28.06.2026 - Sommerbühne Rosenburg/ NÖ
SUGAR - Manche mögen´s heiß
Die Sommernachtskomödie Rosenburg unter der Intendanz von Nina Blum zählt seit Jahren zu den festen Größen des österreichischen Theatersommers. Ihre Produktionen stehen regelmäßig für hohe künstlerische Qualität, sorgfältige Besetzungen und niveauvolle Unterhaltung. Auch in diesem Jahr bestätigt sich dieser Ruf eindrucksvoll. Mit der Bühnenfassung der Filmkomödie SUGAR - MANCHE MÖGEN´S HEISS gelingt eine ebenso charmante wie temporeiche Inszenierung, die den Geist des Hollywood-Klassikers bewahrt und zugleich als mitreißendes Sommertheater begeistert.
Die Handlung orientiert sich eng an Billy Wilders berühmter Filmvorlage. Zwei Musiker werden zufällig Zeugen eines Mafia-Verbrechens und sehen nur einen Ausweg. Als Frauen verkleidet schließen sie sich einer Damenkapelle an, um ihren Verfolgern zu entkommen. Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation entwickelt sich eine turbulente Verwechslungskomödie voller Situationskomik, pointierter Dialoge und überraschender Wendungen. Gleichzeitig berührt das Stück Themen wie Identität, Rollenbilder und die Suche nach dem persönlichen Glück. Motive, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Die Regie von Marcus Ganser setzt konsequent auf Tempo und Präzision. Rasche Szenenwechsel, ein flüssiger Erzählrhythmus und ein ausgezeichnetes Gespür für Timing sorgen dafür, dass die Aufführung von der ersten bis zur letzten Minute lebendig bleibt. Humor und musikalische Einlagen greifen nahtlos ineinander und verleihen dem Abend seine besondere Leichtigkeit.
Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Produktion hat das hervorragend disponierte Ensemble. Okan Cömert überzeugt als Josephine mit großer Wandlungsfähigkeit und natürlicher Bühnenpräsenz. Mit feinem Gespür für Komik gestaltet er den Rollenwechsel glaubwürdig und trifft jede Pointe mit bemerkenswerter Präzision, ohne jemals ins Überzeichnete abzurutschen.
Daniel Keberle ergänzt ihn als Daphne ideal. Seine ausdrucksstarke Mimik, sein exzellentes Timing und die spürbare Spielfreude sorgen für zahlreiche Höhepunkte. Vor allem im Zusammenspiel mit Okan Cömert entsteht jene mitreißende Dynamik, die den gesamten Abend trägt und das Publikum immer wieder zu herzlichem Lachen animiert.
Bernhard Majcen setzt als Gangsterboss Gamasche markante Akzente. Er verbindet die notwendige Präsenz mit feinem Gespür für ironische Zwischentöne und bewegt sich souverän zwischen Bedrohlichkeit und augenzwinkernder Komik. Dadurch gewinnt die Handlung zusätzliche Spannung, ohne ihren humorvollen Grundton zu verlieren.
Zu den Glanzpunkten des Abends zählt Johannes Terne als exzentrischer Millionär Osgood Fielding. Mit charismatischer Bühnenpräsenz, subtilem Humor und eleganter Leichtigkeit entwickelt er eine Figur von großer Liebenswürdigkeit. Seine Darstellung lebt nicht von übertriebener Komik, sondern von feinen Nuancen und präziser Figurenzeichnung. Gerade diese zurückhaltende Souveränität macht seine Interpretation so überzeugend und beschert ihm verdientermaßen begeisterte Reaktionen des Publikums.
Lola Witzmann verleiht Sugar viel Natürlichkeit und Charme. Sie überzeugt sowohl schauspielerisch als auch gesanglich und zeichnet ihre Figur als selbstbewusste, lebensfrohe Frau mit großer Ausstrahlung. Dadurch wird Sugar weit mehr als nur der romantische Mittelpunkt der Geschichte.
Adriana Zartl komplettiert das Ensemble mit einer souveränen und präsenten Darstellung. Sie verbindet Autorität mit feinem Humor und setzt ihre Figur mit großer Präzision und überzeugender Bühnenwirkung in Szene.
Überhaupt präsentiert sich das Ensemble als hervorragend eingespielte Einheit. Die Dialoge entfalten ihren Witz durch exaktes Timing, das Zusammenspiel wirkt selbstverständlich und harmonisch, und die große Spielfreude aller Beteiligten überträgt sich unmittelbar auf das Publikum.
Auch die Ausstattung trägt wesentlich zum Gelingen der Produktion bei. Das funktionale Bühnenbild ermöglicht mit wenigen, geschickt eingesetzten Elementen rasche Ortswechsel, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Die offenen Umbauten fügen sich harmonisch in das hohe Tempo der Inszenierung ein und wirken nie störend.
Die Kostüme sind weit mehr als bloße Ausstattung. Sie transportieren den Charme der Zeit, unterstützen die Verwechslungskomödie wirkungsvoll und setzen zugleich elegante optische Akzente. Lichtgestaltung und musikalische Umsetzung ergänzen das Bühnenbild stimmungsvoll und schaffen eine atmosphärisch dichte und lebendige Theaterwelt.
Die Inszenierung verfolgt bewusst nicht das Ziel einer modernen Neuinterpretation, sondern vertraut auf den zeitlosen Unterhaltungswert des Originals. Gerade diese Werktreue erweist sich als Stärke. Der klassische Humor funktioniert auch heute noch ausgezeichnet und entfaltet durch die präzise Regie und das spielfreudige Ensemble seine volle Wirkung.
So präsentiert die Sommerbühne Rosenburg einmal mehr eine Produktion, die den hohen Qualitätsanspruch dieser Sommerfestspiele eindrucksvoll bestätigt. SUGAR - MANCHE MÖGEN´S HEISS gehört zweifellos zu den Höhepunkten des diesjährigen Theatersommers, eine elegante, humorvolle und musikalisch beschwingte Inszenierung, die mit ausgezeichneten Darstellerinnen und Darstellern, einer stimmigen Ausstattung und großer Spielfreude überzeugt. Das Publikum erlebt einen ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Theaterabend.
SUGAR - MANCHE MÖGEN´S HEISS ist noch bis 9. August auf der Rosenburg zu sehen.
2027 steht die erfolgreiche französische Tragikomödie ZIEMLICH BESTE FREUNDE auf dem Programm.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer;
Fotos: Sommernachtskomödie Rosenburg/Jenni Koller
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