13.08.2026 - Philharmonie/ Köln

ROMEO & JULIA - 
Liebe ist alles

Zum Abschluss des 37. Sommerfestivals in der Kölner Philharmonie gastierte die Tourproduktion von „ROMEO & JULIA – Liebe ist alles“ in der Philharmonie.

Romeo und Julia gelten als das berühmteste Liebespaar der Literaturgeschichte.

Das diese Geschichte auch in der Musicalwelt ihren Platz findet, ist daher kaum überraschend. Peter Plate und Ulf Sommer haben ihre ganz eigene Version des Shakespeare-Klassikers auf die Bühne gebracht. Nach großem Erfolg in Berlin ist das Musical inzwischen auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Untertitel „Liebe ist alles“ stammt ebenso aus der Feder der beiden wie der gleichnamige Song, der vielen bereits durch Rosenstolz bekannt sein dürfte.

Die Geschichte spielt im italienischen Verona. Romeo Montague verliebt sich auf einem Ball der Capulets in Julia, obwohl ihre Familien seit Jahren verfeindet sind. Wie die tragische Liebesgeschichte endet, ist bekannt. Das Musical beginnt deshalb direkt mit dem Ende: Romeo und Julia liegen tot auf dem Altar. Auffällig ist, dass Romeos Eltern in dieser Version keine Rolle spielen, sondern nur Julias Eltern, die ihre Tochter zur Hochzeit mit Graf Paris drängen.

Musikalisch setzen Plate und Sommer auf modernen Pop, der hervorragend mit der Geschichte funktioniert. Gefühlvolle Balladen wechseln sich mit kraftvollen Ensemble-Nummern ab. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen den modernen Songs und den gesprochenen Passagen in klassischer Shakespeare-Sprache. Gerade diese Mischung verleiht der Inszenierung ihren eigenen Charakter.

Auch das Bühnenbild von Andrew D. Edwards überzeugt trotz seiner bewusst einfachen Gestaltung. Eine halbrunde, zweistöckige Konstruktion und eine Drehbühne ermöglichen es, die Figuren immer wieder gezielt in den Vorder- oder Hintergrund zu setzen. Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der Romeo nachts zu Julias Balkon kommt. Mit Stäben und Leuchtelementen an der Spitze der Stäbe, wird die Bühne dabei in eine wunderschöne, romantische Atmosphäre verwandelt. Die Kostüme bleiben ebenfalls schlicht, fügen sich jedoch stimmig in das Gesamtbild ein.

Durch die Geschichte führt Pater Lorenzo, gespielt von Pascal Cremer. Er verleiht der Rolle viel Präsenz und kann insbesondere mit seinem Solo „Es tut mir leid“ sein Können unter Beweis stellen.

Laura Schatz und Mats Visser überzeugen als Julia und Romeo und harmonieren hervorragend miteinander. Cedric Schröter gibt Mercutio eine verträumte, aber zugleich zweifelnde Seite. Christian Bock als Tybalt zeigt dagegen Härte und Aggressivität und setzt damit einen starken Kontrast.

Zwei Rollen stechen besonders hervor. Beatrice Reece sorgt als Amme für die meisten Lacher im Publikum und wird schnell zum Sympathieträger des Abends. Dabei gelingt es ihr, trotz der humorvollen Momente, jederzeit glaubwürdig zu bleiben.

Eine besondere Wirkung hat außerdem der Todesengel, der immer wieder über dem Geschehen schwebt. Mit seinem weiß geschminkten Gesicht und seinen Liedern in Tenorstimme verleiht er dem Musical eine düstere und zugleich faszinierende Note. Dabei entstehen einige echte Gänsehautmomente.

Auch das Ensemble ist stimmlich und optisch hervorragend eingesetzt. Besonders beim Ball der Capulets entsteht ein eindrucksvolles Gesamtbild. Unterstützt werden die Darstellerinnen und Darsteller von einer fünfköpfigen Band unter der Leitung von Justin Lehmann-Fries.

„ROMEO & JULIA – Liebe ist alles“ ist ein gelungenes Musical, das den klassischen Stoff modern interpretiert und dabei einen überraschend aktuellen Akzent setzt. Am Ende erklingt nicht „Liebe ist alles“, sondern „Der Krieg ist aus“. Die Darsteller stehen dabei nicht mehr in ihren Kostümen auf der Bühne, sondern in Alltagskleidung. Ein bewusst gesetztes und angesichts der aktuellen Weltpolitik besonders starkes Schlussbild.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
           Kritik: Verena Bartsch; Fotos: Imke Trapp Fotografie

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