber ordentlich betrinkt, als etwas aus seinem Leben zu machen. Während Rocky und Adrian sich langsam näherkommen, taucht plötzlich der amtierende Weltmeister im Schwergewicht, Apollo Creed (Vic Anthony), in Philadelphia auf.

Allerdings möchte niemand gegen ihn kämpfen und so sucht Apollo dringend einen Gegner für seinen nächsten Titelkampf. Er entscheidet sich für Rocky, einen lokalen Boxer, der auf den Fotos eher harmlos aussieht. Dass Apollo ausgerechnet gegen einen Lokalmatador antreten möchte, sorgt natürlich für ordentlich Schlagzeilen in Philadelphia.

Rocky nimmt die Einladung schließlich an, ist aber zunächst selbst skeptisch, ob er den Kampf nicht doch lieber absagen sollte. Gemeinsam mit seinem alten Trainer Mickey (Benjamin Eberling), der schon immer Potenzial in Rocky gesehen hat, beginnt er schließlich mit dem Training. Trotzdem bleibt der Respekt vor Apollo und vor allem der Kampf gegen die eigenen inneren Dämonen: „Du kannst es eh nicht.“ Was dann in der Arena passiert, geht schließlich in die Geschichte ein.

Lucas Baier spielt Rocky grandios. Schon die Art, wie er über die Bühne schlurft und wie er gerade zu Beginn gegenüber Adrian auftritt, passt wunderbar zu der Figur. Im Laufe des Stückes entwickelt sich Rocky immer mehr zu einem ernstzunehmenden Gegner für Apollo Creed. Und neben dem Gesang sind vor allem die körperlichen Leistungen von Lucas Baier auf der Bühne beachtenswert.

Allen voran die Trainingssequenz, als Rocky sich entscheidet, gegen Apollo Creed anzutreten und seinen alten Trainer um Hilfe bittet. Morgens um sechs Uhr mixt er sich seinen Energieshake und dann geht es los: Klimmzüge, einhändige Liegestütze und natürlich Joggen.

Und Lucas Baier joggt dabei nicht einfach nur ein paar Meter über die Bühne. Nein, er läuft einmal komplett um den Zuschauerraum, in dem immerhin rund 2.300 Menschen Platz finden, und anschließend in der Kulisse die berühmte Treppe hoch und wieder runter, wie im Film und untermalt von „Eye of the Tiger“.

Chapeau, was für eine Wahnsinnsleistung von Lucas Baier! Vor allem, wenn man bedenkt, dass er dieses Workout Abend für Abend auf der Bühne hinlegt.

Mittlerweile gibt es in Tecklenburg für die wichtigsten Rollen auch alternierende Darsteller. Wir hatten das große Glück, Lisa Kolada als Adrian Pennino zu sehen, und auch sie füllte ihre Rolle perfekt aus. Zu Beginn ist Adrian das schüchterne Mädchen, das sich kaum traut, auf die Straße zu gehen. Im Laufe des Stückes entwickelt sie sich jedoch weiter und beginnt schließlich auch, sich gegen ihren Bruder zu behaupten.

Ihr Bruder Paulie wurde von Gerben Grimmius gespielt. Er spielt Paulie klasse und torkelt tatsächlich so überzeugend über die Bühne, dass man ihm den betrunkenen Zustand sofort abnimmt.

Apollo Creed wird von Vic Anthony gespielt. Er muss eigentlich gar nicht so viel machen, schließlich hat er als amtierender Weltmeister ohnehin zunächst den Gewinnerpart auf seiner Seite. Trotzdem überzeugt auch er das Publikum, spätestens in der großen Kampfszene.

Und dann ist da natürlich noch der alte, markante Trainer Mickey, der immer an Rocky geglaubt hat. Benjamin Eberling stellt diese Figur sehr überzeugend dar und bringt genau die richtige Mischung aus Strenge und Vertrauen in die Rolle.

Während der Pause werden im Publikum fleißig Schilder verteilt. Auf der einen Seite Rocky, auf der anderen Apollo. Sie dienen später zum Anfeuern während des großen Kampfes und runden das Gesamtbild noch einmal gekonnt ab.

Sehr gut herausgearbeitet ist der Kampf selbst. Die beiden schlagen tatsächlich aufeinander ein, wodurch das Ganze umso echter wirkt. Trotzdem wird niemand ernsthaft verletzt. Zwischendurch, wenn es besonders spannend wird, wird in Zeitlupe geboxt und gezielt mit Lichteffekten gearbeitet. Auch die Jury für die Punktevergabe ist gekonnt beim Dirigenten im Orchestergraben platziert.

Rockys Blut während des Boxkampfes ist für die ersten Reihen vielleicht ein kleines bisschen übertrieben, soll schließlich aber auch in den hintersten Reihen noch ankommen.

Beeindruckend sind auch das Ensemble und der große Chor, die wie immer gut in die Handlung integriert werden. Wo bekommt man so etwas heute noch zu sehen?

Regie führt Janina Niehus. Sie setzt das Stück gekonnt auf die große Bühne der Freilichtspiele und sorgt dafür, dass es zu keiner Zeit langweilig wird.

Auch die Kostüme sämtlicher Darsteller wurden von Fabienne Ank klasse herausgearbeitet. Der 70er-Jahre-Look passt perfekt zur Geschichte. Besonders auffällig sind die großartigen, teilweise schrillen Kostüme, sobald es um Apollo Creed geht. Dann tauchen die Darsteller rund um den Star der Boxwelt in glitzernden Kostümen in den Farben der amerikanischen Flagge auf.

Das Bühnenbild von Jens Janke wurde ebenfalls klasse in die Kulisse der Freilichtbühne Tecklenburg eingearbeitet. Oben auf der Empore befindet sich entweder der Managerraum von Apollo Creed oder, wenn man die Wände andersherum aufklappt, Rockys zuhause. Unten ist die Wohnung von Paulie und Adrian gut in die vorhandene Kulisse integriert.

Im rechten Teil der Bühne befindet sich das Boxstudio, während auf der linken Bühnenhälfte das Zoogeschäft zu finden ist, in dem Adrian arbeitet.

Am besten ist der große Boxkampf. Dafür steht vorne auf der Bühne ein großer Boxring. Aber auch die Schlittschuhszene darf nicht fehlen. Dafür wird kurzerhand eine improvisierte Eisfläche auf der Bühne geschaffen – und das bei gefühlt 30 Grad im Schatten.

Untermalt wird das gesamte Musical vom 16-köpfigen Orchester unter der Leitung von Giorgio Radoja, das den passenden Sound für die Geschichte liefert und die großen Musicalmomente entsprechend unterstützt.

Einziges kleines Manko: Sowohl die Pause als auch das Ende kamen etwas abrupt. Ansonsten war es eine rundum gelungene Vorstellung, die vor allem durch die starke Besetzung, die aufwendigen Szenen und natürlich die große Trainings- und Kampfszene überzeugt.

5 von 6 Sternen: ★★★★★★
                Kritik: Verena Bartsch; Fotos: Daniel Lagerpusch

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